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Entspannende Musik und spannende Geschichte

Artikel vom 12.03.2010 - 04.00 Uhr

Entspannende Musik und spannende Geschichte

Lich (gl). »Ich trage einen großen Namen« - unter diesem Titel steht Dotschy Reinhardts Leben. Doch der Name des »Übervaters« und genialen Jazz-Gitarristen Django Reinhardt ist eben auch Verpflichtung und entsprechend groß waren die Erwartungen des Publikums, das die Sängerin und Autorin im Licher »Traumstern« zur Eröffnung der Licher Kulturtage erwartete.
Dotschy Reinhardt mit Alexej Wagner an der Gitarre, »Lieblingspianist« Christian von der Goltz (nicht im Bild), Scott White am B
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Dotschy Reinhardt mit Alexej Wagner an der Gitarre, »Lieblingspianist« Christian von der Goltz (nicht im Bild), Scott White am Bass und Michael Kerstinke am Schlagzeug. (Foto: gl)
Dotschy Reinhardt präsentierte mit ihrer Band Musik von ihren Alben »Sprinkled Eyes« und »Suni« und las zuvor aus ihrem Buch »Gypsy - Die Geschichte einer großen Sinti-Familie«.

»Meine Musikstücke beinhalten nur Geschichten, welche ich in und mit mir trage. Die Menschen, die darin vorkommen, sind Begegnungen des wirklichen Lebens«, beschreibt Dotschy Reinhardt ihre Musik. Und so weht denn auch ein Hauch der legendären Familiengeschichte durch viele ihrer Stücke. Ganz konkret wird es in ihrem Buch »Gypsy«, in dem sie die Geschichte ihrer Vorfahren und ihre eigene niedergeschrieben hat. Zwei kleine Kapitel daraus las sie im »Traumstern« vor und beantwortete anschließend Fragen aus dem Publikum und von Peter Damm von der Licher Kulturwerkstatt.

Dotschy Reinhardt, die 1975 in Ravensburg geboren wurde und heute in Berlin lebt, erzählte von ihrer Kindheit in der Sinti-Siedlung in Ravensburg, dem »größten Spielplatz der Welt«, der nicht mehr mit den Augen eines Kindes betrachtet, wohl eher die Baracken waren, in denen ihre Großmutter einst leben musste. Auch von ihrem Urgroßvater Bernhard Heinrich Pfisterer berichtete sie: Wie der Geigenhändler für die Nationalsozialisten in Konzentrationslagern in Sachsenhausen und Dachau Zwangsarbeit leisten musste und wie er im Winter 1944 von SS-Männern in letzter Sekunde aus der Gaskammer herausgeholt wurde, um mit den anderen »Zigeunern« Musik zu machen. Zehn Menschen aus seiner unmittelbaren Verwandtschaft wurden im Holocaust ermordet.

Rund 120 000 Sinti und Roma leben heute in Deutschland. Dotschy Reinhardt versteht sich als Botschafterin der Sinti, die seit rund 600 Jahren in Deutschland leben und deren Vorfahren einst aus Indien kamen. Nur wenig verbindet sie mit den Roma, die vor allem in den letzten Jahren verstärkt vom Balkan nach Deutschland gekommen sind. Dotschy nennt sich selbst »Sintiza«, auch wenn sie nicht genau sagen kann, wie man diese Bezeichnung schreibt. Denn Romanes, die Sprache der Sinti, ist eine reine Sprechsprache, wird von Generation zu Generation mündlich überliefert. Sinti haben alle einen festen Wohnsitz, leben in einem engen Familienverband und die Musik spielt in ihrem Leben eine große Rolle. Auch bei Dotschy Reinhardt ist sie zentrales Element. Aber: »Ich tauge nicht als Projektionsfläche für das Klischee des romantischen Zigeunerlebens«, warnt sie ihr Publikum. Der Jazz ist für den Spross der Reinhardt-Dynastie wichtigstes Ausdrucksmittel. »Ich wusste gar nicht, dass es etwas anderes als Jazz gibt«, beschreibt sie ihre Kindheit, in der sie von der umfangreichen Plattensammlung ihrer Eltern profitierte. Gehauchte Balladen in Romanes, schmissige Bossa-Rhythmen oder Acoustic-Pop gehören zu ihrem Repertoire. Gipsy-Swing kombiniert mit traditionellen Jazz-Elementen, Reminiszenzen an Frank-Sinatra-Songs oder an die Singer-Songwriter-Bewegung - auch das präsentierte Dotschy Reinhardt dem Licher Publikum.

Die Kulturtage werden noch bis zum 28. März mit über 40 Veranstaltungen unter dem Slogan »ÜberLebensKunst« kunstinteressiertes Publikum nach Lich locken. Stadträtin Dr. Barbara Kröger, in Vertretung des Bürgermeisters, der wegen einer spontanen Sitzung über die Zukunft der Licher ZAUG-Ausbildungsrestaurants unabkömmlich war, lud in ihrem Grußwort herzlich dazu ein, die »zweieinhalb großartigen Wochen« mitzuerleben und dankte den engagierten Machern der Kulturwerkstatt.

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Artikel vom 12.03.2010 - 04.00 Uhr
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