Sogar sibirische Rothalsgans überwinterte in der Horloffaue
Hungen (pm). Bei Hungen-Utphe fand ein Arbeitseinsatz von NABU und HGON statt, bei dem der Krötenzaun an der Straße zwischen dem Buchwald und dem Naturschutzgebiet Horloffaue aufgestellt wurde. Wenn es in den nächsten Tagen warm wird und regnet, beginnen wieder die Massenwanderungen der Amphibien.
Lukas Richter hilft mit beim Aufstellen des Krötenzauns. (Foto: pm)
Im vergangenen Jahr konnten zahlreiche Berg- und Teichmolche, Wechselkröten und Laubfrösche vor dem Überfahren gerettet werden.
Im benachbarten Wasservogelparadies, der Horloffaue, die zur Zeit großräumig überschwemmt ist, sind am vergangenen Donnerstag die ersten beiden Weißstörche eingetroffen, die vermutlich in Spanien überwintert hatten. Anhand der Ringe konnte ermittelt werden, dass es sich um ein Paar handelte, dass bereits im letzten Jahr im Gebiet brütete. Besonderheiten im vergangenen Winter waren zahlreiche Sumpfohreulen und Raufußbussarde, die in Hessen überwinterten. Normalerweise halten sie ich weiter im Norden auf, aber durch große Schneemengen wurden diese Vogelarten im Februar gezwungen, weiter nach Süden auszuweichen.
Als ornithologische Sensation gilt der mehrwöchige Aufenthalt einer sibirischen Rothalsgans, die sich zwei Monate lang zusammen mit 50 Bläßgänsen und 500 Saatgänsen aufhielt und in den letzten Tagen mit den großen Gänsescharen nach Norden aufbrach. Rothalsgänse überwintern zu Tausenden an der bulgarischen und rumänischen Schwarzmeerküste. An der Nordseeküste, speziell in den Niederlanden, werden in manchen Jahren einzelne Rothalsgänse beobachtet. Bei dem Exemplar in der Horlofffaue handelt es sich um den ersten Nachweis in Hessen, nachdem im Jahr 1974 letztmals ein Tier im hessischen Ried festgestellt wurde.
Dass sich die Horloffsenke als Element des Auenverbunds Wetterau zu einem Magnet für Wasservögel entwickeln konnte, ist Erhard Thörner zu verdanken, der sich über 30 Jahre lang mit großem persönlichem Einsatz für die heimische Natur verdient gemacht hat. Er kaufte zahlreiche Gebiete an, ließ sie als Naturschutzgebiete ausweisen und durch Gestaltungsmaßnahmen wie Anlage von Flachwasserzonen und Wiedervernässung aufwerten.
Hierdurch hat sich ein Feuchtgebiet entwickelt, das neben dem hessischen Ried bei Darmstadt, dem Bingenheimer Ried und der Niddaaue bei Echzell sowie dem Rhäden in der Werraaue bei Heringen zu den herausragenden Wasservogelschutzgebieten Hessens zählt, die nicht nur zahlreiche Vögel, sondern auch Beobachter von weit her anziehen.