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»Traumstern«-Betreiber derzeit ohne Perspektive

Artikel vom 31.08.2011 - 07.00 Uhr

»Traumstern«-Betreiber derzeit ohne Perspektive

Lich (no). »Wir wissen noch nicht, wie es weitergehen soll«, hatte »Traumstern«-Mitbetreiber Edgar Langer vergangene Woche in einer Pressemitteilung kundgetan, wonach das zum Kino-Komplex zählende Gastronomie- und Wohngebäude des früheren »Statt Gießen« (jetzt »Savanne«) wegen Baumängel abgerissen werden muss.

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Abriss statt Fassadensanierung und Wärmedämmung: Die Theke ist raus, der Durchgang zu den seitherigen Küchen- und Wirtschaftsräumen der »Savanne« zugemauert. Am gestrigen Mittwoch hätte eigentlich schon der Abriss des früheren »Statt Gießen«-Wirtshauses beginnen sollen. Die »Traumstern«-Betreiber und ihre Gastronomen sind ohne Perspektive. (Fotos: Häfner)
Der Schock sitzt nun tief. »Wir brauchen dringend eine Perspektive«, sagte Langer am Dienstag auf Anfrage der Videoredaktion der Gießener Allgemeinen Zeitung. Nachdem das seit Mitte der 1990er Jahre der Brauerei gehörende Anwesen bereits am Wochenende restlos geräumt worden war, hätte eigentlich am gestrigen Mittwoch der Abrissbagger anrollen sollen.

Im Filmbeitrag, der auf der Internetseite www.giessener-allgemeine.de in der Mediathek eingesehen werden kann, schildert Langer die missliche Situation. Eigentlich hätte das Vorderhaus in diesen Tagen von außen renoviert und energetisch aufgebessert werden sollen; so wie zuvor Kinotrakt und Hinterhaus. Dies auch angesichts der Tatsache, dass am 6. Oktober in Lich die nationale Verleihung des Deutschen Kinopreises stattfinden wird. Dann die Überraschung, offenkundig nach Wegschlagen des Fassadenputzes: Das tragende Fachwerk des Gebäudes war in desolatem Zustand, mürb vom Kellersims bis hinauf in den zweiten Stock. Langer: »Zu retten war da nichts!«

+++ VideoSchließung am Traumstern Lich

Bereits am Freitag war das Gebäude gesperrt worden, mussten Langer, sein Geschäftspartner Hans Gsänger und deren fleißigen Mitstreiter mit dem Räumen beginnen – während die Betreiberfamilie des Kulturrestaurants »Savanne«, die Ostafrikaner Yordanos und Ghirmay Habton, drei Tage lang im Afrikanischen Dorf auf dem Museumsuferfest in Frankfurt im Einsatz waren.

Küchenmobiliar und -technik, der Tresen sowie Tische und Stühle im Schankraum, Töpfe und weiteres Kochgeschirr, Besteck und Porzellan, die umfangreichen Lebensmittel- und Getränkevorräte in Küche und Keller, die Kühlgeräte. Alles musste raus – und für alles war ein Platz zu finden. Auch die Kunstgegenstände, die afrikanischen Plastiken, die Gemälde. Jetzt steht der seitherige Schankraum zwischen Kinofoyer und »abgemauerter« Gastronomieküche voller Kartons. Im Gespräch mit dieser Zeitung erinnerte Edgar Langer am Mittwoch daran, dass zudem seit dem Gewittersturm des vergangenen Mittwochs Wasser im Keller gestanden habe.

Im Filmbeitrag von Charly Weller kommen auch Yordanos und Ghirmay Habton zu Wort. Sie waren aus Frankfurt zurückgekommen und zumindest scheinbar für einen Moment vor dem Aus gestanden: Nichts mehr an seinem Platz, alle Räume leer.

Mut machen den Kinobetreibern die helfenden Hände und der immense Zuspruch aus dem Kreis ihrer Besucher: Alle fragen sie nach dem »Wie soll’s weitergehen?« Etliche bieten Unterstützung an, zeigen Möglichkeiten auf. Dabei ist dem an der seit fast 30 Jahren in Lich gebotenen Filmkunst interessierten Publikum aus der Region die verzwickte Lage durchaus bewusst: Die Brauerei hatte das Haus 1996 von den früheren Eigentümern und Verpächtern übernommen, um eben damals ein Ende des Kulturplatzes Lich an dieser Stelle zu verhindern – doch wie sehen das die Verantwortlichen im Vorstand der Bitburger-Gruppe, der die Licher Brauerei gehört? In welchem Rahmen investieren in ein gastronomisches Objekt, dessen Zukunft unbedingt verknüpft ist mit dem Kino-Schicksal, das aufgrund akut werdender Gießen-Investitionen in ein Multiplex-Kinozumindest mittelfristig kaum auszurechnen ist?

Langer, Gsänger & Co. warten auf Signale. Gastronomisch müssen sie und die Habtons kreativ improvisieren. Das Kneipenpersonal ist entlassen. Für die Kalamitäten und den Betriebsausfall kommt die Versicherung nicht auf; im Falle eines Brandes wäre dies anders gewesen, sagen die Kinobetreiber. »Wir brauchen dringend eine Perspektive.« Und die müsse – die vergangenen 28 Jahre hätten es gezeigt, die in guten Jahren mehr als 55 000 Besucher hätten es zu schätzen gewusst – den Erhalt der konzeptionellen Einheit der drei Säulen Kino, Küche, Kneipe berücksichtigen. »Keiner dieser Bereiche kann eigenständig existieren«, betont Langer. »Das klappt nur in der Verzahnung.«

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Artikel vom 31.08.2011 - 07.00 Uhr
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