Facetten eines Blasinstrumentes in Laubach vorzüglich interpretiert
Laubach. - Wie schon eine Woche zuvor zum Auftakt der internationalen Meisterklasse für klassisches Saxofon stand am Samstag beim Abschlusskonzert in der evangelischen Stadtkirche erneut Barockmusik zeitgenössischen Kompositionen gegenüber.
Die Kursteilnehmer präsentierten sich in unterschiedlichen Ensembleformationen und wurden von Christian Schmitt an der Orgel unterstützt.
Recht hörenswert schien die Konfrontation von Saxofonquartetten und Orgel in ausgewählten Stücken aus Johann Sebastian Bachs »Kunst der Fuge«. Schmitt traf im »Contrapunctus« Nr. 1, unterstrichen durch das ruhige Tempo, inspiriert den ernsten, erhabenen Ausdrucksgestus. Joshua Hyde, Shiko Watanabe, Simone Müller und Paulina Kulesza knüpften in ihrer Interpretation desselben Stücks einfühlsam an Schmitt an, wählten ein ähnlich beschauliches Tempo und achteten auf warme, geschmeidige, äußerst fein aufeinander abgestimmte Tongebung.
Demgegenüber warteten Michael Amann, Ilse Bies, Francisco J. Gil Ramirez und Linn Persson im »Contrapunctus« Nr. 2 mit einer zügigeren, akzentuierteren Spielart als Schmitt auf; der unterschiedliche Bewegungscharakter der Interpretationen bildete einen reizvollen Kontrast. Agogisch nicht ganz so flexibel wie der Organist, aber wiederum mit harmonischem Klangbild spielten Hannes Tipelius, Sarah Wünsche, Arvydas Kazlauskas und Peter Vigh die dritte Fuge. Die vorzügliche Akustik des Gotteshaus nutzte Dirigent Vincent David gezielt in drei Sätzen aus der Suite Nr. 3 G-Dur der »Wassermusik«von Georg Friedrich Händel: Er platzierte drei Quartettgruppen im Saal verteilt. Rhythmisch präzises Zusammenspiel verband sich im Rigaudon mit deutlicher und lebendiger Artikulation. Dynamisch wohldosiert, in fließender Bewegung bot das Ensemble das Menuett dar.
Als ein Höhepunkt dieses Konzertes in der Stadtkirche erwies sich die Suite Nr. 2 D-Dur aus demselben Zyklus: Herrlich, wie rhythmisch straff und melodisch geradlinig-elegant das Ensemble unter der Leitung von Jan Schulte-Bunert die Ouvertüre vortrug. Im Ganzen gefiel wieder die durchsichtige Artikulation, zudem die subtile dynamische Gestaltung.
Einen freien, humorvollen Umgang mit Themenmaterial aus einer Bachschen Fuge offenbarte Piet Kees von Arno Bornkamp dirigierte »Performance« für zwölf Saxofone und Orgel. Der 1927 geborene niederländische Komponist scheut dabei nicht vor skurrilen Momenten zurück, die sich etwa in Motivsplittern und chaotischen Strukturen zeigten. Inmitten der modernen Passagen tauchten originalgetreue, wie ferne Reminiszenzen wirkende Zitate auf.