Laubacher Museum »Fridericianum« nähert sich der Vollendung
Laubach (pm/tb). Schritt für Schritt geht das Laubacher »Fridericianum« - mit Hilfe des hessischen Museumsverbandes neu konzipiert - seiner Vollendung entgegen. Seit wenigen Tagen kann auch das Obergeschoss komplett besichtigt werden. Dessen Motto: »Ora et labora« (»Bete und arbeite«). Bereits im Vorjahr hatte der Bereich »Arbeiten in Laubach- in der Stadt, im Wald, in der Eisenindustrie - fertiggestellt werden können.
Bleigefasstes Vierblatt-Kirchenfenster
In zwei neuen, prächtig eingerichteten Räumen im Obergeschoss wird jetzt der Aspekt »Ora« (Beten) beleuchtet. Der Besucher kann sich hier über die bauliche Entwicklung der Laubacher Gotteshäuser und Wendepunkte im kirchlichen Leben der Gemeinde informieren.
Wendepunkte durch die Einführung der Reformation sowie die - zunächst nicht von allen Zeitgenossen verstandenen - Neuerungen in pietistischer Zeit, in der Friedrich Ernst Graf zu Solms-Laubach doch vorbildliche soziale Einrichtungen begründete. Unter Ägide von Friedrich Ernst (1671-1723) wurde in den Jahren 1708 bis 1711 so das Armen- und Siechenhauses als Vorgänger des Diakoniezentrums »Laubacher Stift« erbaut. Auch Einrichtungen wie Amtsarzt und Apotheke sind dem Grafen zu verdanken, der zeitweise das Amt Reichskammergerichtspräsidenten in Wetzlar bekleidete. Als besondere »Hingucker« im »Kirchenraum« des Museums seien noch die beleuchteten Kirchenfenster und das intakte alte Kirchturm-Uhrwerk genannt.
Besucher können miterleben, wie sich die Wendepunkte im kirchlichen Leben im Laubacher Schulwesen widerspiegeln: in der Gründung der durch Melanchthon geprägten Lateinschule und der frühen Dorfschulen sowie in der Reform der Laubacher Schulen unter pietistischem Einfluss.
Gymnasium Fridericianum ein Schwerpunkt
Weiterer Schwerpunkt ist das einstige Laubacher Gymnasium. 1875 hatte Graf Friedrich zu Solms-Laubach in dem dreistöckigen Haus, das zuvor Jagdschloss in Gonterskirchen war, heute Museum ist, ein humanistisches Gymnasium gegründet. Nach seinem Namen wurde es »Fridericianum« genannt, diese Bezeichnung lebt im Museum fort. Hier dürfte vor allem der glanzvoll aufgearbeitete Physikschrank mit den weit über 100 Jahre alten physikalischen Geräten den Besucher anziehen. »Aber«, so unterstreicht der Heimatkundliche Arbeitskreis als Träger des Museums, »das ist noch nicht das Ende der Laubacher Schulgeschichte. Es gibt noch viel mehr zu sehen und zu erleben. Kommen Sie und überzeugen Sie sich selbst - und vielleicht lassen Sie sich dabei begleiten von den Klängen der Laubacher Kantorei.«
8Öffnungszeiten des Museums »Fridericianum«: mittwochs 10 bis 12 Uhr, sonntags von 14 bis 16 Uhr.