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Jeder Stein ein Schicksal

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Artikel vom 05.01.2016 - 14.17 Uhr

Jeder Stein ein Schicksal

Heuchelheim (so). Der Künstler Gunter Demnig wird am 9. Juli dieses Jahres in Heuchelheim Stolpersteine verlegen in Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus am unteren Bieberbach.

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Stolpersteine – eine jede Platte, ein jeder Name steht für ein Schicksal. (Foto: dpa)
© DPA Deutsche Presseagentur
In der Weihnachtswoche hat die »Stiftung Stolpersteine« in Köln diesen Termin bestätigt für das Verlegen von zwölf Steinen an fünf Stellen in der Wilhelmstraße und in der Kinzenbacher Straße, der Bachstraße und der Gießener Straße. Erwartet werden zu diesem Anlass aus Israel auch Angehörige der Familie Süßkind. Das teilte Pfarrerin Cornelia Weber von der Martinsgemeinde auf Anfrage mit. Mitgliedern ihrer Kirchengemeinde, aber eben auch ihr persönlich war und ist das Erinnern ein besonderes Anliegen.

Den Weg frei gemacht für das öffentliche Gedenken hat letztlich die Kommunalpolitik mit einer einmütigen Entscheidung im zurückliegenden Sommer. Seinerzeit beschloss die Gemeindevertretung, dem Verlegen von Stolpersteinen vor den letzten frei gewählten Wohnsitzen der Opfer ebenso zuzustimmen wie einem zentralen Ort des Gedenkens in der Gemeinde; voraussichtlich am Alten Rathaus. Mit den heutigen Hausbesitzern soll dazu der Dialog gesucht werden.

Zentrales Element von Demnigs Projekt, das zu seiner Lebensaufgabe geworden ist: Das Erinnern im öffentlichen Raum, denn die Menschen sind durch »öffentliches«, weil staatliches Handeln zu Tode gekommen. Die Idee dahinter und der tiefere Sinn: »Stolpersteine« bringen die Namen dahin zurück, wo die Menschen einst zu Hause waren.

Dem war ein mehrjähriger Diskussionsprozess in der Gemeinde vorangegangen, wie und an welchem Standort gedacht werden sollte. Bereits im Jahr 2009 hatten die evangelische Martinsgemeinde, die Kinzenbacher Gemeinde und die katholische Kirchengemeinde Maria Frieden Stolpersteine ins Gespräch gebracht für die vertriebenen, verschleppten, ermordeten einstigen jüdischen Bürger der Gemeinde sowie für Euthanasie-Opfer des Nationalsozialismus.

Auch der Kulturring Heuchelheim/Kinzenbach hat sich in diesen Prozess eingebracht und sich dafür ausgesprochen, dass namentlich an die Opfer erinnert wird. Der Nachwelt solle vor Augen geführt werden, wer in dunkelster Zeit deutscher Geschichte ein so schlimmes Schicksal erleiden musste, hatte man dort seinerzeit ganz klar formuliert. Dabei hatte der Kulturring auch die Idee einer Gedenktafel mit den Namen und Daten der Opfer aufgegriffen und als angemessenen öffentlichen Raum dafür das Alte Rathaus in der Brauhausstraße als eine Möglichkeit benannt. Bislang gibt es lediglich am Alten Rathaus in der Brauhausstraße eine allgemeine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus, bereits 1988 installiert auf Initiative des Alt- und Ehrenbürgermeisters Otto Bepler.

Zentral bei der Stolperstein-Arbeit ist immer auch das Aufarbeiten von Opfer-Biografien, was letztlich auch ein Stück lokaler Geschichtsschreibung ist.

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Artikel vom 05.01.2016 - 14.17 Uhr
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