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Eltern beklagen ständigen Personalwechsel im Waldkindergarten

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Artikel vom 17.03.2016 - 14.12 Uhr

Eltern beklagen ständigen Personalwechsel im Waldkindergarten

Hungen (ti). Mangelnde Transparenz bei wichtigen Entscheidungen, ständiger Personalwechsel und die darunter leidende Projektarbeit – im Hungener Waldkindergarten läuft in den Augen der Eltern seit geraumer Zeit einiges nicht so, wie es sollte. Bei der Stadt, Trägerin der Einrichtung, hat man Verständnis, ist allerdings davon überzeugt, alles richtig zu machen.

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Erste Vorbereitungen für die Bepflanzung der Hochbeete im Waldkindergarten. Doch durch ständigen Personalwechsel leidet in den Augen der Eltern die Projektarbeit. (Foto: ti)
© Tina Jung
Nach der Gründung im März 2014 war laut Eltern-Sprecherin Annika Gonther zunächst »alles super«. Die Erzieherinnen hätten das pädagogische Konzept »toll umgesetzt« und eine »qualitativ hochwertige Arbeit gemacht«. Doch schon im Winter sei es aufgrund von Krankheitsfällen zu ersten personellen Engpässen gekommen, Kräfte aus anderen städtischen Kindergärten sprangen ein. Nachdem sich die Lage im Sommer 2015 zunächst wieder entspannte, hätten sich die Eltern Ende vergangenen Jahres zwei Kündigungen gegenüber gesehen, darunter die einer Waldkindergarten-Mitbegründerin, die für die Mädchen und Jungen eine »tragende Säule« gewesen sei.

Die Stadt sorgte für Ersatz, doch der wird – krankheitsbedingt – mittlerweile schon wieder von einer anderen Erzieherin vertreten, für die wiederum zwischenzeitlich eine dritte, neue Kraft kam. »Diese ständigen Wechsel führen zu großer Unruhe und Unsicherheit in der Gruppe«, sagt die Elternsprecherin. Doch für die Kinder seien Vertrauenspersonen von großer Bedeutung. »Sie sind den ganzen Tag draußen und brauchen jemanden, von dem sie wissen, dass er die Kinder runterholt, wenn sie im Baum festhängen«, nennt die Mutter ein Beispiel. Einige Kinder hätten mit den ständig wechselnden Ansprechpartnern große Probleme, verweigerten sogar den Gang in den Kindergarten. Darüber hinaus sei eine konstante pädagogische Arbeit mit ständig wechselden Erzieherinnen nur begrenzt möglich.

Gespräch ja, große Runde nein

Bürgermeister Rainer Wengorsch hat dafür Verständnis. »Es ist schlecht, wenn Personal fluktuiert, aber es liegt hier kein Verschulden unsererseits vor.« Mit Krankheiten oder Schwangerschaften gelte es umzugehen. Was Letzteres und die Entscheidung, längerfristig eine andere Fachkraft einzustellen, angeht, sei die Stadt an Fakten gebunden. Solange eine werdende Mutter nicht erklärt habe, wie sie die Elternzeit zu gestalten gedenkt, seien der Kommune die Hände gebunden. Doch die hohe Personalfluktuation ist nicht der einzige Kritikpunkt der Eltern Auch die Art, »wie die Stadt Löcher stopft«, missfällt ihnen. »Es werden Erzieherinnen aus den Regel-Kitas eingesetzt, anstatt nach externen Fachkräften zu schauen«, sagt Gonther. Die »Zwangsversetzten« hätten aber häufig keinen Bezug zur Outdoor-Pädagogik, der ein völlig anderes Konzept zugrunde liege. Und es fehle ihnen an einer entsprechenden Ausbildung.

Auch diesbezüglich glaubt man bei der Stadt, alles Mögliche getan zu haben. »Wir suchen nach Outdoor-Pädagogen, auch über regelmäßige Ausschreibungen. Aber die sind eben nicht an jeder Ecke zu finden«, so Wengorsch. Zudem würden Erzieherinnen aus den Regel-Kitas nicht verpflichtet, im Waldkindergarten auszuhelfen. Man achte darauf, »dass es passt«. Darüber hinaus soll Mitte August eine Anerkennungspraktikantin auf dem Gelände am Hungener Ortsrand ihre Arbeit aufnehmen, »die sehr großes Interesse« an der Outdoor-Pädagogik zeige. Das sei den Eltern auch kommuniziert worden.

Kommunikation allerdings ist etwas, das Annika Gonther und andere Eltern bemängeln. Vor allem was wichtige Personalfragen angehe, würden sie sich mehr Transparenz wünschen. Zwecks Problemlösung hatten sie Anfang Februar alle Bedenken schriftlich geäußert und um ein Gespräch in »großer Runde« (Erzieherinnen, Eltern, Verwaltung, Fraktionsvorsitzende, Fachaufsicht) gebeten. Doch seitens der Verwaltung erhielt man ein umfangreiches Schreiben – eine differenzierte Auflistung, welche Erzieherinnen wann mit wie vielen Wochenstunden im Waldkindergarten eingesetzt waren bzw. sind. Fazit: Die Trägerin stellt mehr als die gesetzlich geforderten Fachkraftstunden zur Verfügung und gewährleistet so das Betreuungsangebot. Für den Bürgermeister hat dies absolute Priorität. Denn die Alternative wäre eine Schließung des Kindergartens in Krankheitsfällen und das könne in seinen Augen nicht im Interesse der Eltern sein.

Was den Runden Tisch angeht, verweist Wengorsch darauf, dass Personalentscheidungen Angelegenheit des Magistrates seien und er interne Informationen gar nicht an Eltern oder Fraktionsvorsitzende weitergeben dürfe. Für ein Gespräch im kleinen Kreis (Kita-Leitung und Elternbeirat) stünden seine Türen aber jederzeit offen.

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Artikel vom 17.03.2016 - 14.12 Uhr
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