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01.09.2010 - 23.55 Uhr
Diebe knackten in Lich dreimal denselben Münzautomaten
Gießen/Lich (kan). Fünf junge Leute stehen vor Gericht, weil sie in Lich dreimal einen Münzautomaten geleert und auf diese Weise 21 000 Euro erbeutet haben sollen.
Wenn sie pleite waren und genug Alkohol getrunken hatten, fuhr eine Gruppe junger Leute zwischen Juli 2006 und August 2008 mehrmals zu einem Geldinstitut nach Lich, um ihre Taschen wieder zu füllen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch wollten sie nicht auf ihre Konten zugreifen. Sie hatten es vielmehr auf den Automaten zur Münzeinzahlung abgesehen. Den musste man offenbar nur umkippen, die Geldkassetten entnehmen und sich dann aus dem Staub machen. Dreimal funktionierte dieses Vorgehen bei ein und derselben Bank.
Um fast 21 000 Euro sollen die Diebe die Bank so gebracht haben. Sie wurden inzwischen gefasst und müssen sich vor Gericht verantworten, das Geld blieb allerdings verschwunden.
Am Mittwoch begann der Prozess am Amtsgericht Gießen. Vier Männer und eine junge Frau sitzen dort auf der Anklagebank. »Angelernt« wurden sie anscheind von einem 25-Jährigen aus Hungen, der sich das erste Mal zusammen mit einem noch Unbekannten Zugriff auf den Automaten verschaffte. Bei seinem nächsten Beutezug nahm er einen 26-Jährigen aus Lich mit, öffnete die Tür mit seiner eigenen EC-Karte. Einen Fahrer hatten sie auch organisiert. Der will zunächst nicht gewusst haben, wofür sein Dienst benötigt wird. Trotzdem: »Ich habe mir von Anfang an nichts Gutes gedacht«, räumte der damals Drogensüchtige ein.
Ein schlechter Tag und das zufällige Aufeinandertreffen mit den anderen Angeklagten führten dazu, dass sie schließlich mit in der Bank stand, berichtete die einzige Frau unter den Beschuldigten, eine 27-Jährige aus Butzbach. Sie sei sofort »Feuer und Flamme« für diese Idee gewesen.
»Wir wussten wie es geht, und dann haben wir es halt gemacht«, sagte der Licher. Zuletzt wich die Gruppe aber vom bewährten Muster ab, versuchte es bei einer Bank in Pohlheim. Dieses Mal war auch der fünfte Angeklagte dabei, ein 29-Jähriger aus Hungen. Aber »das ist irgendwie schief gegangen«, es gelang ihnen nicht, das Gerät zu knacken. In der Folge wurden alle fünf festgenommen.
Zwei der Angeklagten wird außerdem vorgeworfen, im August 2007 in die Wölfersheimer Mehrzweckhalle eingebrochen zu sein. Weil sie den Plasmafernseher nicht aus der Verankerung lösen konnten, begnügten sie sich hier aber mit Schnaps, Würstchen, Eis und Chips.
Fast alle Angeklagten haben einige Vorstrafen vorzuweisen. Noch während der Verhandlung am Mittwoch wurde bekannt, dass gegen den 25-jährigen Hungener erneut wegen Diebstahls ermittelt wird. Und während der Fahrer auf der Anklagebank saß, wurden bei der Durchsuchung seiner Wohnung – in der er seinen Angaben zufolge aber zurzeit nicht lebt – kleine Mengen Drogen gefunden. Dazu kommt noch eine laufende Anklage wegen Drogenhandels.
Richter Dr. Frank Oehm hatte gehofft, noch am Mittwoch zu einem Urteil zu kommen, doch machten ihm »diese beiden Querschüsse« einen Strich durch die Rechnung. Die Verhandlung wird nun in der nächsten Woche fortgesetzt.