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10.03.2010 - 13.21 Uhr
Freienseener Ausstellung erinnert an Pfarrer Georg Frank
Laubach (sf). Im Rahmen des bundesweiten »Tags der Archive« fand am Wochenende im Freienseener Pfarrhaus eine Ausstellung über Georg Frank, Gemeindepfarrer von 1819 bis 1836, statt. Aufbereitet worden war diese von den Heimatkundlern Karl Krautwurst und Norbert Theiß. Die Ausstellung wurde von über 100 Interessierten besucht.
Frank hatte Mitte des 19. Jahrhunderts die Notlage der Weber (auch) in seiner Gemeinde erkannt und gemeinsam mit sechs Freienseener und Lardenbacher Webwarenfabrikanten 1823 eine Denkschrift ans großherzogliche Staatsministerium in Darmstadt verfasst.
Ob der großen Armut der Bevölkerung und der hohen Zollabgaben in Zeiten der Kleinstaaterei, die fast 40 Prozent des Gewinnes der Weber aufzehrten, wurde in der Schrift um eine Verbesserung der Handelsbeziehungen mit dem Königreich Preußen ersucht. Dem ward 1828 mit dem Zollvertrag (Preußisch-Hessischer Zollverein) Rechnung getragen (die AZ berichtete über das Wirken Franks).
Krautwurst eröffnete die Ausstellung und begrüßte u.a. Ortsvorsteher Hermann Hans Hermannski, den Kreisbeigeordneten Dirk Oßwald, Kreisarchivarin Sabine Rasner, den Gießener Stadtarchivar Ludwig Brake, Bürgermeister Peter Klug. Walter Ploz, der sich auch mit einem aktuell gemalten Dokument an der Ausstellung beteiligte, wurde ebenfalls herzlich begrüßt.
Die Ausstellung zeigte historische Dokumente samt Übersetzung ins Hochdeutsche. Des Weiteren zu sehen waren Webstücke aus dem 19. Jahrhundert.
Pfarrer i. R. Dr. Ulf Häbel beschrieb Georg Frank und die damalige Situation näher. Pfarrer im ländlichen Raum, so Häbel, sollten ganz nah an den Menschen leben - was im Übrigen auch heute noch Gültigkeit besitzen sollte. »Nur wenn man im Lebensbezug mit den Menschen steht, kennt man auch deren Nöte und Sorgen.«
Georg Frank, 16. Pfarrer nach der Reformation in Freienseen, habe die Gabe besessen, die Nöte der Menschen in Worte fassen zu können. Häbel: »Er erspürte zum Glück ihr Leid und konnte dann auch etwas bewegen. Er hat sich für seine Mitmenschen eingesetzt. Sein prophetischer Geist hat ihn geleitet, das Leben verändern zu wollen.« Häbels »Kollege in früher Zeit« habe Thesen, Ideen, Visionen und den Glauben an den »guten Ausgang« gehabt. Frank freilich sei mit seinem Ansinnen nicht allein gewesen, mit anderen habe er einen Grundstein für den 1834 gegründeten Deutschen Zollverein gelegt. Häbel: »Er hat die Kraft der Worte genutzt«, und weiter: »Heute würde man sagen, ›er hat zielorientiert operiert‹.« Ziel des Zollvereins war die Vereinheitlichung fiskalisch-ökonomischer Rahmenbedingungen. Politisch stärkte er die Vormachtstellung Preußens und förderte die Entstehung der »kleindeutschen Lösung«. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 gingen die Aufgaben des Vereins aufs Reich über.
Ortsvorsteher Hermannski zeigte sich am Ende stolz auf sein »Dreigestirn«, den Heimatforscher Krautwurst, dessen Nachfolger Norbert Theiß und Ulf Häbel. Krautwurst habe in den vergangenen zehn Jahren das Gemeindearchiv auf Vordermann gebracht, dass man nicht bange sein müsse um den Erhalt der historischen Dokumente. (Fotos: sf)