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16.11.2009 - 12.00 Uhr
»Romeo und Julia« im »Traumstern«
Lich (mlu). Einen gelungeneren Abschluss hätten sich Kathrin Wind und Gabi Hösl-Brunner für die Kunst- & Aktionstage Demenz nicht wünschen können. Das Kino »Traumstern« war restlos besetzt, als das »Theater Traumstern« unter Leitung von Daniel Komma und Sebastian Hartings am Samstagvormittag seine mittlerweile sechste Produktion »Dies alles nur ein Traum« im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe präsentierte.
In einer Adaption von Nicholas Sparks Roman »The Notebook« (deutscher Titel: »Wie ein einziger Tag«) inszenierte Komma teils theatralisch, teils filmisch eine Liebesgeschichte, in der die schleichende Umnachtung der Demenz das transzendente Licht einer gemeinsamen Liebe nicht zu trüben vermag.
Auf der Kinoleinwand erschien das Bild eines Sees, flankiert von zwei spanischen Wänden auf der Bühne. »Wer bist du, der du, von der Nacht beschirmt, Dich drängst in meines Herzens Rat? Mit Namen weiß ich dir nicht zu sagen, wer ich bin. ( . . .) Wer zeigte dir den Weg zu diesem Ort? Die Liebe, die zuerst mich forschen hieß. Sie lieh mir Rat, ich lieh ihr meine Augen,« zitierten die Darsteller eingangs aus Shakespeares Klassiker »Romeo und Julia«.
Die Julia des Theaterstücks gehört zur gesellschaftlichen Oberschicht. Mit ihrer Mutter verbringt sie einen Sommer auf dem Land, wo sie sich in ihren Romeo verliebt. Auf einem imaginären Steg sitzend verrät das Mädchen dem Jüngling aus ärmlichen Verhältnissen, dass sie eine Schauspielerin werden möchte. Die Jugendliebe besiegelt ein glühender Kuss. Dann trennt sie der Krieg. Romeos Briefe bleiben durch die Heimtücke der argwöhnischen Mutter, die die ungleiche Verbindung missbilligt, unbeantwortet. Doch nachdem Julia sich ihrem Willen entsprechend verlobt hat, kehrt sie nach dem Krieg noch einmal an den Ort ihrer Träume zurück und das Feuer der jugendlichen Liebe wird neu entfacht.
Verborgen hinter einer der spanischen Wände vollzieht sich im Schattenriss der Liebesakt, der die beiden von nun an unzertrennlich verbindet. Eine wunderbare Szene, an der die einstige Macht der Mutter zerbricht. Bis hierher agierten die Darsteller auf der Bühne, obgleich die Geschichte mehr erzählt denn gespielt wurde.
Den zweiten Teil der multimedialen Inszenierung bildete der Doku-Film, der im Auftrag der Oberhessischen Diakonie im Licher Seniorenzentrum unter Mitwirkung von Annemarie (89) und Heinz Sander (92) gedreht wurde. Romeo und Julia sind gemeinsam alt geworden, doch öfter geschieht es, dass Julias Demenz sie von ihrem geliebten Romeo entfernt. »Wer sind sie? Ich kenne sie nicht«. In solchen Momenten, so vertraut Romeo seinem Tagebuch an, tue sie ihm sehr leid. In dem Tagebuch hat der gealterte Romeo ihre gemeinsam Geschichte treu aufgezeichnet. Aus ihm liest er ihr regelmäßig vor. Zuweilen beflügelt sie eine Ahnung: »Das ist eine schöne Geschichte. Ist sie auch wahr?« »Ja«, sagt Romeo. »Für wen hat sie sich entschieden?« »Für den Richtigen.« »Wer war der Richtige?« Ein Moment der Stille und dann stecken sie die Köpfe zusammen und lachen. In vielen Detaileinstellungen haben Kameramann Reza Kamali und seine Assistentin Anika Wagner die Gebrechlichkeit des Alters portraitiert: unruhige Hände, schlurfende Schritte, bedächtiges Gebärden, in denen nicht nur der körperliche Verfall, sondern auch die Schönheit des Lebens zum Ausdruck kommt, die man erst in der humaneren Langsamkeit des Alterns zu entdecken vermag.
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