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Der Pferdekopf aus Bronze machte weltweit Schlagzeilen

Artikel vom 01.02.2010 - 19.34 Uhr

Der Pferdekopf aus Bronze machte weltweit Schlagzeilen

Lahnau (agr). Sie hatten Schnee und Kälte getrotzt, um ins Dorfgemeinschaftshaus von Waldgirmes zu kommen: Rund 150 interessierte Besucher wollten sich durch den Vortrag von Dr.Gabriele Rasbach über das römische Forum in Waldgirmes und vor allem über den Sensationsfund des vergangenen Jahres, einen bronzenen Pferdekopf, informieren. Die Archäologin, die seit zwölf Jahren die Grabungsarbeiten an der einzigen römischen Stadtgründung, die jemals rechts des Rheins entdeckt wurde, begleitet, berichtete anschaulich und profund über die geschichtlichen und geografischen Hintergründe, die Anfänge und die Fortschritte der Grabungen und deren Ergebnisse.
Auf einer Karte zeigte Rasbach die keltischen Zentralorte der Region aus vorrömischer Zeit, unter anderem den Dünsberg, und zeigte anschließend auf, wie sich die Römer nach und nach in Germanien ausbreiteten. Rasbach machte deutlich, dass es zu dieser Zeit noch keineswegs »die Germanen« gab, sondern eine Vielzahl an Stämmen das Land bevölkerte. Von diesen berichtete ausführlich Gajus Julius Cäsar (100-44 v.Chr.), unter dessen Führung der römische Einfluss rechts des Rheins begonnen hatte. Cäsar habe die Germanen quasi »erfunden«, zitierte Rasbach eine Archäologenmeinung, indem er die vielen Stämme zu einem Begriff zusammenfasste. Gleichzeitig machte sie aber auch deutlich, wie wichtig schriftliche Quellen wie die Berichte von Autoren wie Cäsar, Tacitus oder Cassius Dio sind, um die Grabungsbefunde einzuordnen und zu ergänzen.

Dank der Grabung eines Brunnens, dessen Holzreste eine genaue Datierung erlaubten, sowie zahlreiche Münzfunde konnte man die Existenz der römischen Stadt auf 4 vor bis 9 nach Christus eingrenzen. Zusätzliche Funde lassen Raum für eine Ausweitung auf bis zu 16 n.Chr. Ein Zeitfenster, bei dem andere Archäologen »feuchte Augen kriegen«, so Rasbach schmunzelnd. Anhand vieler Aufnahmen vom Gelände und verschiedenen Grabungsfunden zeigte die Archäologin zudem auf, dass es sich im Gegensatz zu den anderen römischen Siedlungsfunden, wie zum Beispiel Haltern, in Waldgirmes nicht um eine militärische, sondern eine zivile Einrichtung handelte. Ebenfalls ungewöhnlich: Das offenbar enge Miteinander von Römern und einheimischer Bevölkerung. Ein wesentlicher Hinweis darauf ist der hohe Anteil heimischer Keramik von 15 Prozent.

Geschickt baute Rasbach den Spannungsbogen hin zum Höhepunkt der Grabung, berichtete vom Fund eines weiteren Brunnens, die ersten Probebohrungen, das immer tiefere Graben, die vielen Funde von Holz und Abfall. Im Laufe der vergangenen Jahre waren viele Fragmente eines Reiterstandbildes gefunden worden. Nun entdeckte man einen Fuß des Reiters - schon dies ein großer Erfolg für das Grabungsteam. Belegte doch das dargestellte Schuhwerk, dass es sich bei dem Reiter um einen Mann von hoher gesellschaftlicher Stellung handeln musste. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass es sich um ein Reiterstandbild des damals regierenden Kaisers August handelte.

Die eigentliche Sensation, die erst am Fuße eines Fasses, welches den Grund des Brunnens bildete, zwischen einer Vielzahl von Mühlsteinen auftauchte: Ein bronzener Pferdekopf! Ein Gänsehauterlebnis für die beteiligten Archäologen. Die naturalistische und feingearbeitete Darstellung eines jungen und temperamentvollen Hengstes, dessen Zaumzeug aufwendig und detailreich verziert war, fesselte die Zuschauer nicht nur an diesem Abend. Der Fund hatte national und international großes Aufsehen erregt, selbst die Presse in Tokio, New York und anderen großen Städten hatte davon berichtet. Gabriele Rasbach schilderte aber auch die Bedeutung für die Archäologie in anderen Regionen, denn neben der Schönheit seiner Darstellung ist auch der Fundort mit seiner engen zeitlichen Eingrenzung wichtig, denn so ist nun auch eine Datierung von vergleichbaren Funden, wie zum Beispiel zwei fragmentarische Reiterstatuen im italienischen Cartoceto, möglich.

Die Feuchtigkeit des alten Brunnens hatte den Pferdekopf und seinen Goldüberzug bewahrt. Letzterer drohte durch das Trocknen der Schlammschicht unwiederbringlich zerstört zu werden. Deshalb musste das Stück sehr langsam getrocknet werden, so dass die eigentlichen Restaurierungsarbeiten erst im Februar beginnen können. Wilfried Paeschke, der Vorsitzende des Trägervereins römisches Forum Waldgirmes, wies darauf hin, dass die Kosten für die Erhaltung des Fundes mit rund 150000 Euro veranschlagt wurden. Dieses Geld könne der Verein allein natürlich nicht aufbringen, sondern er sei dringend auf Unterstützung angewiesen.

Trotz dieses Sensationsfundes wird es 2010 keine Grabung mehr in Waldgirmes geben, beantwortete Rasbach eine der zahlreichen Fragen aus dem Publikum, obwohl die Deutsche Forschungsgemeinschaft vor diesem Hintergrund ein weiteres Jahr genehmigt hatte. Es sei vielmehr nun sehr wichtig, die Funde der vergangenen zwölf Jahre sorgfältig zu dokumentieren und auszuwerten und so keine »Forschungsruine« zu hinterlassen.

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Artikel vom 01.02.2010 - 19.34 Uhr
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