Artikel vom
17.06.2009 - 23.00 Uhr
Manfred Paul befürchtet Sozialneid-Debatte
Gießen/Hungen (no). Gar nicht angetan sind die heimischen Landwirte davon, dass die Bundesregierung im Internet eine Liste von Empfängern der EU-Agrarsubventionen veröffentlicht hat - eine Vorgabe der EU, die in England oder auch Frankreich schon seit Jahren umgesetzt wird und die für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen soll
(Siehe gestrige Ausgabe, Seite 2: »Millionen für Großfirmen«). Manfred Paul, Vorsitzender des Bauernverbandes Gießen-Wetzlar, der mit seiner und seines Sohnes Familie in Villingen bei Hungen einen Aussiedlerhof bewirtschaftet, Schwerpunkte Schweinemast und Getreideanbau, befürchtet vor allem Sozialneid, den die nackten Zahlen hervorrufen könnten.
Aber auch grundsätzlich sei der Landwirtschaft wenig gedient damit, blieben die Zahlen gegenüber Dritten unkommentiert. Die Leute meinten sonst womöglich, das sei ein Zuschuss, der den Bauern mal eben das Leben versüßen solle.
Umgekehrt räumt Bauern-Funktionär Paul ein: Es werde nichts preisgegeben, was man nicht wissen könnte. So bewirtschafteten er und sein Sohn 200 Hektar Land, für die je 300 Hektar Beihilfe gezahlt würden. Exakt, nachzulesen im Internet unter der Adresse www.agrar-fischerei-zahlungen.de: Für die »Paul GbR« steht da für 2008 der Betrag von genau 60 813 Euro. Ohne diesen Ausgleich hätte er den Hof längst aufgeben müssen: »Für 16 bis 18 Euro pro Doppelzentner kann ich keinen Weizen produzieren.«