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Knochenfund am Grasser Berg deutet doch nicht auf Mord hin

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Artikel vom 28.04.2014 - 11.18 Uhr

Knochenfund am Grasser Berg deutet doch nicht auf Mord hin

Hungen (dv). »(K)ein Mord am Grasser Berg?« lautete der Titel eines Vortrags von Johanna Kranzbühler im Veranstaltungsraum von Hof Grass. Eingeladen hatte der Hungener Verein der Limesfreunde. Etwa 30 Interessierte waren gekommen. Die Fundstelle wurde 2008 entdeckt, und 2012 begannen die Grabungen.

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Johanna Kranzbühler
© Dietmar Vick
In der ersten Hessischen Sommerakademie wurde dabei auch international gearbeitet. Die alte Salierburg zwischen Hungen und Hof Grass mit Wohnturm und Kirche war Anfang des 14. Jahrhunderts erstmals schriftlich erwähnt worden, sogar mit dem Namen eines Pfarrers.

An verschiedenen Stellen im Kirchenbereich fand man auch Skelette. Sie wurden neben den archäologischen Grabungen gesondert untersucht, womit Johanna Kranzbühler beauftragt wurde. Sie hatte von 2001 bis 2007 in Mainz Anthropologie, Ethnologie sowie Vor- und Frühgeschichte studiert. Seit dem Jahr 2010 ist sie Lehrbeauftragte an der Philipps-Universität Marburg.

Erstaunlich, was noch erkennbar ist

Nach einer Einführung über die Gesamtausgrabung widmete sich die Referentin den einzelnen Skelettfunden, die an sieben verschiedenen Stellen entdeckt worden waren. Kranzbühler hatte akribisch jeden Fund untersucht und die einzelnen Knochen sortiert, was sie an der Leinwand dokumentierte. Zu jedem Skelett gab sie detaillierte Aussagen, was an Besonderheiten gefunden wurde und um welche Person es sich gehandelt haben könnte. Es sei schon erstaunlich, was dabei heute noch feststellbar sei: Geschlecht, Alter, Zähne oder Krankheiten, die bei fast allen erkennbar gewesen seien, erklärte die Referentin. Im Fall zweier Kleinkinder hatte Kranzbühler sogar die Erde in Eimern abgetragen und im Labor ausgeschlemmt, wodurch kleinste Knöchelchen freigelegt wurden.

Schaden durch frühere Grabung?

Mit der letzten Beschreibung kam die Referentin zum Titel des Abends: Ein Schädel wies im Hinterkopf ein relativ großes Loch auf, was zunächst zu der Vermutung geführt hatte, es handele sich um einen Mord. Dies hatte sich jedoch bei näherer Betrachtung nicht bestätigt.

Bei einer Beschädigung mit einem stumpfen Gegenstand von außen hätten sich strahlenförmige Risse in der Umgebung zeigen müssen. Außerdem hätte das Loch sich nach innen erweiternde Bruchränder gezeigt. Es waren aber keine Risse in der Schädeldecke vorhanden, und die Bruchränder erweiterten sich im Gegenteil nach außen. Es wird nun vermutet, dass der Schädel bei früheren Laiengrabungen von einer Spitzhacke oder ähnlichem beschädigt wurde.

Noch sind nicht alle Analysen abgeschlossen. Es fehlt etwas an Mitteln, so dass Kranzbühler zum Abschluss einen Spendenaufruf machte: Unter dem Verwendungszweck »Knochen Grasser Berg« kann bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf über das Konto mit der Nummer 18 00 20 00 (Bankleitzahl 53 35 00 00) geholfen werden.

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