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»Das Unwahrscheinliche ist möglich geworden«

Artikel vom 23.01.2012 - 10.20 Uhr

»Das Unwahrscheinliche ist möglich geworden«

Karben (sia). Nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima stand für viele Deutsche fest, dass dies das Ende des Atomzeitalters bedeuten werde. Doch die Energiewende stellt Deutschland vor eine neue Herausforderung.

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Dr. Hans Hansen erläutert die geologischen Verhältnisse vor Japan. (Foto: Schütz )
Mit diesem Thema beschäftigte sich Dr. Hans Hansen in seinem Multimediavortrag »Die Havarie von Fukushima und die Konsequenzen daraus für Deutschland« am Freitagabend im Bürgerzentrum. Die Veranstaltung war die erste dieses Jahres des örtlichen Naturschutzbundes (NABU).

Der promovierte Chemiker nahm sich Zeit, den Zuhörern das Thema verständlich und mithilfe einer Powerpoint-Präsentation nahezubringen. Nach einer Begriffserläuterung und der Erklärung der geologischen Verhältnisse vor Japan kam Hansen zur Katastrophe von Fukushima. Mit dem Erdbeben der Stärke 9 nahm am 11. März 2011 das Unglück seinen Lauf. Durch die Erschütterungen und den folgenden Tsunami fiel die elektrische Energieversorgung des Kernkraftwerks aus, sodass die Reaktorkerne und gelagerte Brennstäbe mangelhaft gekühlt wurden. Dies führte zu einer Unfallserie mit mehreren Kernschmelzen, bei der die Reaktorblöcke eins bis vier zerstört und erhebliche Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt wurden. Rund 19 000 Menschen fanden bei diesen Katastrophen den Tod, und der Versicherungsschaden betrug über 210 Milliarden Dollar. Die Aufräumarbeiten in der Atomruine
Fukushima werden voraussichtlich bis 2040 dauern.

Nach dieser Einführung machte Hansen einen großen Sprung zur politischen Lage in Deutschland. »Unsere Regierung hatte hart mit dem Thema gekämpft, aber jeder wusste, dass man politisch reagieren musste«, so Hansen. Laut der Versicherungsmathematik tritt ein solcher Supergau wie in Fuskushima alle 450 000 Jahre ein. Da aber in den vergangenen 25 Jahren allein drei Atomkraftwerke an den Rand gefahren worden seien, habe auch Umweltminister Norbert Röttgen gewusst, dass die Rechnung neu überdacht werden müsse. »Das Unwahrscheinliche ist möglich geworden«, meinte Röttgen. Hansen zitierte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die zur gleichen Zeit verkündete, dass Fukushima ihre Einstellung zur Kernkraftenergie grundlegend verändert habe.

Im Mai 2011 wurde der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland beschlossen. Sechs Atomkraftwerke wurden sofort abgeschaltet, die restlichen neun voraussichtlich bis 2022.

Hansen beschäftigte sich dann mit der Frage, wie die entstandene Stromlücke geschlossen werden könne. Dabei stützte er sich auf die Aussage »wenn wir gegen Atomkraft sind, dann brauchen wir effektive Alternativen«. Kohle- und Gaskraftwerke werden stärker herangezogen, und der Bau von erneuerbaren Energien wie Solar- oder Windkraftanlagen wird laut Statistik zukünftig zunehmen. Zurzeit fließe die Hälfte aller Fördergelder in Solarenergie. Dies sei unproportional viel und wenig effektiv, erklärte Hansen. Die Förderungsungleichheit sollte ausgeglichen werden. Anhand eines Schaubildes erklärte der Chemiker, wie der Energiemix im Jahr 2030 aussehen dürfte – dabei wird mit 24,6 Prozent der Windkraft der größte Anteil zugerechnet. »Mithilfe der Windenergie wird das meiste wieder reingeholt, was durch die Kernkraft verloren geht«, so Hansen.

Trotz seiner Begeisterung für diese Lösung räumte er auch Nachteile ein. »In Deutschland gibt es leider nicht immer Sonne oder Wind, darum stehen die Techniker zukünftig vor der Aufgabe, die Speicherungsmöglichkeit zu verbessern.« Als eine interessante Variante hierzu stellte Hansen Pumpspeicherkraftwerke in stillgelegten Bergwerken vor. Überschüssige Energie aus Windkraftanlagen könne dort gespeichert und später abgerufen werden. »Das ist eine wichtige Voraussetzung, um die Stromversorgung dauerhaft umzustellen.« Deutschland wird sich zwar an solchen Konzepte versuchen, aber aufgrund fehlender Bedingungen wenige Umsetzmöglichkeiten haben.

Während der anschließenden Diskussion wurden unterschiedliche Meinungen zu dem Thema erörtert. Es fiel auf, dass Mitglieder des NABU verschiedene Ansichten vertreten. »Windräder belasten sehr stark die Umwelt, und es gibt keine Ausgleichmaßnahmen«, betonte etwa NABU-Vorsitzender Dr. Jürgen Becker. Geplant sei ein Vortrag mit der Vogelschutzwarte, um das Thema »Windräder und Vogelschlag« aufzugreifen.

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Artikel vom 23.01.2012 - 10.20 Uhr
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