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Fachleute begleiten jeden Eingriff in die Gemäuer

Artikel vom 09.10.2009 - 19.00 Uhr

Fachleute begleiten jeden Eingriff in die Gemäuer

Hungen (pm). Wenn Archäologen von einer »kontrollierten Zerstörung« sprechen, hört sich dieses Vorgehen schlimmer an, als es in Wirklichkeit ist - so wie derzeit auf Hof Grass bei Hungen.
Hier blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Das Herrenhaus wurde vollständig entkernt.
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Hier blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Das Herrenhaus wurde vollständig entkernt.
Hungen (pm). Wenn Archäologen von einer »kontrollierten Zerstörung« sprechen, hört sich dieses Vorgehen schlimmer an, als es in Wirklichkeit ist. Ganz im Gegenteil: »Sie dokumentieren, fotografieren und interpretieren«, kommentiert Barbara Steuernagel von der Unteren Denkmalschutzbehörde die derzeitigen Vorgänge auf Hof Grass bei Hungen. Nichts, was hier in Kürze von neuer Bausubstanz überdeckt oder gar bei Seite geschafft wird, geht der Nachwelt verloren; jeden Eingriff in die alten Gemäuer begleiten die beauftragten Fachleute vielmehr mit Argusaugen.

So will es eine Auflage des Landesamtes für Denkmalpflege. »Wir sehen das keinesfalls als Behinderung«, sagt Peter Hög, bei der OVAG zuständig für das Projekt Hof Grass. »Mit diesem alten Hofgut können wir vorbildlich beweisen, dass sich Wasser-, Natur- und Denkmalschutz sowie Landwirtschaft tatsächlich harmonisch vereinbaren lassen«, spricht der kommunale Energieversorger diesem Vorhaben große Bedeutung zu.

Vor sieben Jahren hat die OVAG Hof Grass erworben. Hintergrund: In der Nähe befindet sich ihr Wasserwerk Inheiden, was wiederum bedeutet, dass der landwirtschaftliche Betrieb um Hof Grass Umweltauflagen ausgesetzt war, welche der Wasserversorger finanziell auszugleichen hatte. »So entschieden wir uns damals für den Kauf, stellten um auf extensive Landwirtschaft und sind aufgrund unseres Naturschutzkonzeptes in der Lage, seit mehreren Jahren Öko-Punkte anzubieten«, erläutert Peter Hög.

Da die Gebäude auf Hof Grass teilweise in einem bemitleidenswerten, einem maroden Zustand waren, entschloss sich die OVAG zur Restauration, was wiederum den Einsatz der Archäologen nach sich zog. Vorgesehen sind hier dereinst unter anderem Büros, ein Versammlungsraum, Eigentumswohnungen sowie eine Dependance des Limes-Informationszentrums. Rund 4,5 Millionen Euro investiert die OVAG in dieses Projekt, wobei die Erschließungskosten nicht eingerechnet sind.

Mit teilweise bis zu sechs Kollegen wirft Uwe Schneider von der Wissenschaftlichen Baugrundarchäologie (Marburg) nun seit August einen tiefen Blick in die Geschichte dieser Region. »Die erste Erwähnung von Hof Grass finden wir im 13. Jahrhundert. Ziel unserer Untersuchungen ist unter anderem, die vorgefundenen Siedlungsstrukturen zeitlich einzuordnen«, erklärt Schneider beim Gang zum ehemaligen, mittlerweile skelettierten Herrenhaus. Schneider klettert hinab in das so genannte Tonnengewölbe, welches erhalten bleiben soll. Er deutet auf verschiedene Mauerzüge, auf eine freigelegte Pflasterung aus Basalt, die auf Grund der fehlenden Funde bisher nicht datiert werden konnte. »Eine Anzahl von Mauerzügen, deren Zusammenhänge mühsam erschlossen werden müssen«, urteilt er. Was bedeutet, dass sich mehrere Generationen in einem Zeitraum von über 600 Jahren hier immer wieder neu und so eingerichtet haben, wie es ihnen zu pass kam oder wie es ihre Lebensbedingungen erforderten.



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Artikel vom 09.10.2009 - 19.00 Uhr
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