»Die Amigos«: Treu zu den Fans und zum deutschen Schlager
Hungen (tr). Seit vier Jahrzehnten machen die »Amigos«, die Brüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich aus Villingen, Musik. Der Rückblick auf diese Zeit fällt zweigeteilt aus. Da sind die ersten 36 Jahre , in denen die Brüder in der Region auftraten. Und da ist der nahezug kometenhafte Aufstieg vor nunmehr bald fünf Jahren.
Karl-Heinz (l.) und Bernd Ulrich. (Foto: Manfred Esser)
Praktisch über Nacht eroberten die »Amigos« mit ihren Schlagern die deutschen Hitparaden. Über vier Millionen Tonträger haben die beiden inzwischen verkauft.
Der Weg ganz nach oben war lang. Es hat sich ausgezahlt, dass sich Bernd und Karl-Heinz Ulrich nie haben beirren lassen. Obwohl der deutsche Schlager lange keinen guten Ruf hatte, sind die Villinger sich und ihrer Musik treu geblieben. Außerdem haben sie eine stabile Basis: einen treuen Stamm von Fans, auf die sie immer zählen konnten.
Ihre Begeisterung für die Musik haben die beiden Brüder schon im zarten Kindesalter entdeckt. Der Großvater spielte für die drei und fünf Jahre alten Buben Akkordeon und sang mit ihnen Lieder, die sie schon bald auswendig konnten. Von da an ließ sie die Musik nicht mehr los. Ihr größter Wunsch war es, selbst Musik zu machen. Doch damit mussten sie eine Weile warten - bis Karl-Heinz von den Eltern zur Konfirmation seine erste Gitarre bekam. Für dieses Instrument hatte er sich entschieden, weil er dazu singen konnte. Bernd wählte aus den gleichen Gründen zwei Jahre später das Schlagzeug. Dabei hätten es die Eltern lieber gesehen, wenn er Saxophon gelernt hätte. Doch das kam für die Brüder nicht in Frage, sie wollten ja singen!
Noch heute erinnert sich Bernd, wie er damals mit seiner Mutter nach Gießen fuhr, um das Schlagzeug zu kaufen. Er hatte es immer im Schaufenster gesehen - der Glanz der Becken hatte es ihm angetan. Weil der Händler das Schlagzeug erst zwei Wochen später nach Villingen hätte bringen könne, schleppten Bernd, die Mutter und der Geschäftsinhaber die Einzelteile zum Gießener Bahnhof. Mit dem Zug und dem Bus ging es dann nach Villingen. Dort wurde das ersehnte Instrument mit dem Handkarren nach Hause gebracht. Und dort übten die künftigen »Amigos« in den Folgejahren. Doch erst einmal stand die Berufsausbildung an.
Karl-Heinz lernte Maurer, Bernd wurde Brauer bei der Licher Brauerei. Auf Vermittlung des damaligen Villinger Zahnarztes Lothar Illmann hatten die Brüder in Gießen ihren ersten öffentlichen Auftritt. Illmann gab ihnen den Namen »River Boys«, schließlich wohnten sie »an der Villinger Bach«. Auftritte in Nachbarorten folgten. Eine Pause legten die beiden gezwungenermaßen ein, nachdem sich Karl-Heinz für zwei Jahre zur Bundeswehr verpflichtet hatte. In dieser Zeit spielte Bernd gelegentlich im Jugendblasorchester und zog mit diesem von Kirmes zur Kirmes. Ein kurzes Intermezzo gab er auch in der Gruppe »Horlofftal« in seinem Heimatort. Danach spielte er bei den damals schon angesagten »Oberkrainern« - Rudi Lang hatte ihn dazu animiert. Später stieß auch Karl-Heinz dazu. Aber es dauerte nicht lange, und die beiden verließen die Gruppe, um etwas Eigenes zu machen. Zu ihnen gesellte sich Günther Zimmer, der zunächst Bass spielte, dann aber auf die Orgel umstieg -schließlich hatte er schon der Klein-Eichener Kirche gespielt.