Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Kreis » Städte und Gemeinden » Hüttenberg »

Rhythmus statt Ritalin: Therapie mit dem Medikament Musik

Artikel vom 29.12.2009 - 16.03 Uhr

Rhythmus statt Ritalin: Therapie mit dem Medikament Musik

Viele Kinder mit Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefiziten, Verständigungsschwierigkeiten und Problemen in der Schule besäßen oft eine »Störung der auditiven Wahrnehmungsverarbeitung«, so der Arzt aus Hochelheim. Diese Verarbeitungsstörung bei der Wahrnehmung verschiedener Geräusche werde bedingt durch eine massive Überflutung des Organismus mit akustischen Reizen, verursacht von einem unausgewogenen Verhältnis zwischen Sympathikus (Anspannung) und Parasympathikus (Entspannung) innerhalb des autonomen Nervensystems. Genau an dieser Stelle setze die Methode der audiovisuellen Wahrnehmungsförderung ein, da sie es ermögliche, wieder ein »Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus«, also zwischen Erregung und Anspannung auf der einen, sowie Erholung und Entspannung auf der anderen Seite, herzustellen, erklärte Volk. Es gebe in unserem Umfeld, beispielsweise in einem Klassenzimmer, eine Vielzahl niederfrequenter Geräusche, die die höherfrequente menschliche Stimme, zum Beispiel die des Lehrers, überdecken können. Das ausgeglichene Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus im Verbund mit dem Vagusnerv und der Mittelohrmuskulatur ist verantwortlich dafür, dass die Lautstärke der niederfrequenten Geräusche zum Innenohr gedämpft wird und das Gehirn »Störgeräusche ausblenden« kann, so der Kinderarzt weiter. Auf diese Weise sei eine Konzentration auf konkrete Aufgaben möglich.

Gelingt dieses Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus nicht, ist der Organismus einer Überflutung mit akustischen Reizen ausgesetzt, und das Nervensystem befindet sich im »Dauerstress«. Die Folge sind Störungen der Sprachentwicklung und des Sprachverständnisses sowie Konzentrations- und Lernprobleme.

Frequenzmodulierte Schallwellen erzeugen ein »Gefühl höchster Sicherheit«

Die Behandlungsmethode der AVWF stimuliere mit ihrer schallmodulierten Musik über einen Innenohrmuskel das autonome Nervensystem. Über den Vagusnerv im Inneren des Ohres wirkten die frequenzmodulierten Schallwellen auf Sympathikus und Parasympathikus und erzeugten ein »Gefühl höchster Sicherheit«, wie der Mediziner erläuterte. Das Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung werde harmonisiert und gestatte eine »ungestörtere Konzentration auf konkrete Aufgaben«. Die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit verbessere sich spürbar, so Volk. Die Behandlung beschreibt der Kinderarzt als sehr unkompliziert. Da die in die Musik eingearbeiteten frequenzmodulierten Schallwellen ausschlaggebend für den Erfolg seien, könnten die Patienten frei zwischen verschiedenen Musikarten - Klassik, Pop, Rock oder Kinderlieder - wählen. Auch die mit dem Musikhören verbundenen Tätigkeiten sind weitgehend frei kombinierbar: So könnten die Patienten dabei lesen oder Hausaufgaben machen, am Laptop arbeiten oder schlafen. Wichtig sei, dass die zeitliche Abfolge, in der die Musik gehört wird, eingehalten werde, so Volk.

Die gesamte Maßnahme umfasse zehn Stunden innerhalb von maximal drei Wochen. Dabei müssten die Patienten immer eine Stunde am Stück die schallmodulierte Musik hören und dann eine mindestens vierstündige Pause einlegen. In seiner Praxis stellt Volk seinen Patienten verschiedene Räume zur Verfügung, in denen sie mittels Kopfhörern der von ihnen gewählten Musik lauschen können. Der Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin betonte, dass die Behandlungsform nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen angewendet werden könne. Das Ziel der AVWF, ein »Gleichgewicht zwischen Erregungs- und Erholungszuständen« herzustellen, nütze auch Spitzensportlern und Menschen, die an Schlafstörungen litten. Laut Volk handhaben die Krankenkassen eine Übernahme der Kosten unterschiedlich.



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 29.12.2009 - 16.03 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang