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Keine Angst vor Brecht

Artikel vom 02.03.2008 - 20.00 Uhr

Keine Angst vor Brecht

Lich (gbp). »Warum sollten wir Angst vor Brecht haben?!«, hatten Sebastian Hartings und Daniel Komma, Leiter der »Theater Traum-stern«-Produktion der »Dreigroschenoper«, im Vorfeld des Projekts gefragt.
Der große Erfolg der Premierenvorstellung des Klassikers am Freitag (die AZ berichtete kurz) gab dem Selbstbewusstsein der beiden »Macher« uneingeschränkt Recht: Als der Vorhang fiel, spendete das Publikum minutenlang stehenden Beifall, der nicht nur den jungen Darstellern galt, sondern der Leistung der gesamten Teams auf und hinter der Bühne.

Die rundum stimmige, sehr lebendige Aufführung des Brechtschen Lehrstücks über die Käuflichkeit des Menschen eröffnete am Freitag im voll besetzten Licher »Traumstern« die sechsten Licher Kulturtage.

Wie die vorangegangenen erfolgreichen Produktionen »Mensch, ich lieb dich doch« und »Frühlings Erwachen« wurde auch dieses Projekt von der Jugendförderung des Kreises Gießen und dem Medienprojektzentrum Offener Kanal Gießen unterstützt; für die »Dreigroschenoper« neu hinzu kam der Verein für Freunde von Zonta. Das »Theater Traumstern« ist immer wieder auf der Suche nach neuen Sponsoren, damit die Arbeit auch in Zukunft so fortgeführt werden kann wie bisher.

Zum Stück:Tief im Herzen von Soho treiben eine Menge unheimlicher Gestalten ihr Unwesen. Sie alle haben nur ein Ziel: Reichtum! Und dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Der von Regisseur Daniel Komma einfallsreich und nah am Original inszenierte Brecht-Klassiker erzählt die berühmte Gangstergeschichte von »Mackie Messer«.

Auf der »Traumstern«-Bühne beeindrucken die 23 jungen Darsteller zwischen 16 und 25 Jahren durch große Spielfreude und ein überraschend breites Spektrum der Ausdrucksfähigkeit: So ist Cynthia Becker an der Seite von Michael Heckmann, der einen herrlich zynischen Bettlerkönig Peachum spielt, als versoffene, intrigante Mrs. Peachum zu sehen. Sehr facettenreich- von mädchenhaft naiver Romantik bis zu geschäftstüchtigem, energischem Realitätssinn- die Darstellung von Kristina Ruppel als Polly Peachum, der Braut des Gangsterchefs Macheath mit der weißen Weste, den Darsteller Marcus Schill als arroganten Weiberhelden lebendig werden lässt. Hervorragend auch Marcel Nascrimento als der mit Maceath befreundete Sheriff »Tiger-Brown«, Svenja Notheisen, die als Lucy gemeinsam mit Polly ein wunderbar zickiges Eifersuchtsduett auf die Bühne bringt, Lisa Cirener als Hure Jenny, die ihren Exfreund am Ende verrät, Kim Y. Nitsche als Filch, Rolf C. Weppler als Smith. Überzeugend nicht minder die Gangster Maximilian Weiß, Matthias Wolf, Ronja Jagdfeld und Christian Hofmann, die Bettler Hanno Häusler und Clemens Hentschel sowie die Huren Anika Wagner, Malaila Mack, Hannah Sommer, Sina Sommer, Johanna Guldan, Laura Geißler, Lisa Hofmann und Jessica Flimm. Das »Elend« verkörpert Sebastian Hartings, die »kleine Polly« stellen jeweils Charlotte Meinele oder Nala Herbst dar.

Das Stück lebt zudem von den weltberühmten Songs und der Musik von Kurt Weill, hervorragend begleitet von der »3-Groschen-Band«, die vom musikalischen Leiter Andreas Kür eigens für die Produktion zusammengestellt wurde. Für die Einstudierung der Lieder und Stimmbildung der Darsteller zuständig war Kerstin Großmann.

Selbstproduzierte Videosequenzen



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