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Großreinemachen auf der neuen Treppe im Licher Stadtturm

Artikel vom 27.08.2010 - 21.00 Uhr

Großreinemachen auf der neuen Treppe im Licher Stadtturm

Lich (gl). Blitze zuckten über der Stadt, als ein Trupp rüstiger Herren während eines Gewitters im Licher Stadtturm zu Besen und Schaufel griff und in luftiger Höhe für Ordnung sorgte.
Die fleißige »Cappuccino«-Truppe vor ihrem Arbeitseinsatz im Licher Stadtturm.	(Foto: gl)
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Die fleißige »Cappuccino«-Truppe vor ihrem Arbeitseinsatz im Licher Stadtturm. (Foto: gl)
Die Mitglieder des »Cappuccinotreffs«, der im vergangenen Jahr allein elf neue Stufen der Besuchertreppe im »Längsten Licher« gesponsort hatte, packte tatkräftig beim Großreinemachen an.

Der wöchentliche Stammtischtreff befreite die neue Treppenanlage von Bauschutt und anderen Baurückständen, denn den ganzen Sommer über wurde dort gehämmert, gesägt, geschraubt und geschweißt. Nun sind 50 Höhenmeter im Turm elektrifiziert, 150 Treppenstufen installiert und 700 Bohlen und Kanthölzer sorgen dafür, dass künftige Besucher sicheren Fußes den Turm besteigen können. Es fehlt nur noch der Feinschliff und die Patenschilder müssen an den Stufen angebracht werden.

Nun warten die Turmfreunde noch auf die Genehmigung des Landkreises, denn eine Nutzungsänderung wurde bei der Bauaufsicht beantragt, damit der »Lange Licher« neben der Marienstiftskirche als »Turm für Besucher« genutzt werden kann. Hier werden zur Zeit noch Gespräche hinsichtlich des Brandschutzes geführt. Das Brandschutzkonzept sieht den Einbau einer Trockensteigleitung sowie Alarmierungseinrichtungen für die Besucher vor. Die hierfür erforderlichen Mittel haben die Turmfreunde noch aus Spenden zur Verfügung, denn man hat nicht nur sparsam gewirtschaftet, sondern konnte auch faire Preise mit den Licher Handwerkern aushandeln. Einer Öffnung des Stadtturmes steht nach der Genehmigung nichts mehr im Wege.

Seit 2007 haben die Turmfreunde das Projekt intensiv beworben und jede Menge Licher zur Spende animieren können. Die Firma Metallbau Schäfer aus Eberstadt übernahm den Einbau der neuen Treppe, die Firma Holzbau Bröckel aus Lich erneuerte die Eichenholzstufen in der Turmhaube. Auszubildende der Firma Walz Haustechnik bauten eine Grundbeleuchtung in den Turm ein und die Licher Schlosserei Schnabel sicherte den Besucherweg. Der Dank der Turmfreunde gilt auch der sogenannten »Erdbeertruppe«, die in Eigenleistung in den einzelnen Geschossen die Besucherwege, die aus Hunderten von Bohlen und Kanthölzern bestehen, in den Turm eingebaut hat.

Nun können die Turmfreunde die Umsetzung des Gesamtprojekts Licher Stadtturm weiter vorantreiben. Der Turm, der rund 100 Jahre abgeschlossen war und dadurch auch so manche Denkmalsünde vergangener Jahrzehnte schadlos überstanden hat, soll nicht nur in seiner Substanz gesichert werden, sondern natürlich auch Besucher in geführten Gruppen anlocken. Denn schließlich ist der rund 600 Jahre alte Turm, der fast fünf Jahrhunderte nicht verändert wurde, von hohem Zeugniswert für Lich und darüber hinaus. Die Turmfreunde bemühen sich gemeinsam mit dem Verein Region Gießener Land um eine Förderung aus EU-Mitteln. Und auch Spenden sind jederzeit willkommen. Vielleicht kann der Turm dann einmal für kleinere Veranstaltungen genutzt werden - Lesungen, Trauungen, Ausstellungen wären denkbar. Schüler könnten von der Besucherplattform aus, anhand der bombastischen Aussicht über Lich, an diverse historische Themen herangeführt werden. Und auch die Schleiereule, die in ihrem geschützten Abteil wohnt, wird mit Hilfe einer Webcam zu beobachten sein.

Übrigens: in der ehemaligen Türmerwohnung oberhalb der »Besucherplattform« lebte einst der Türmer mit seiner vielköpfigen Familie. Eine der Nachkommen weilt derzeit in Lich: Eine Enkelin, die heute in Kanada lebt, und dieser Tage den Turm besichtigt hat.

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Artikel vom 27.08.2010 - 21.00 Uhr
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