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29.07.2010 - 14.00 Uhr
Jägervereinigung warnt vor Gefahren durch Herkulesstaude
Gießen/Lich (pm). Sie ist gefährlich, greift Menschen an und wird per Steckbrief gesucht! Die Rede ist nicht etwa von einer Schwerkriminellen, sondern von einer auf den ersten Blick ganz harmlosen Pflanze. Es geht um die Herkulesstaude, alias »Riesenbärenklau«. Um die Ausbreitung dieser vor über 100 Jahren eingeschleppten giftigen Schönheit einzudämmen, ergriff nun die Jägervereinigung Oberhessen e.V. die Initiative.
Zunächst in Form von Informationen an die eigenen Mitglieder. Gleichzeitig wurde eine spezielle Internetseite eingerichtet. Dort sind ein »Steckbrief«, sowie ausführliche Informationen über die Herkulesstaude, deren Auswirkungen und der Bekämpfung abzurufen sind.
Was die Pflanze mit dem botanischen Namen »heracleum mantegazzianum« für Menschen so gefährlich macht, sind die schmerzhaften und gesundheitsgefährdenden Folgen schon bei dem geringsten Körperkontakt. »Alle Pflanzenteile enthalten genügend Gift, um bei der geringsten Berührung Reizungen, Entzündungen oder Verbrennungen der Haut auszulösen«, sagt Helmut Nickel, Vorsitzender der Jägervereinigung Oberhessen. »Dies wird durch photosensibilisierende Substanzen ausgelöst, die der Pflanzensaft der Herkulesstaude enthält. Diese reagieren auf ultraviolette Strahlung bei Sonnenschein und lösen oft erst bis zu zwei Stunden nach der Berührung die schmerzhaften Beschwerden aus.« Daraus könnten sich Brandblasen sowie nässende Ödeme entwickeln. Oft seien die Verbrennungen dritten Grades so intensiv, dass Klinikaufenthalte erforderlich würden. Auch Fieber, Kreislaufschocks und Schweißausbrüche würden von Experten beschrieben.
Doch die Herkulesstaude ist nicht nur für den Menschen gefährlich. Auch Kühe seien nach dem Verzehr der Staude gestorben, bei jungen Enten habe man Deformationen an den Schnäbeln und Füßen beobachtet. Nickel warnt daher ausdrücklich davor, die Pflanzen zu berühren oder Beseitigungsversuche ohne Sachkenntnis und ohne Schutzkleidung zu unternehmen.
»Die Gefährdung von Mensch und Tier sind nicht das einzige Problem, das die Pflanze bereitet«, weiß Stefan Bender (Lich) vom Ausschuss für Naturschutz und Biotoperhaltung der Jägervereinigung Oberhessen zu berichten. »Die Staude verdrängt einheimische Pflanzen, weil sie aggressiv in deren Lebensräume eindringt und sich dort behauptet.« Auch Äcker und Wiesen seien davon betroffen. Als ersten Schritt hat nun Stefan Bender im Revier Lich 1 gemeinsam mit dem Landwirt Gerhard Heinze etwa 40 Pflanzen beseitigt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Um Verbrennungen durch die giftigen Pflanzensäfte zu vermeiden, waren dabei geschlossene Schutzkleidung sowie Handschuhe und Stiefel angesagt. Der Erfolg der Maßnahme wird nun regelmäßig überprüft. In einem weiteren Schritt ist eine enge Zusammenarbeit mit Landwirten und Gemeinden geplant. »Auch die Bevölkerung kann mithelfen, indem beobachtete Vorkommen der Staude gemeldet werden. Nur bei einem flächendeckenden Einsatz unter Beteiligung der Kommunen kann die weitere Ausbreitung von ›heracleum mantegazzianum› erfolgreich unterbunden werden«, fasst Stefan Bender zusammen. Verheerend sei es aber, noch zur weiteren Verbreitung der Pflanze beizutragen.
Details zur Herkulesstaude über die Homepage der Jägervereinigung: www.jaegervereinigung-oberhessen.de / Hege / Naturschutz / Naturschutzmaßnahmen.