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Lesung aus Kellner-Tagebüchern in Stadtkirche Laubach

Artikel vom 13.01.2012 - 20.59 Uhr

Lesung aus Kellner-Tagebüchern in Stadtkirche Laubach

Laubach (mlu). Für bundesweite Schlagzeilen sorgte die Edition der Tagebücher des Laubacher Justizbeamten Friedrich Kellner, 2011 unter dem Titel »Vernebelt, verdunkelt sind alle Gehirne« erschienen. Für den 29. Januar lädt die Stadt Laubach nun zu einer Lesung, konnte dafür den Schauspieler Matthias Hermann gewinnen.

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Friedrich Kellner, eine Aufnahme aus dem Jahr 1923. (Foto: pm)
Auch die GAZ hatte dem Editionsprojekt, das über fünf Jahre lang von der Arbeitsstelle für Holocaustliteratur an der JLU Gießen betreut worden war, eine Sonderseite gewidmet. Vor der Presse kündigten soeben Laubachs Bürgermeister Klug und Stadtverordnetenvorsteher Kühn an, den gebürtigen Mainzer Friedrich Kellner – er hatte seit 1933 in Laubach gelebt, seit 1939 das Zeitgeschehen kritisch dokumentiert und sich nach dem Krieg für die SPD kommunalpolitisch engagiert – für seine politischen Tagebücher »in herausragender Weise« würdigen zu wollen.

»Hier in Laubach, der Stadt, in der Friedrich Kellner gelebt, die Ereignisse beobachtet und seine Tagebücher geführt hat, sehen sich Magistrat und Stadtverordnetenversammlung in der besonderen Pflicht, diesem politischen Tagebuch aus der Zeit des NS-Regimes größte Aufmerksamkeit zu widmen«, stellen Klug und Kühn unisono fest.

Die Stadt lädt daher – gemeinsam mit der ev. Kirchengemeinde sowie der Friedenskooperative Laubach-Grünberg-Mücke – für den 29. Januar zu einer Lesung in die ev. Stadtkirche ein (diese Zeitung berichtete jüngst erst über jene in Gießen). Als Vorleser konnte man den Schauspieler Mathias Hermann gewinnen, vielen noch als Dr. Johannes Voss aus »Ein Fall für zwei« bekannt.

Wie vor der Presse weiter betont wurde, werteten Historiker das über 1000 Seiten umfassende Collage-Diarium Kellners als exemplarischen Beleg dafür, dass auch »einfache Menschen« in der Abgeschiedenheit der Provinz den verbrecherischen Charakter des NS-Regimes jenseits aktiven Widerstandes hätten erkennen können.

Erwähnung fanden in diesem Zusammenhang auch die Laubacher Sozialdemokraten Wilhelm Lauth, Ernst Fißler und Hermann Rühl, die sich auch nach 1933 zu ihrer Überzeugung offen bekannten und von den Nazis ins KZ Osthofen verschleppt wurden. Politisch verfolgt wurden aber nicht nur Sozialdemokraten; in einer Chronik der SPD Laubach wird so auch auf verfolgte Kommunisten und Gewerkschafter verwiesen.

Diese Liste umfasst 25 Namen politisch verfolgter Laubacher: Ernst Fißler, Heinrich und Richard Frei, Heinrich Gerhard, Wilhelm Glock, Johannes Högel, Karl Kratz, Karl Lang, Christian Lauth, Wilhelm Lauth, Hermann Rühl, Emil Sauer, Jean Schmidt, Wilhelm Schmidt (Planke), Wilhelm Schmidt (Wildemannsgasse), Georg, Heinrich, Philipp und Wilhelm Stengel, Konrad Steuernagel, Heinrich von Eiff, Karl und Ludwig Wagner sowie Ludwig Weigand.

Die Lesung in der Stadtkirche Laubach beginnt um 17 Uhr und wird von Mitarbeitern der Arbeitsstelle für Holocaustliteratur kommentierend begleitet. Der Eintritt ist frei.

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Artikel vom 13.01.2012 - 20.59 Uhr
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