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Mit Schlagzeug und Gitarren voll gescheitert...

Artikel vom 17.09.2009 - 23.53 Uhr

Mit Schlagzeug und Gitarren voll gescheitert...

Laubach - Der Termin konnte kaum günstiger sein: Eine Woche, nachdem die EMI alle Beatles-Alben in frischen Remasters auf den Markt geworfen und das Interesse an den Fab Four in neue Höhen katapultiert hatte, gastierte am Mittwoch die Frankfurter »Beatles Revival Band« in der Laubacher Herrenscheune - und trotz zeitnaher Auftritte in Marburg und Wetzlar war der wunderschöne Veranstaltungsort voll!
Volker Rebell (ganz rechts) und die Beatles-Revival-Band waren am Mittwoch in der ausverkauften Laubacher Herrenscheune zu Gast
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Volker Rebell (ganz rechts) und die Beatles-Revival-Band waren am Mittwoch in der ausverkauften Laubacher Herrenscheune zu Gast mit dem »Die Beatles und Beate«-Projekt - wenige Tage, nachdem die EMI alle Beatles-Alben frisch »gemastert« auf den Markt geworfen und das Interesse an den Fab Four in neue Höhen katapultiert hatte. Top das Programm: zweieinhalb Stunden, 28 Songs. (Foto: axc)
Aber schließlich war es kein normales Konzert der bekanntesten deutschen Beatles-Coverband (seit 1976 on the road), das das weitgehend aus eher gereiften Fans bestehende Publikum in die Scheune lockte, sondern ein gemeinsames Projekt mit Hörfunkmoderator Volker Rebell unter dem zunächst rätselhaften Titel »Die Beatles & Beate«. Schon im Frühjahr waren der 62-jährige Musikjournalist - seit 1970 beim Hessischen Rundfunk (»Volkers Kramladen«), der 2008 ein ebenso unterhaltsames wie detailreiches Buch über das »Weiße Album« seiner Lieblingsband veröffentlicht hatte - und die Revival-Band auf deutschen Clubbühnen unterwegs, um einen liebevoll-ironischen Blick auf die Zeit von 1964 bis 1970 zu werfen.

Rebell überrascht dabei zunächst dadurch, dass er die Bühne mit umgehängter Akustikgitarre betritt - er ersetzt für dieses Projekt Glen Turner, den etatmäßigen John Lennon der Revival-Band - und das Mikrofon nicht nur für seine bekanntermaßen samtene Sprechstimme benutzt, sondern sogar zum Singen. Und es dauert gar nicht lange, bis man meint, tatsächlich John Lennon vor sich zu haben: diese Stimme, diese Phrasierung, diese runde Brille... - Vier Puppen in den Klamotten des berühmten »Sgt. Pepper«-Covers rahmen die Bühne ein, die Musiker selbst treten ganz in Schwarz im Existentialisten-Rolli auf. Als fünfter Mann, quasi als der George Martin der Gruppe, agiert Fritz Hajek, der vor allem bei den späten Songs für das Einspielen der komplexeren Sounds verantwortlich zeichnet.

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Grundgerüst des Abends sind die parallel verlaufenden Geschichten der Fab Four und einer sich gnadenlos überschätzenden, aber hoffnungslos in die Beatles verliebten Frankfurter Schülerband, die 1964 den herrlich naiven Versuch unternimmt, die deutschen Beatles zu werden - obwohl sie kaum ihre Gitarren, geschweige denn einen Bass, bedienen können. Es ist die wahre, wenn auch karikaturenhaft überspitzte und literarisch angereicherte Geschichte von Volker Rebells eigener Band, die sich nach der Schwester von Schlagzeuger Ringel »Beates« nannte. Mag die Gruppe damals auch »mit Schlagzeug und Gitarren gescheitert« sein, wie der gebürtige Offenbacher Rebell konstatiert; mag er sich auch bescheiden als »blutiger Amateur« bezeichnen: An seiner Gesangsleistung gibt es nichts zu meckern, und gelegentlich klingt er am Mikro gar authentischer als Bassist Robby »Paul« Matthes, dessen Organ nur selten an »McCartneys ihr’n Paul« erinnert.

Natürlich ist es die gern als unsterblich bezeichnete großartige Musik der Beatles, die immer wieder fasziniert - zumal die Band nach der Pause auch vor den vielschichtigen Nummern wie »Strawberry Fields Forever« oder »I’m The Walrus« nicht zurückschreckt. »While My Guitar Gently Weeps« wird - dank Claus Fischers Gitarrensolo (Original: Eric Clapton!) - zur meistbejubelten Nummer des Abends.

Aber es ist doch die anrührende und immer wieder umwerfend komische Geschichte der gescheiterten Frankfurter Band, die den Abend rund macht. Volker Rebell trägt das alles gestenreich vor und erweckt die liebenswerten Charaktere mit all ihren Schwächen durch verschiedene Dialekte und Sprechweisen zum Leben und teilt amüsierte Seitenhiebe aus, so etwa gegen den deutschen Schlagerschrott der 50er Jahre - um dann beim Ansingen der deutschen Version von »She Loves You« festzustellen, dass die frühen Beatles-Texte kaum weniger kitschig waren.

Nebenbei gibt es gemeinsames Ablachen über die völlig verfehlten jugendlichen Übersetzungen von Beatles-Titeln oder über den Erzähler, der erstaunt feststellt, dass auch seine Freundin im Essener Beatles-Konzert verzückt den Namen Paul ruft.



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Artikel vom 17.09.2009 - 23.53 Uhr
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