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Bellersheimer Burgen mit einer wechselvollen Geschichte

Artikel vom 11.04.2010 - 17.00 Uhr

Bellersheimer Burgen mit einer wechselvollen Geschichte

Hungen (pm). Im jüngsten »Erzählcafé« im Kulturzentrum Hungen berichtete – wie der AZ geschrieben wird – Ria Mühling, unterstützt von Ehemann Karl-Heinz Mühling, über die Geschichte der Bellersheimer Burgen. Dereinst gab es dort eine Unter-, eine Mittel- und auch noch eine Oberburg.
Die Bellersheimer Mittelburg. 	(Foto: pm)
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Die Bellersheimer Mittelburg. (Foto: pm)
Das Interesse der Mühlings an den historischen Gemäuern ist verständlich, ein Urahn der Familie, Urias Hahn, hatte anno 1833 die Unterburg mit dem dazugehörigen Land von der Gemeinde Bellersheim gekauft. An Gebäuden waren da freilich nur noch Scheunen und Ställe vorhanden.

Auf zwei noch vorhandenen Gewölbekellern eines vor langer Zeit zerstörten Hauses mit der Jahreszahl 1593 baute Urian Hahn vor rund 170 Jahren das Wohnhaus wieder auf. 1939 erbte der Vater von Karl-Heinz Mühling den Hof, der bis heute von der Familie bewohnt und von Sohn Hans-Martin bewirtschaftet wird. Eine vollständig erhaltene hohe Mauer mit Schießscharten umgibt den Hof, erinnert an wehrhafte Zeiten, schreibt Ingrid Meybohm, Organisatorin des »Erzählcafés« über den jüngsten Vortrag. Und weiter: 1588 hatte Quirin von Riedesel alle drei Bellersheimer Burgen erstanden. Sein Wappen ist heute noch in der Scheune der Oberburg aus dem Jahr 1588 erhalten, ferner über der Eingangstür der Mittelburg (1590) und in der Unterburg aus dem Torbogen der Scheune gerettet (Jahreszahl 1599). Die Unterburg wechselte mehrmals den Besitzer, die Familie Riedesel starb aus, es folgte ein Herr von Waldeck. 1671 kaufte Graf Degenfeld-Schonburg die Unterburg. Im Besitz der Familie Mühling ist ein Bild des Grafen mit dem lateinischen Text folgenden Inhaltes: »Der vornehme und adlige Bannerträger in Hohen-Eybach, Durnan, Neuhaus, Staufeneck des mächtigen Königs der Preußen, hoher Beamter, der einst im Fürstentum Neuenburg (heute Neuchatel/Schweiz) und der Grafschaft Valangia (heute Valengin/Schweiz) eine hohe Stellung inne hatte und den Rang eines geheimen Kriegsrates bekleidete. Er war Ritter der Reitertruppe des Großordens vom schwarzen Adler. Geboren am 6. Mai 1689, gestorben am 16. August 1762« (Preußen hatte damals diese Gebiete besetzt).

Mittelburg 1380/90 im gotischen Stil erbaut

Die größte der drei Bellersheimer Burgen war die Mittelburg; 1380/90 war sie von Henne von Bellersheim im gotischen Stil erbaut worden. Sie war von einem Wassergraben mit Zugbrücke umgeben. Ein großes Tor wurde zum Schutz der Bewohner um 7 Uhr abends geschlossen. Zur Mittelburg gehörten zwei Wohnhäuser und eine große Scheune, von der nurmehr Grundmauern und Keller noch heute im Gartenbereich zu finden sind. In der Mitte des Hofes stand ein Ziehbrunnen mit einem steinernen Überbau, eingemeißelt die Zahl 1515.

Fruchtbare Böden schon immer begehrt

Die Herren von Bellersheim waren ein in der Wetterau weit verbreitetes, begütertes Geschlecht, Vasallen von Arnsburg-Münzenberg. Das Standbild des Johann Daniel von Bellersheim, gestorben 1603, ist in der Kirche von Münzenberg zu sehen. Eine erste urkundliche Erwähnung fand man in Urkunden des Kloster Lorch, ein Nantherus von Baldratesheim schenkte anno 769 dem Kloster Land.

Die fruchtbaren Böden der Wetterau, so war im »Erzählcafé« weiter zu vernehmen, waren schon immer begehrt, selbst die Römer errichteten einen großen Gutshof auf dem Gebiet der Gemeinde, die Alteburg. Steine des Hofes wurden in Häusern der Einwohner wieder verwendet. Man vermutet, dass ein Fensterkreuz der Mittelburg daher stammt. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wohnten keine adligen Familien mehr in Bellersheim. Die Höfe waren verpachtet.

Mit Zugbrücke und Wassergraben



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Artikel vom 11.04.2010 - 17.00 Uhr
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