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Was wird aus »Lameer« von Spieker-Kosmetik in Dorlar?

Artikel vom 12.10.2011 - 09.33 Uhr

Was wird aus »Lameer« von Spieker-Kosmetik in Dorlar?

Lahnau (sel). Die Kosmetik-Manufaktur Spieker im Gewerbegebiet Eberacker in Dorlar führt ein eher unscheinbares Dasein. Am morgigen Donnerstag aber muss sie vor dem Landgericht in Hamburg ein Duell austragen, das der biblischen Auseinandersetzung David gegen Goliath gleicht.

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Estée Lauder will erwirken, dass die Dorlarer Kosmetik-Manufaktur Spieker ihr Meeresbadekonzentrat nicht mehr unter dem Namen »Lameer« vermarktet. (Fotos: sel)
Der Riese ist der Fünf-Milliarden-Umsatz-Konzern Estée Lauder mit Sitz in New York. Der Deutschland-Vertrieb des Kosmetikprodukte-Unternehmens wird von München aus gesteuert. Der scheinbar übermächtige Kontrahent hat vor gut einem Jahr eine Unterlassungsklage angestrengt: Spieker-Kosmetik soll sein Badekonzentrat namens »Lameer« umbenennen, weil Estée Lauder unter seinen vielen kosmetischen Produkten eines mit dem Namen »La Mer« auf dem Markt hat.

Spieker ist ein kleiner Familienbetrieb mit sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern überwiegend aus dem familiären Umfeld und mit dem 46-jährigen Garbenheimer Bernhard Krenig als »Laborsprecher« an der Spitze. Die Familie Krenig hat die Manufaktur Spieker 2006 übernommen.

Gegründet worden war das Unternehmen 1938 von dem aus Dillenburg stammenden Drogisten und Chemotechniker Heinz Spieker (1911 - 2004) im heute zu Haiger zählenden Allendorf. Die chemisch-pharmazeutische Fabrik zählte alsbald mehr als 30 Mitarbeiter. Spieker entwickelte seine Firma mit den Schwerpunkten Pharmazie und Kosmetik, brachte unter anderem 1965 ein »Luxusbadekonzentrat« auf den Markt, dem er den Namen »Lameer« gab und das er zugleich beim Patentamt gesetzlich schützen ließ. Und um dieses Badekonzentrat namens »Lameer« dreht sich der vom Global Player Estée Lauder angestrengte Rechtsstreit.

»Spiekers Meeres-Badekonzentrat …
seit 45 Jahren in bewährter Qualität«

Die Dorlarer Kosmetik-Manufaktur, die sich aufgrund ihres Alters selbstbewusst zu den »traditionsreichsten Kosmetikunternehmen Deutschlands« zählt, will ihr Spitzenprodukt weiter produzieren und vermarkten. Denn »Lameer« hatte sich von 1965 an rasch zu einem Renner entwickelt. Das Geschäft weitete sich über Apotheken und Drogerien bis zum deutschen Pharmagroßhandel aus. Seit seiner Einführung ist das Badekonzentat »Lameer«, das zunächst in Haiger-Allendorf, dann in Dillenburg und seit 2006 in Dorlar produziert wird, ununterbrochen am Markt und war, versehen mit der Pharmazentralnummer 2575928, über alle großen deutschen Pharmagroßhändler wie Phönix, Noweda, Gehe, Andreae-Noris, von der Linde und Kapferer zu beziehen. »War« zu beziehen – weil Krenig angesichts der rechtlichen Auseinandersetzung und des vom Konkurrenten aus New York ausgeübten Druckes den Namen »Lameer« seit einigen Monaten ruhen lässt. Jetzt heißt es etwas langatmig und eher produktbeschreibend »Spiekers Meeres-Badekonzentrat - blau - Luxusbad seit 45 Jahren in bewährter Qualität«. »Das ist aber hoffentlich nur übergangsweise notwendig, denn es ist zum einen nicht einzusehen und zum anderen unserer Ansicht nach rechtlich nicht haltbar, dass der New Yorker Konzern per Gerichtsbeschluss untersagen lassen will, unsere Traditonsprodukt ›Lameer» unter diesem Namen zu verkaufen«, so Bernhard Krenig, der am Mittwoch nach Hamburg reist und bei dem für Donnerstag angesetzten Landgerichtstermin auf Gerechtigkeit hofft.

Krenig weiß natürlich auch, dass es beim Ausscheiden des Firmengründers Spieker Anfang der 1990er Jahre vom damaligen Besitzer versäumt worden war, den Markenschutz verlängern zu lassen. Gleichwohl pocht er auf die »prioritätsältern Rechte« an dem Namen »Lameer«. Zumal das Produkt mit der Bezeichnung »La Mer« von Estée Lauder nach Aussage des klagenden Unternehmens erst seit 1998 in Deutschland vertrieben wird. Krenig beruft sich auf das Deutsche Markengesetz. Danach hat sich seine Marke »Lameer« den Status einer »Benutzungsmarke« erworben, weil sie seit 1965 ununterbrochen von der Firma »Spieker Kosmetik« vertrieben wird. Zudem erfülle »Lameer« die Kriterien einer »Notorietätsmarke«. Eine solche liegt dann grundsätzlich vor, »wenn eine allgemeine Kenntnis von der Marke innerhalb der beteiligten Verkehrskreise im Inland besteht«. Und das sei, so Krenig, »zweifelsfrei der Fall, wenn das Badekonzentrat aus Dorlar über alle deutschen Pharmagroßhändler vertrieben wurde«.

Er fahre zuversichtlich zur Verhandlung nach Hamburg. Allerdings sei ihm auch ein wenig unwohl, weil sein Fall in der norddeutschen Metropole und nicht beispielsweise an dem für Lahnau zuständigen Landgericht Limburg verhandelt werde. Und er kennt das Sprichwort »Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand«. In Gottes Hand geborgen war seinerzeit auch David im Streit mit Goliath. Ob’s hilft?

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Artikel vom 12.10.2011 - 09.33 Uhr
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