Laubach (mlu). Wie jedes Jahr am 3. Februar feierten auch diesmal wieder die Nachfahren des wüstgefallenen Dorfes Baumkirchen ihr St.-Blasius-Fest nach alter Tradition. Die Wahl zum neuen Schultheiß, dem »Scholtes«, fiel dabei auf Erhard Kreicker.
Jedes Jahr am St.-Blasius-Tag wählen die Nachfahren des wüstgefallenen Dorfes Baumkirchen ihren »Scholtes«. Der neue Mann im Amt heißt Erhard Kreicker (2. v. r.). (Foto: mlu)
Bereits am Morgen zogen nach altem Brauch die zehn jüngsten Mitglieder der Gesellschaft zum Noch-Scholtes Karl-Heinz Repp, wo sie Eierweck und Kaffee frühstückten, ehe es mit der »Lade«, in der Urkunden und etwaige Traditionsstücke aufbewahrt werden, ins Vereinslokal Café Göbel ging.
Nachdem der Gemeinderat seine Angelegenheiten besprochen hatte, die »Gefälle« entrichtet waren, stattete man gemeinsam dem Heimatmuseum einen Besuch ab, in dem eine Dauerausstellung über Geschichte und Gepflogenheiten der Baumkircher Blasiusgesellschaft informiert.
Archäologische Ausgrabungen belegen, dass sich das Dorf Baumkirchen im Seenbachtal oberhalb von Freienseen befand. Um 1432 begaben sich die Einwohner dann in die schützenden Stadtmauern von Laubach. Die zurückgelassenen Grundstücke wurden allerdings nach wie vor von ihnen bewirtschaftet, was sie von den Bewohnern anderer ehemaligen Wüstungen unterschied.
Begleitet von Mitgliedern der Solmser Pfadfinderschaft, der Kreicker ebenfalls angehört, startete um 18.30 Uhr schließlich der traditionelle Lampionzug, der vom Stammlokal durch die Laubacher Altstadt in den Erlenweg 27 führte, dem Wohnsitz des neuen Scholtes, der nunmehr für ein Jahr die Amtsgeschäfte der Blasiusgesellschaft leiten wird.
Übrigens wurden an diesem St.-Blasius-Tag auch drei Baumkircher für 25 Jahre aktive Mitgliedschaft geehrt: Heinrich Melchior, Diethard Ziegler und Karl Georg Graf zu Solms Laubach. Ferner übernimmt seit diesem Jahr als neuer Baumkircher Andreas Jorde das Amt des Jüngsten, demzufolge er bei Versammlungen für die Bewirtung der Gesellschaft zuständig ist.