Gießen/Lich (no). In rund zwei Monaten schickt sich die nordhessische Kreisstadt Homberg/Efze an, eine möglichst genauso gute Gastgeberstadt eines Hessentages zu sein wie vergangenes Jahr Butzbach. Eines ist auf jeden Fall schon jetzt gleich, wie seit rund 20 Jahren: Im Ausschank ist »Licher Bier« - und zwar ausschließlich.
Wenn die Hessen Hessentag feiern, ist das Bier aus dem Herzen derNatur seit gut zwei Jahrzehnten mittendrin. In Homberg/Efze regt sich darob Unmut: Auch »Löwenbier« müsse zugelassen werden. (Archivfoto: Geck)
Denn die Braumeister aus dem Herzen der Natur, in Hessen Marktführer, haben im vergangenen Jahr dieAusschreibung für sich entschieden, die ihnen unbedingte Exklusivität zusichert. Fortan wuchs im früheren Zonenrandgebiet zwischen Kassel undBad Hersfeld der Unmut über diese Entscheidung der Stadt, mittlerweile ist das Thema medial auf der Landesebene angelangt: Die lokale Konkurrenz guckt in dieRöhre - konkret die Klein-Brauerei »Hessisches Löwenbier« mit Sitz in Malsfeld. Dabei geht es den »Löwen« mehr um die »regionale Folklore«, nicht ums Millionengeschäft: »Zwei, drei, vierStände, mehr wollen wir ja gar nicht«, sagte gestern Prokurist Christoph Kämpf.
Was den »Lichern« im Magen liegt, ist nicht der »Zwergenaufstand« an sich, sondern vielmehr die dabei angeschlagenen, fast klassenkämpferischen Töne; als wolle hier der Krösus aus dem Herzen der Natur einen David wirtschaftlich zermalmen. Kontrahenten im öffentlichenDisput im Schwalm-Eder-Kreis sind unter anderem der jüngst wiedergewählte Homberger Bürgermeister Martin Wagner (CDU) und der am übernächsten Sonntag wieder zur Wahl stehende Landrat Frank-Martin Neupärtl (SPD). Letzterer ist auch Mitglied des »Löwenbier«-Brauerei-Fördervereins, der 2003 gegründet worden war, als der vor drei Jahren von Hütt in Baunatal zur Rettung übernommenen Brauerei das Wasser bis zum Hals gestanden hatte. Vorsitzender des Vereis wiederum ist der Malsfelder Bürgermeister Herbert Vaupel, wie Neupärtl ein Genosse.
Sibylle Trautmann, Presesprecherin der »Licher«, sieht ihr Haus mittelbar in den Wahlkampf gezogen. Ergo werde es auch vor dem 13. April kaum eine öffentlich darstellbare Lösung geben.
Einerseits sei es bei der Ausschreibung um Exklusivität gegangen, andererseits hätten nordhessische Mitbewerber lautstark geäußert, im Falle eines Zuschlages gäben sie nicht einenStand ab. Dass die »Licher« das Rennen gemacht hätten, sei auch eine Frage des Vertrauens und der Kontinuität: Eine Veranstaltung dieser Größenordnung - Butzbach verzeichnete mehr als eine Million Besucher (»Das war gigantisch!«) - brauche Kompetenz. Gleichwohl, so stellte Sibylle Trautmann auf Nachfrage fest, werde man sich den Malsfelder Wünschen nicht verschließen:»Wir sind für alle Gespräche offen!«
Christoph Kämpf, »Hütt«-Prokurist und Verkaufsleiter, wollte im Gespräch mit dieser Zeitung von einem »Bierkrieg« nichts wissen, auch nichts von David undGoliath. In Malsfeld seien eben mal drei Brauer beschäftigt, den Rest mache man von Baunatal aus. Getrunken werde »Hessisches Löwenbier« im Umkreis von rund 30 Kilometern. Und der Streit? Immerhin behaupte man ja, die »Licher« verschlössen sich dem Wunsch, die Malsfelder zuzulassen!? Im Januar, so Kämpf, hätten die Mittelhessen noch abgewinkt: »Keine Notwendigkeit!«, habe es da geheißen. Dabei habe vor wenigen Jahren in Hessisch-Lichtenau auch eine zweite Brauerei Zugang zum Hessentag gehabt. Man wolle ja nur »zwei, drei oder vier Stände«; viel mehr traue man sich selbst nicht.
Bis zum möglichen Gespräch unter brauenden Kollegen bleibt es in Homberg beim politischen Gefecht: Neupärtl plane eine Robin-Hood-Lösung, berichtete der Hessische Rundfunk am Dienstag, wolle den »Löwen« den Hof hinterm Landratsamt als Ausschankfläche zur Verfügung stellen - der sei nämlich nicht, wie es hieß, Teil der der Biervertragsbindung.