Diskussion in Birklar um die Zukunft des ländlichen Raums
Lich (dv). Dem demographischen Wandel widmete der SPD-Ortsverein Lich am Freitagabend ein Podiumsgespräch. Vorsitzender Jürgen Otto begrüßte im Dorfgemeinschaftshaus Birklar die Podiumsteilnehmer und etwa 80 interessierte Bürger.
Podiumsdiskussion in Birklar über die Zukunft des ländlichen Raums: Kurt Hillgärtner, Moderator Bernd Klein, Petra Stuhlmann und Dr. Detlef Kuhn. (Foto: dv)
Auf dem Podium saßen neben dem Moderator, Lichs Bürgermeister Bernd Klein, der Rabenauer Bürgermeister Kurt Hillgärtner als Vorsitzender der »Region GießenerLand«, Wolfgang Helm, Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt beim Landkreis Gießen, Petra Stuhlmann für die Initiative Bettenhausen und Ortsvorsteher Dr. Detlef Kuhn für die Initiative Muschenheim.
Hillgärtner erläuterte die Aufgaben der »Region GießenerLand«, die sich für die Steuerung der verschiedenen förderfähigen Projekte im ländlichen Raum einsetzt. Dahinter stehe das Ziel, den ländlichen Raum für die Zukunft fit zu machen. Das funktioniere aber nur, wenn alle mitmachen, betonte Hillgärtner.
Was tun mit leerstehenden Häusern?
Helm meinte, man müsse der Bevölkerung noch stärker vermitteln, sich mit dem Thema zu befassen. Klein sprach die leerstehenden Häuser besonders in den Stadtteilen an und fragte: Was machen wir damit? Dazu teilte Helm mit, dass ab 1. April 2012 der Denkmalschutz ein Programm speziell für Fachwerkhäuser startet. Der Landkreis hat dafür erstmalig 85 000 Euro bereitgestellt. Daraus werden für jedes Objekt 500 Euro für Energie- und Wärmedämmungsberatung gezahlt. Helm hofft darüber hinaus auch auf ein »Überschwappen« des Wohnbedarfs aus Rhein-Main.
»In Bettenhausen passiert noch etwas«, stellte Petra Stuhlmann fest. Sie hat sich mit der Situation auf dem Dorf befasst und mit einigen Gleichgesinnten die Bürger zu einer Versammlung eingeladen, die mit 80 Personen quer durch den Ort gut besucht war. Was ist gut, was sollte noch sein und was können wir beitragen, wurde diskutiert. Es kamen viele Anregungen, die jetzt abgearbeitet würden.
»Wie können wir unseren ländlichen Raum als Lebensraum erhalten« ist laut Dr. Kuhn auch das Anliegen des Muschenheimer Vereins. »Wir müssen den gesellschaftlichen Umbruch zur Kenntnis nehmen und uns engagieren, um die Zukunft zu sichern« führte er aus. Bei allen Differenzen seien Kraft und Energie auf dem Land groß. Wichtig sei, die Infrastruktur zu erhalten und die Mobilität zu sichern. Die Handwerksbetriebe müssten erhalten bleiben und damit Arbeitsplätze. Diese seien Dreh- und Angelpunkt. Die Älteren sollten so lange wie möglich zu Hause bleiben können. In Muschenheim sei vor Kurzem ein Gemeindeschwester-Projekt angelaufen, dass auch die Landärzte entlasten könne..
Die Beispiele zeigten, dass es verschiedene Wege gebe, mit dem Thema umzugehen. »Das geht nicht nach Schablone«, meinte Klein.
Die Diskussion befasste sich dann überwiegend mit baulichen Maßnahmen. Dabei komme dem Denkmalschutz eine wichtige Rolle zu, er sei zwar flexibler geworden, müsse aber noch mehr differenzieren, was wirklich erhaltenswürdig sei. Hillgärtner meinte dazu, generell sei das Preisniveau der Altbauten noch zu hoch. Lichs Stadtverordnetenvorsteher Günter Block wies auf einen Parlamentsbeschluss hin, vor der Ausweisung neuer Baugebiete in Lich und den Stadtteilen Baulücken und Leerstände anzubieten. Eine Frage von Klein nach dem Alter der Besucher zeigte zwar keinen gesicherten Durchschnitt, mit zwei Personen unter 30 und der Masse über 60 Jahren wurde aber doch die Altersstruktur angedeutet. »Mit den Vereinen steht und fällt das Dorf« war eine der Aussagen. Einig war man sich, dass die Probleme nur in der Gemeinschaft zu bewältigen sind.