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Tradition in Laubach: das Silvesterwürfeln

Artikel vom 01.01.2012 - 19.52 Uhr

Tradition in Laubach: das Silvesterwürfeln

Laubach (mlu). Eine jahrhundertealte Tradition kommt zum Jahresende in Laubach immer wieder zu neuen Ehren: das Silvesterwürfeln. Französische Soldaten sollen das Glücksspiel im Dreißigjährigen Krieg nach Oberhessen »importiert« haben.

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Am letzten Tag des Jahres wird in den Laubacher Cafés und Gaststätten »gezockt«. Hier rollen die Würfel im »Litfaß« (Foto: mlu)
Zwischen den Jahren wirkt Laubach recht verschlafen, doch wenn sich der Dezember zu Ende neigt, wird das Grafenstädtchen sehr lebendig, kommen die Bürger aus ihren Häusern, füllen sich Straßen und Gassen auch mit zahlreichen Auswärtigen – das Silvesterwürfeln ist ein Brauch, der weit über die Region hinaus bekannt ist und sich alljährlich großer Beliebtheit erfreut.

Fahrzeuge aus Offenbach, Darmstadt und Friedberg, aus München und dem Main-Kinzig-Kreis wurden gesichtet, als am letzten Tage des vergangenen Jahres in Laubach wieder fleißig die Becher geschüttelt wurden, rechts und links und über dem Kopf, oberhalb oder unterhalb der Tischkante – jeder hatte so seine eigene Art, das Glück in den Kneipen, Cafés und Restaurants der Stadt zu beschwören.

Wie prädestiniert fürs Glücksspiel das Interieur des Kaffeehauses Göbel mit seinem vornehmen Casino-Chic. Dort herrschte schon um 15 Uhr, als es traditionsgemäß losging, dichter Andrang um die Tische, an denen die »Croupiers« vor ihren Porzellantellern saßen, Einsätze einstrichen, Würfel aushändigten, Augen zählten.

Doch auch andernorts ließen die Spieler nicht lange auf sich warten, denn allenthalben lockten leckere Gewinne, von Riesenbrezeln über Gutscheine für Gyros, Döner und Pommes bis hin zu groben und feinen Würsten. Für letztere war der Einsatz noch moderat, weniger als ein Euro. Wer jedoch beispielsweise um eine kleine Silvestertorte im Café am Marktplatz spielen wollte, hatte satte drei Euro pro Nase zu berappen. Ganz schön happig, fanden manche, andererseits mache der flüchtige Kitzel eben Spaß. Besonders dann, wenn die Atmosphäre stimmt. Wenn sich Hälse recken und Daumen gedrückt werden. Wenn der Tanz der Würfel Juchzer und Seufzer hervorruft. Gewürfelt wird übrigens solange, bis mindestens zwei der drei Spielgeräte einen Pasch aufweisen: die höchste Gesamtaugenzahl gilt. Der mieseste Wurf waren demnach drei Einsen, der beste dreimal die Sechs.

Während die Straßen im vorletzten Jahr ob des starken Schneefalls sehr glatt waren, präsentierte sich Laubach am vergangenen Samstag in schmuddeligem Regenwetter, doch der tiefverwurzelten Spielleidenschaft tat dies kein Abbruch. Schließlich wird seit Jahrhunderten in dem Luftkurort am Silvestertag drei Stunden lang »gezockt«. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren es französische Soldaten, die das Würfelspiel im Zuge des Dreißigjährigen Krieges in der Grafschaft einführten. Und seitdem erfreuen sich die Großen, die Kleinen und sogar die Kleinsten an diesem Brauch, bei dem zwar nicht allen das Glück gleichermaßen hold ist, der aber alle gleichsam beglückt.

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Artikel vom 01.01.2012 - 19.52 Uhr
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