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Waldgirmeser Kirchengemeinde lebt die Partnerschaft mit Tansania

Artikel vom 12.08.2010 - 20.00 Uhr

Waldgirmeser Kirchengemeinde lebt die Partnerschaft mit Tansania

Lahnau/Biebertal (ür). Einem Kulturschock ähnlich hat Pfarrer Yoram Karusya vor einigen Jahren den Wechsel von Tansania nach Waldgirmes erlebt - Infrastruktur. Lebens- und Arbeitwelt - alles ist anders als in seiner afrikanischen Heimat. In der Gemeinde Lahnau im Dekanat Gladenbach ist er seit 2006 im Rahmen eines Austauschprogramms der Vereinten Evangelischen Mission (VEM, Wuppertal) beheimatet. Zur Hälfte arbeitet er in der Gemeinde neben dem Ortspfarrer Frieder Ackermann, zur anderen Hälfte ist er für die Partnerschaft des Dekanates Gladenbach mit dem Ngara-Distrikt in Tansania tätig.
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Diese Verbindung geht zurück auf die Arbeit von Schwester Hildegard Platt aus Biebertal.

1993 wurde Schwester Hildegard Platt aus Rodheim von der VEM nach Tansania ausgesandt, um die bestehende Diakonieschule Nkwenda auszubauen. Seitdem werden im Dekanat Spenden gesammelt, um die Bevölkerung dort zu unterstützen. Ein Jahr nach der Ausreise von Hildegard Platt hat die Dekanatssynode neben den Beziehungen zur Diakonieschule in Nkwenda eine Partnerschaft mit dem Ngara-Distrikt der Karagwe-Diözese innerhalb der Evangelischen Lutherischen Kirche Tansanias beschlossen. Die Kirchengemeinden des Dekanates unterstützen die Partner in Tansania beim Gemeindeaufbau und der Ausbildung junger Menschen. Für das Profil der Gemeinden im Dekanat Gladenbach haben umgekehrt ökumenisches Lernen und Erkennen von globaler Verantwortung große Bedeutung. Im Ngara-Distrikt leben etwa 340 000 Menschen. Er liegt im Grenzgebiet zu Ruanda und Burundi. Die gesamte Situation in Ngara ist immer noch stark vom 1994 wütenden Bürgerkrieg und dem daraus resultierenden Flüchtlingsdrama in Ruanda und Burundi geprägt. Immer noch gibt es viele Flüchtlinge in der Region, die nach Auflösung der Lager in der Region geblieben sind. Die Einrichtungen der UNO und anderer Hilfsorganisationen zur Versorgung der Lager wurden zum Segen für die Region. So haben die beiden Teerstraßen nach Burundi und Ruanda die Infrastruktur enorm verbessert. In den vergangenen 15 Jahren haben sich viele Menschen entlang dieser Transitstrecke angesiedelt, berichtet Pfarrer Frieder Ackermann, der Vorsitzende des Tansania-Arbeitskreises des evangelischen Dekanates Gladenbach.

Die Gemeinden sind am Wachsen und haben bis zu 250 getaufte Mitglieder, erzählt der Theologe. Einige sind nach der Flüchtlingswelle entstanden. »Die Gottesdienste sind brechend voll«. Für die Region mit bislang 500 000 Einwohnern war es schwer, quasi über Nacht 1,5 Millionen Flüchtlinge aufzunehmen, die durch den Grenzübertritt nur das nackte Leben retten konnten. Zwölf Gemeinden aus dem heimischen Dekanat haben zu zwölf Gemeinden in Tansania eine Partnerschaft. Alle zwei Jahre gibt es Besuche. Waldgirmes pflegt eine Partnerschaft mit der Gemeinde Kasharazi, etwa acht Kilometer östlich von Ngara, nahe der Teerstraße nach Burundi. Da die einfache Lehmkirche mit Strohdach baufällig war, hat die Gemeinde einen Neubau errichtet. Es ist ein Haus aus festen Steinen mit einem Blechdach.

Wie Tansanier ihr Christsein leben, können die Waldgirmeser seit 2006 an ihrem Pfarrer Yoram Karusya und seiner Familie erleben. Karusya kam mit seiner Frau Judith. Inzwischen haben die beiden zwei Kinder in Deutschland bekommen: Tochter Liam (3 Jahre) und Sohn Seth (10 Monate). Pfarrer Karusya hatte sich zu dem Austauschprogramm gemeldet, weil er gerne Christen in anderer Kultur erleben wollte. Dass er allerdings so viel Mühe mit der deutschen Sprache haben würde, hatte er nicht gedacht. Dennoch predigt er in Gottesdiensten, in Gemeindegruppen und Dekanatsveranstaltungen. Der deutsche Gottesdienst ist ihm zu kühl. »Die Besucher wirken, also wären sie lieber woanders«, beschreibt der afrikanische Pfarrer sein Empfinden. Oftmals packt er seine Trommeln aus und bringt Bewegung in die Kirche oder den Konfirmandenunterricht. Sein auf drei Jahre befristeter Aufenthalt ist um weitere drei Jahre verlängert worden. Karusya vermisst auch die bunten, fröhlichen Chöre, die in seiner Heimat die Gottesdienste bereichern. Die Chöre dränge es, jeden Sonntag die Gottesdienste mitzugestalten. Da kann auch schon mal der Gottesdienst über die normale Länge von zwei Stunden hinaus bis zu dreieinhalb Stunden dauern.

Diesen ganz anderen Alltag in Tansania wird demnächst eine Waldgirmeserin kennenlernen. Die 19-jährige Sozialassistentin Constanze Reinstädtler will sich vom kommenden Frühling an ein halbes Jahr lang in der Partnerkirche einsetzen. So bleibt die Verbindung keine Einbahnstraße, sondern wird zur echten Partnerschaft über Kontinente hinweg. (Foto: ür)

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Artikel vom 12.08.2010 - 20.00 Uhr
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