Lich (us/no/pm). Spätestens seit der Bürgerversammlung vom 24. Februar wussten alle Bescheid, die es wissen wollten: Weil kein überzeugender Pächter zur Verfügung steht, hängt der Fortbestand des Licher Waldschwimmbads am seidenen Faden.
Bürgermeister Bernd Klein hatte »nachhaltige Vorschläge« gefordert, und die sollen der Stadt jetzt unterbreitet werden. Am Dienstag gründeten ernsthafte Akteure den Betreiberverein »Sport, Erholung & Kultur (SEK) Waldschwimmbad Lich i. Gr.«. Sie wollen umgehend mit der Stadt Verhandlungen zum Betreiben des Bades aufnehmen. Ziel ist es ebenfalls, einen geeigneten Gastronomen zu gewinnen. Für kommenden Montag hat der Vorstand zu einem Pressegespräch eingeladen, um seine Ziele zu erläutern. Nicht zuletzt geht es darum, möglichst schnell möglichst viele Mitglieder zu werben.
Die Pächter, die das Waldschwimmbad in den vergangenen Jahren betrieben, hatten im September den Vertrag mit der Stadt gekündigt - aus gesundheitlichen Gründen und weil nach einer verregneten Saison der wirtschaftliche Ertrag in keinem Verhältnis zum Aufwand stand.
Die Suche nach einem neuen Pächter schlug fehl; das Konzept des einzig verbliebenen Bewerbers überzeugte nicht. Letztlich kam der Magistrat zu dem Schluss, dass es immer noch besser wäre, das Bad in der neuen Saison nicht zu öffnen, anstatt sich auf eine Lösung einzulassen, an deren Nachhaltigkeit von vornherein Zweifel bestehen. Es blieb jedoch auch die Hoffnung auf »kreative Initiativen«, letztlich also darauf, dass engagierte Bürger die Sache selbst in die Hand nehmen.
Dieser Weg soll nunbeschritten werden. Wie »SEK«-Vorstandsmitglied Andreas Becker auf Anfrage der »Allgemeinen« sagte, werde das Projekt jedoch nur in Kooperation mit der Stadt zu stemmen sein. Die Vereinsgründung sei als Auftakt zu Verhandlungen zu sehen. »Seit Dienstag hat die Stadt einen Partner, mit dem sie reden kann«, sagte Becker, der als zweiter Vorsitzender des Hallenbadvereins mit der Thematik vertraut ist. Für das Waldschwimmbad wurde ein Konzept ins Auge gefasst, das sich an den Erfahrungen mit dem Hallenbad orientiert, in einem entscheidenden Punkt von dessen Konzept jedoch abweicht: Das Waldschwimmbad ist nicht als reines Vereinsbad gedacht. Auch Tagesgäste sollen den idyllischen See zwischen Lich und Albacher Hof nutzen können. Daneben will der Betreiberverein »Sport, Erholung & Kultur Waldschwimmbad Lich« um feste Mitgliedschaften werben. Man brauche ein gesichertes Budget, um planen zu können, erläuterte Becker.
Zum Vorsitzenden des SEK wählte die Gründungsversammlung Andreas Nau. Als dessen Stellvertreter wurde Matthias Jung bestimmt. Carla Szembeck wird als Schatzmeisterin fungieren und Andreas Becker übernimmt das Amt des Schriftführers. Zu weiteren Vorstandsmitgliedern wurden Heidenreich von Einem, Jürgen Otto, Jens Lehmann, Markus Mulch und Markus Schneider gewählt. Die Kassenprüfung übernimmt Beate Wiedemann.
Das 1937 eröffnete Waldschwimmbad hat nicht nur in Lich, sondern in der ganzen Region Kultstatus. Selbst das Gießener Stadtbuch »BooGie WooGie« widmete ihm einst ein eigenes Kapitel. Ganze Kindergenerationen haben dort ihre Sommerferien verbracht. Zudem ist das Naturgewässer, das dem Fürsten Solms gehört, nicht nur Badesee, sondern auch Veranstaltungsort. Mehrfach fand dort das Kreisjugendfestival »Bring Anna mit...« statt, das »freie ensemble hungen« und das »Theater Traumstern« nutzten das Areal als Spielstätte. Auch sportlich machte das Bad in letzter Zeit von sich reden: Seit 2008 findet dort der Licher Cross-Triathlon statt, der sich steigender Beliebtheit erfreut.