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Vortrag in Hungen übers Kleinkastell Inheiden

Artikel vom 24.08.2010 - 13.00 Uhr

Vortrag in Hungen übers Kleinkastell Inheiden

Hungen (dv). Zu einem Vortrag über das Limeskastell Inheiden hatten die Limesfreunde Hungen am Freitag den Fachmann Manfred Blechschmidt engagiert. Präsidiumsmitglied Klaus Petersen begrüßte den Gast und die etwa 30 interessierten Zuhörer.
M. Blechschmidt
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M. Blechschmidt
Blechschmidt informierte zunächst über die Entstehung des Limes. Nach der Niederlage im Teutoburger Wald hatten die Römer mit dem Aufbau dieser Verteidigungslinie begonnen.

Es folgten die ersten Grenzposten, Wachtürmen und Pfahlbefestigung. Ein Graben kam dazu. Zuletzt existierten nach gegenwärtigen Erkenntnissen nur noch Wall und Graben. Die Linie wurde in Abständen mit Kastellen bestückt zwischen denen noch Kleinkastelle entstanden. Eines in Hungen am Feldheimer Wald, das mit cirka 800 Quadratmetern doppelt so groß war wie üblich. Das Inheidener Kastell wurde 1964 beim Bau der ersten Fernwasserleitung angeschnitten. Zwischen den Erdarbeiten wurden Funden gesammelt und Dias zur Dokumentation angefertigt. Dass der Standort eine besondere Bedeutung hatte, schloss man auch daraus, das unter der Kastellmauer Fundstellen aus der Jungsteinzeit entdeckt wurden.

Beim Bau der zweiten Fernwasserleitung 1972 befasste sich Blechschmidt als ehrenamtlicher archäologischer Denkmalpfleger intensiv mit der Erforschung des Inheidener Kastells. Noch gab es kein Denkmalschutzgesetz, erinnert sich Blechschmidt. So habe man ständig unter Druck gestanden, denn die Bauarbeiten sollen weitergehen. Interessierte Helfer aus Inheiden waren also willkommen. Zu ihnen gehörte auch Walter Schauß, der auf einigen alten Bildern zu sehen war. Er war auch Lehrer von Blechschmidt. Mit den Funden war vieles zu rekonstruieren, ebenso viel ist aber nur zu vermuten. Das Inheidener Kastell dürfte etwa 160 Mann Besatzung gehabt haben. Häuserresten außerhalb lassen darauf schließen, dass eine Siedlung vorgelagert war. Ein Hausschlüssel wurde gefunden, viele Bruchstücke von Bandkeramik und Fundstücke germanischen Ursprungs deuten auf einen kleinen Handelsplatz hin. Verzierungen und Töpferstempel ermöglichten die Herkunftsbestimmung. Eine Art plastischer Stempel in einem Fußabdruck weist auf die Zugehörigkeit der Besatzung zum Legionslager Mainz hin.

Die baulichen Freigrabungen wurden dokumentiert, die Funde lagern in Kisten in Gießen. Sie sollen im zukünftigen Limesinformationszentrum auf Hof Graß ihren Platz finden. Hier hatte erst kürzlich eine Exkursion des Denkmalsbeirats stattgefunden. Hungens Erster Stadtrat Herbert Engel machte dazu noch einige Ausführungen.

Oft hilft der Zufall den Archäologen. Mit Luftaufnahmen sind schon manche Standorte und Überreste entdeckt worden. Zu gewissen Vegetationszeiten lassen sie durch den unterschiedlichen Bewuchs alte Mauerreste erkennen.

Ein weiterer Fortschritt war vor etwa zehn Jahren die geomagnetische Prospektion. Damit ist durch die Veränderung der Magnetwellen das Erkennen unterirdischer Gemäuer möglich. Auch die genaue Lage des Kleinkastells Feldheimer Wald wurde so bestimmt. Problematisch ist diese Methode lediglich bei flachgründigen Böden auf Basalt.

Das Limesinformationszentrum soll künftig dazu beitragen, die Erkenntnisse über den römischen Grenzwall in die Breite zu tragen. Das Konzept dafür wird die Denkmalpflege erarbeiten, die Limesfreunde Hungen werden sich mit Betreuung und Führungen einbringen können, und das benachbarte Inheidener Kastell soll dabei auch berücksichtigt werden. (Foto: dv)

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