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Seniorenwohnheim »Bettengraben« in der Kritik

Artikel vom 22.10.2009 - 22.35 Uhr

Seniorenwohnheim »Bettengraben« in der Kritik

Lahnau (agr). Das Seniorenwohnheim, auf das der Seniorenbeirat der Gemeinde Lahnau so viele Jahre gedrungen hatte, soll endlich kommen, und schon regt sich erster Widerstand. Anlieger der Straße »Bettengraben« äußern massive Bedenken gegen den Bau der Wohnanlage auf dem von der Gemeinde und dem Investor gewählten Grundstück. Weil sie jedoch »Anwürfe« aus der Bevölkerung fürchten, mögen sie nicht namentlich an die Öffentlichkeit treten.
Am 14.September hatte der Investor das Projekt einer Wohngemeinschaft für Senioren vorgestellt und am 1. Oktober hatte die Gemeindevertretung die Änderung des Bebauungsplanes für das Gelände Ecke Bahnhofstraße/ Bettengraben beschlossen und das Planungsbüro Fischer mit der Durchführung der Bauleitplanung beauftragt.

Die Kritiker betonen, dass sie auf keinen Fall Einwände gegen das Seniorenwohnheim als solches haben, sondern dass sie lediglich den Standort für schlecht gewählt halten. Das hohe Verkehrsaufkommen durch die angrenzende Schule und das evangelische Gemeindehaus mit Bussen und Pkw würde zu einer Gefährdung der Heimbewohner führen. Diese könnten mit ihrem Rollator dann nur in Begleitung auf die Straße gehen, wenn sie sich nicht einer massiven Gefährdung aussetzen wollten. Außerdem: »Wo wollen die denn hin?« Dem Argument des Investors, der das Wohnheim mitten im Ort haben wollte, damit die Menschen mit kurzen Wegen auch einmal in ein Geschäft oder aufs Amt gehen könnten, wird widersprochen. Das Gelände liege mitnichten zentral und die Steigung von der Hauptstraße den Bettengraben hinauf sei für gehbehinderte alte Menschen zu steil.

Auch die Nachbarschaft zur Lahntalschule, welche vom Investor als Vorteil gewertet wurde, führen die Kritiker als Nachteil an. Bei lauten, spielenden oder gar gegen die alten Menschen pöbelnden Kindern und Jugendlichen sei Ärger vorprogrammiert. Durch die Umwidmung des Geländes von der »Zweckbestimmung Schule« hin zu einer »Zweckbestimmung Seniorenwohnanlage« nehme man den Kindern zudem eine der wenigen örtlichen Grünflächen für Spiel und Sport, so die Argumentation.

Erbittert hat die Anwohner vor allem, dass sie durch den Beschluss der Gemeindevertretung vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind. Sie seien bei den Überlegungen nicht einbezogen worden. Damit greifen sie die Kritik auf, die bereits in der Gemeindevertretung von allen Parteien geäußert worden war. Dieter Schmidt, der als Erster Beigeordneter zur Zeit den im Urlaub weilenden Bürgermeister Eckhard Schultz vertritt, räumte ein, dass eine frühzeitigere Informationspolitik wünschenswert gewesen wäre. Er verteidigt jedoch die Vorgehensweise des Bürgermeisters damit, dass dieser gut vorbereitet mit einer konkreten Vorlage in die Gemeindevertretung gehen wollte. Er widerspricht auch dem Einwand der Kritiker, dass es eine hinreichende Anzahl besser geeigneter Standorte gegeben hätte. Das von allen Seiten eigentlich favorisierte Gelände der alten Zigarrenfabrik im Ortsteil Waldgirmes scheiterte an der vorgeschriebenen Anzahl von Parkplätzen, die an dieser Stelle einfach nicht hätte geschaffen werden können. Die Grundstücke zwischen Wertstoffhof und Schützenhaus in Dorlar und den nicht mehr genutzten alten Sportplatz in Atzbach hatte der Investor als zu abgelegen abgelehnt. Der Gemeindevorstand hatte zusammen mit dem Investor zahlreiche mögliche Standorte besucht, doch der Geldgeber habe sich letztlich für den Standort Bettengraben entschieden.

Damit beantwort Schmidt einen Teil eines ganzen Fragenkatalogs, welchen die Anlieger des geplanten Seniorenwohnheims erstellt haben. Darin werden kritische Fragen über die Vorgehensweise der Gemeinde, aber auch zu deren Kompetenz zur Beurteilung der Qualität von Pflegeeinrichtungen gestellt. Sowohl die Schule als auch das benachbarte Gemeindezentrum und die - wenn neu gebaut - wieder von den Vereinen rege genutzte Sporthalle und der damit verbundene Verkehr sind ebenso Themen, die angeschnitten werden, wie eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Pflegekonzepten und anderes mehr.

Ab dem 26. Oktober werden die Planungsunterlagen in der Gemeindeverwaltung für einen Monat ausliegen, so verlangt es das Gesetz. Bis zum 27. November haben die Bürger die Möglichkeit, sich über den geänderten Bebauungsplan zu informieren und etwaige Anregungen oder Bedenken schriftlich einzureichen. Diese Möglichkeit, das kündigten mehrere Anlieger schon jetzt an, werden sie wahrnehmen.

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Artikel vom 22.10.2009 - 22.35 Uhr
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