Karben (jas). »Man meint gar nicht, dass schon wieder ein Jahr rum ist«, sagt die Kundin, verstaut das eben gekaufte Obst und Gemüse in ihrem Fahrradkorb und fährt davon. »Ja, die Zeit ist schnell vergangen«, bestätigt Marktmeister Hans Leitner. Vor fast genau einem Jahr - am 2. September 2009 - wurde erstmals auf dem Dallesplatz vor der evangelischen Kirche Wochenmarkt abgehalten.
Bereits seit Eröffnung des Groß-Karbener Wochenmarktes vor fast genau einem Jahr ist der Kloppenheimer Berthold Witzel dabei. (Foto: Stavenow)
Seitdem bauen regelmäßig jeden Mittwoch zwischen 8 und 12.30 Uhr fünf Beschicker ihre Stände und Wagen dort auf und versorgen die Groß-Karbener mit frischen Lebensmitteln wie Käse, Wurst, Geflügel, Obst und Gemüse.
Der Markt, der nach Schließung des Lebensmittelmarktes von Gisela und Fritz Clarius die Versorgungslücke im Stadtteil schließen sollte, hat sich etabliert.»Es ist ein netter Markt mit einer schönen Atmosphäre«, sagt Elke Weiß, die zusammen mit ihrer Kollegin Petra Weck Käsespezialitäten von Stefans Käseinsel aus Dortelweil verkauft. Eine ganze Reihe von Stammkunden habe sie bereits im vergangenen Jahr gewinnen können, aber »noch ein paar mehr« würde sie sich wünschen. »Es wäre schön, wenn der Markt stärker angenommen werden würde.«
Ähnliches ist auch am Stand gegenüber zu hören: »Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden, aber natürlich würde ich mir ein paar mehr Kunden wünschen. Der Umsatz könnte besser sein«, zieht Berthold Witzel nach einem Jahr Marktgeschehen Bilanz. Jede Woche verkauft der Kloppenheimer hier Gemüse, die Vielfalt ist groß: Karotten und Salate in allen Variationen liegen da zum Verkauf bereit, Rettiche und Brokkoli, Mairübchen und Kürbisse, Radicchio und Lauch. Auch Astern und Kräuter aus der eigenen Gärtnerei hat er mitgebracht.
Gleich neben ihm hat Frank Becker aus Ober-Rosbach seinen Platz. Ordentlich hat er Dosenwurst aufgestapelt. Presskopf, Schweinskopfsülze und Kalbsleberwurst hat er im Angebot. Doch das ist noch lange nicht alles, was Becker auf dem Dalles verkauft. Apfelsaft und Cidre aus Rosbach sowie Honig sind zu haben, Pfälzer Weine und Obstbrände sowie Rauchbier aus Bamberg. Über eine ganz besondere Dienstleistung des Rosbachers freut sich Luitgard Reinel aus Groß-Karben, eine derjenigen, die bereits zu den treuen Stammbesuchern des Marktes zählt. Sie hat gerade ihre kaputten Schuhe bei Becker abgegeben, denn auch einen Reparaturdienst bietet er an. »Ich habe ihn mal darauf angesprochen, dass so etwas fehlt, und seitdem nimmt er Schuhe an«, sagt die ältere Dame. Ausgesprochen gerne kommt sie mittwochs zum Dalles. »Hier kann ich in Ruhe gucken und kaufen. Der Markt ist sehr gut bestückt. Ich bekomme hier alles, was ich brauche. Wenn der Markt nicht wäre, müsste man ewig weit zum Einkaufen laufen. Wir haben hier ja nichts mehr, wir wohnen in der Diaspora.«
Dass vor allem ältere Leute, die keine weiten Wege zum Einkaufen zurücklegen können oder wollen, den Markt nutzen, berichtet auch die Vorsitzende der Karbener SPD, Christel Zobeley. »Der Markt bietet außerdem die Gelegenheit, sich zu treffen und miteinander zu reden. Das findet man in den anonymen Supermärkten nicht mehr.« Ebenfalls bereits seit Marktgründung bietet die Partei jeden dritten Mittwoch im Monat ein Frühstück auf dem Dalles an. »Das ist schon zur Tradition geworden«, sagt Zobeley. Das Jubiläum nahmen die Sozialdemokraten zum Anlass, sich nicht nur bei den Beschickern Berthold Witzel, Frank Becker, Gerhard Buxa, Stefan Hübner und Karlheinz Becker mit einem Piccolo-Fläschchen für ihre Treue zu bedanken, sondern auch Marktmeister Leitner ein Dankeschön auszusprechen und eine Flasche Rotwein zu überreichen. Seit 1. Februar kümmert er sich um den Markt, sperrt Straßen ab, stellt Werbeschilder auf, kassiert Gebühren und pflegt Kontakte mit Händlern und Kunden. Nach Verbesserungsmöglichkeiten gefragt, nennt Leitner sofort einen großen Wunsch: »Ein Fischstand wäre schön. Der fehlt noch«, sagt er.