Laubach (ang). »Hier in Laubach geht heute ein Stück deutscher Motorradgeschichte zu Ende«, trauerte Moderator Roland Stoll. Hunderte Fans der Legende Friedel Münch waren am Samstag gekommen, um am letzten Sommerfest des großen Motorradkonstrukteurs teilzunehmen.
Friedel und Lotti Münch im »Mammutgebrüll«. (Foto: ang)
»Wenn Friedel einlädt, dann ist es selbstverständlich, dass wir kommen«, sagte Jan Schneider, »Vize« des Münch-Clubs. Auch wenn Münch auf einen Rollstuhl angewiesen und gesundheitlich angeschlagen sei, könne man dem 82-Jährigen die ungebrochene Motorradbegeisterung ansehen.
Die Legende begann im Jahr 1966 mit der Vorstellung der ersten Münch Mammut. Mit der Motorradindustrie ging es damals in Deutschland bergab. Kfz-Meister Münch, in der Nachkriegszeit mit selbst getunten Horex-Maschinen auf den Rennstrecken unterwegs, glaubte an die Zukunft des Zweirades. Lange vor japanischen Big-Bikes setzte der gebürtige Florstädter neue Maßstäbe in der Leistung. Alltagstauglichkeit und Reparaturfreundlichkeit waren für ihn selbstverständlich. Aus dem 1956 geschlossenen Bad Homburger Horexwerk hatte er sich Fertigungsvorrichtungen besorgt. Als Antrieb diente ein Vierzylinder-NSU-Prinz-Motor mit 1000 Kubikzentimetern Hubraum. Rahmen, Vorderradbremse, gekapselter Kettenkasten und Antriebsfelge waren Meilensteine in der Motorradkonstruktion. Die Alltagstauglichkeit bewies der 78-jährige Johann Hauser. Mit seiner Mammut war er aus Tirol angereist. Manfred Münch, Sohn des Konstrukteurs, wandte sich an die versammelte Bikergemeinde. Das Münch-Motorenmuseum in Laubach werde ab sofort seine Pforten schließen. Die Familie habe nicht mehr das Geld, die Einrichtung weiter zu unterhalten. Die Vollzeitpflege von Friedel und seiner Frau Lotti zehre an den finanziellen Ressourcen. Einen Lichtblick zeigte Manfred Münch auf. Es gäbe Gespräche, dass in Florstadt ein Museum eingerichtet werden könnte. Dort ließen sich dann in Zukunft Sommerfeste feiern. Zu Ehren von Friedel Münch und seiner Frau Lotti brüllte die versammelte »Mammutherde« aus 120 Zylindern ein letztes Mal in Laubach.
Bleibt zu hoffen, dass die Mammuts auch in Zukunft regelmäßig nach Laubach kommen. Vielleicht könnte man ja bei einer Verstaltung einen festen Platz für die Mammuts "reservieren", z.B. beim Lichterfest.