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Lich: Garniez gibt Konzert mit Luntzel

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Artikel vom 27.10.2014 - 11.17 Uhr

Lich: Garniez gibt Konzert mit Luntzel

Lich (juw). Als in Musik gepackte Beschwörungsformeln könnte man das Repertoire von Rachelle Garniez bezeichnen. Akkordeon, Klavier, Kontra-Bass, ein skurriler Humor, eine mehr als lebendige Mimik und die außergewöhnliche Stimme der New Yorkerin waren die Zutaten zu einem furiosen Abend, mit dem Peter Damm und der Kulturförderverein künstlich mal wieder einen echten Geheimtipp an Land gezogen hatten und einen Volltreffer für alle, die Originalität jenseits der Konventionen schätzen.

Lich: Garniez gibt Konzert mit Luntzel
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Rachelle Garniez gab in Lich zusammen mit Tim Lutzel ein virtuoses wie unkonventionelles Konzert.
© juw
Rachelle Garniez ist besessen: Von der Musik. Die immer mal wieder an eine Fusion von Chanson, Klezmer und Jazz erinnerte. Und von Geschichten. Die Trias der Popmusik von Liebe, Leid und Lust sind zu fade Themen für die Amerikanerin mit belgischen Wurzeln. Wer den zuweilen eigenwillig betonten englischen Texten zu folgen vermochte, bekam reihenweise skurrile Anekdoten erzählt. »Wir werden alle sterben«, verkündete sie aufgekratzt, um mit ihrem Akkordeon in eine musikalische Tour de Force mit dem Namen »Medicine Man« zu starten: Von Fröschen mit magischen und daher begehrenswerten Überlebenskräften, die es daher zu fangen, in ein Glas (»ohne Löcher!«) zu sperren und die erstickten Körper zu Pulver zu zermahlen gilt, um daraus ein magisches Elixier zu gewinnen. Im Reigen ihrer wie zufällig aus dem Alltag gewählten Themen streifte sie Kalorien, Grashüpfer, den Binärcode und ihr eigenes Begräbnis, widmete ihrem Action-Held Jean-Claude Van Damme eine mitreißende Hymne.

Es blieb offen: Untermalte die Musik die sperrigen, ab und an scheinbar improvisierten Texte, oder vielleicht doch umgekehrt? Die Musik wurde unter Garniez’ eigenwilligen Fingern selbst zur Geschichte. Zumeist am Akkordeon, griff die Multiinstrumentalistin einmal zur Gitarre, die sie im Stehen ohne Gurt auf dem rechten Bein balancierte. Dann wechselte sie für einige Lieder ans Klavier, spielte eine Nummer gar mit den Händen hinter dem Rücken

Flüsternd, röhrend, klirrend

Egal, welches Instrument, sie beherrschte es virtuos und entlockte ihm ausgefallene Töne. Selbst ihre Stimme wurde da zum Instrument: Vom geflüsterten Mantra über den röhrenden Männerbass bis zum mädchenhaft klirrenden Sopran reichte ihr Stimmumfang, den sie schelmisch einzusetzen wusste. Und das gerne auch mal alles innerhalb einer Textzeile, was dann anmutete wie das energische Zwiegespräch zwischen Engelchen und Teufelchen.

Das Publikum in der fast ausverkauften Synagoge lauschte gespannt, spendete reichen Beifall. Auch Garniez’ Bühnenpartner Tim Luntzel bekam Szenenapplaus für seine Läufe auf dem Kontrabass, die der renommierte New Yorker auch schon für CD-Aufnahmen von Emmylou Harris, Kris Kristofferson oder Norah Jones zur Verfügung stellte.

Frösche töten würde sie selbst übrigens nie, versichert Garniez. Beruhigend. Für einen Moment wollte man den Exorzisten rufen. In dem Fiktionsvertrag zwischen Künstlerin und Publikum ist alles erlaubt. »Aber es gibt Menschen, die tun so etwas«, fügte die Sängerin hinzu. Sie hat daraus große Kunst gemacht.

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Artikel vom 27.10.2014 - 11.17 Uhr
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