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Ermittlungen im Auftrag eines Toten

Artikel vom 22.10.2009 - 15.28 Uhr

Ermittlungen im Auftrag eines Toten

Laubach (sc). »Aller guten Dinge sind drei« galt in diesem Jahr auch für die Beteiligung Laubachs am Krimifestival.
Jutta Profijt
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Jutta Profijt
Und so konnte am Mittwoch Markus Stiehl von der Kultur und Bäder GmbH knapp 60 Besucher im Café Göbel zur dritten und letzten Laubacher Lesung begrüßen. »Kühlfach 4« stand auf dem Programm, ein Krimi, der von Autorin Jutta Profijt gelesen wurde. Die humorvolle Wuppertalerin zog ihr Publikum von Beginn an in ihren Bann und in den ihres Buches, das sie wegen seiner skurrilen Thematik zuvor erläuterte. »Dann besteht noch die Möglichkeit, die Lesung zu verlassen«, bot Profijt gut gelaunt an und warnte augenzwinkernd: »Später aber nicht mehr!«

So beschrieb sie zunächst, wie sie während einer Führung durch die Pathologie der Rechtsmedizin auf die Idee für ihren sechsten Krimi gekommen war. »Hören Sie hier bei den vielen Toten auch manchmal Stimmen?«, fragte damals nämlich eine Besucherin. Die Antwort des Rechtsmediziners, dass sei noch nie vorgekommen und wäre dann auch ein ziemliches Problem für den betreffenden Rechtsmediziner, war Auslöser für Profijts Roman-idee: Sie entwarf eine Geschichte über einen Kleinganoven, der durch einen Sturz von einer Behelfsbrücke ums Leben kommt. Der sich aber nicht mit dem Untersuchungsergebnis »Unfall mit Todesfolge« zufrieden geben will.

Bevor die Autorin jedoch die Neugierde ihres Publikums mit Auszügen aus dem Buch stillte, beschrieb sie zunächst sehr unterhaltsam, wie ihr Geist namens Pascha zu seiner Sprache gefunden hatte. Denn nach ihren Vorstellungen sollte sich der männliche Geist auch durch seine Sprache als Macho und Prolet charakterisieren und dabei »mordsnervig« sein. Die zunächst von ihr gewählte Fäkalsprache befand sie dann aber als ungeeignet, angesichts der zahlreichen nicht abdruckbaren verbalen Ausdrücke. In ihr Interesse sei dann »Kanakisch« gerückt, eine von der Staatsangehörigkeit unabhängige Sprache mit einem Wortschatz von 50 Wörtern. Doch schilderte sie sehr anschaulich und zum Vergnügen der Anwesenden, weshalb sie dann doch weiter gesucht habe und bei der Jugendsprache fündig geworden sei. »Pascha hatte seine Sprache gefunden«, schloss sie ihre Einführung und begann mit ihrer Lesung.

Diese startete mit dem Tod der Hauptfigur Pascha und der Tatortbeschreibung, beschrieben aus der Perspektive des Betroffenen, der sich zunehmend über die ausbleibende Rückkehr in seinen Körper wundert. Wähnt er sich doch in einer oft im Fernsehen beschriebenen Nahtoderfahrung. Doch spätestens auf dem Seziertisch muss er sich seinen Tod eingestehen, als ihn der Rechtmediziner Dr. Martin Gänsewein aufschlitzt. In dieser Situation kommt es auch zum ersten Kontakt zwischen beiden, als Geist Pascha einen Schnitt Gänseweins mit einem gebrüllten »Nimm deine ***-Griffel von meinem Sack« zu verhindern weiß. So befindet Gänsewein im weiteren Verlauf der Untersuchung, es sei »eine Präparierung der Hoden nicht notwendig«, muss sich dann aber erst einmal mit der Situation zurecht finden, dass ihn ein Toter mit der Aufklärung seines Todes beauftragt. Für viel Komik und bizarre Situationen sorgt zusätzlich zu dieser Geisterthematik die Person Gänseweins. Ist der Rechtsmediziner im Gegensatz zu Pascha doch ein überaus korrekter, sehr bescheidener Akademiker, der gerne Tee trinkt und Ente fährt.

Im zweiten Teil ihrer Lesung führte Profijt in das Privatleben Gänseweins ein. »Das war schon vor Pascha nicht leicht, und wird mit ihm nicht besser«, begann sie lakonisch.

Eine Lesung mit wenig Krimihandlung, auch wenn diese im Buch durchaus vorhanden sei, wie die Autorin auf Nachfrage versicherte. Doch sei es bei einer Lesung schwierig, eine solche zusammenhängend zu schildern, weshalb sie sich auf die anderen Aspekte beschränkt habe, gab sie zu. Dass sich die Zuhörer dennoch bestens unterhalten fühlten, bewies der abschließende Applaus.

Und sichtlich erfreut vernahm das Publikum zum Schluss, dass sich bald die Tür zum Kühlfach nebenan öffnet. Denn für Anfang Dezember kündigte Profijt die Fortsetzung ihres Krimis »Kühlfach 4« an, der dann »Im Kühlfach nebenan« heißen wird.

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Artikel vom 22.10.2009 - 15.28 Uhr
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