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»Eine Kreuzfahrt machen wir nie wieder«

Artikel vom 18.01.2012 - 12.28 Uhr

»Eine Kreuzfahrt machen wir nie wieder«

Karben (pe). Für die 74-jährige Margaretha Dermann und ihren 77-jährigen Mann Johann war es die erste Kreuzfahrt – aber auch die letzte. Denn sie waren an Bord der »Costa Concordia«, jenem Kreuzfahrtschiff, das in der Nacht zu Samstag vor der toskanischen Insel Giglio auf einen Felsen gelaufen war und seitdem mit Schlagseite im Wasser liegt.

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Geld, Schmuck, Ausweise, die Kassenbelege der Schiffsrestauration und die Reiseunterlagen, das ist alles, was Margaretha und Johann Dermann bei sich hatten, als sie nach dem Unglück der »Costa Concordia« aus Italien nach Karben zurückkehrten. (Foto: Pegelow)
Bei dem Unglück kamen elf Menschen ums Leben, 29 werden noch vermisst. Die Karbener Senioren hatten das Glück, gerettet zu werden. Sie stehen noch immer unter Schock, müssen die Ereignisse erst verarbeiten. Aber eines ist für sie schon klar: »Eine Kreuzfahrt werden wir nicht mehr machen.«

Die einwöchige Reise begann schon mit einiger Verspätung, denn die Dermanns sollten am späten Freitagabend an der Tankstelle an der Gehspitze von einem Fahrzeug des Reiseunternehmens aus Kleinostheim aufgenommen werden. »Doch der Fahrer kam nicht«, berichtet das Ehepaar. »Die hatten uns vergessen.« Um 22.50 Uhr sollte es losgehen, um 23.30 Uhr rief Johann Dermann bei dem Unternehmen an. Der Fahrer sei um Mitternacht gekommen und habe sie mit einem Pkw bis nach Hockenheim gefahren; dort sind sie in den Bus umstiegen, der bis nach Savona gefahren ist, wo am nächsten Morgen die Einschiffung stattfand.

Den Dermanns fiel auf, dass es zwar ein »tolles Schiff« war mit schönen Kabinen und eleganten Restaurants, »aber es gab kaum Informationen« – eine Feststellung, die knapp eine Woche später noch unangenehmer auffallen sollte. »Wenn es Durchsagen gab, dann zuerst in Italienisch, danach auf Englisch, Spanisch, Russisch und zuletzt auf Deutsch.«

Die Fahrt verlief weitgehend planmäßig: Marseille sei zwar wegen eines Sturms nicht angesteuert worden, aber sonst sei das Meer weitgehend ruhig gewesen. Man sei vor Barcelona, Palma, Palermo und Rom vor Anker gegangen und habe Landausflüge unternommen, wobei man sehr viel gesehen habe.

Ein Cocktail nach dem Essen

Und dann kam der Freitagabend. »Wir hatten uns gerade zum Abendessen fertiggemacht und wollten noch etwas in den Tresor tun, doch dessen Tür ließ sich nicht mehr schließen. Da habe ich den Schmuck, das Geld und alle Ausweispapiere in eine Plastiktasche gepackt und sie mit in den Speisesaal genommen«, berichtet Margaretha Dermann. Nach dem Essen fuhr das Karbener Ehepaar auf Deck 5, um dort einen Cocktail zu trinken. Gegen 21.30 Uhr gingen sie wieder in ihre Kabine auf Deck 2. Johann Dermann berichtet, er habe noch einmal den Vorhang beiseite geschoben, »aber nur in die stockdunkle Nacht geblickt«.



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