Heuchelheim (so). »Natürlich ist die Situation in Pakistan furchtbar, ja viel schlimmer. Aber auch hier spielt sich ein Drama ab«. Sabine Tsering, Nonne in der Gemeinschaft für tibetisch-buddhistische Kultur, Dharmakirti, in Heuchelheim lenkt den Blick auf die Himalayaregion von Indien.
Sabine Tsering, Annegret Rabenseifner und Lidia Uribe Osses wollen hilfe organisieren; Bürgermeister Lars Burkhard Steinz sagte ihnen organisatorische und ideelle Unterstützung zu (Foto: so)
Dort, in der Provinz Ladakh, wo es seltenst regnet und der meiste Niederschlag des Jahres als Schnee niedergeht, bringen wohl der Monsun - aber auch Wetter aus dem Norden - seit 14 Tagen ungeahnte Wassermassen und lässt Straßen durch Schlamm und Geröll unpassierbar werden, vernichtet Ernten, bringt aus ungebrannten Lehmziegeln gebaute Häuser zum Einsturz. Es gibt auch dort zahlreiche Tote und Verletzte. Auch aus Heuchelheim soll Hilfe kommen.
In der Provinzhauptstadt Leh wurden bislang 180 Tote geborgen. Die genaue Zahl der Opfer unter den Schlammlawinen und Erdrutschen ist unklar. Tserings Sohn ist derzeit dort, besucht Verwandte, und berichtet regelmäßig, soweit Telefon funktioniert, von den Nöten vor Ort nach Heuchelheim. Und auch Annegret Rabenseifner aus Lich, Mitglied von Dharmakirti, war mit zwei Freunden aus Marburg drei Wochen lang in Leh, der Provinzhauptstadt von Ladakh, ist jetzt zurückgekehrt. Sabine Tsering, Annegret Rabenseifner und die Heuchelheimerin Lidia Uribe Osses wollen jetzt Hilfe organisieren.
»Dharmakirti unterhält seit vielen Jahren enge Kontakte mit Ladakh. Lama Konchok Samten, ein Mönch aus Ladakh, lebt seit acht Jahren bei unserer Gemeinschaft«, so Sabine Tsering. Auch persönlich ist sie in besonderer Weise mit dieser Gegend und den Menschen dort verbunden - der Vater ihrer beiden Söhne ist Ladakhi. Der jüngerer Sohn Lodrö war in dieser schrecklichen Nacht zum 6. August zusammen mit Konchok Samten und einigen anderen Mönchen direkt vor Ort - in Choglamsar, dem am schlimmsten betroffenen Vorort von Leh. »Glücklicherweise haben alle unbeschadet die Katastrophe überstanden. Lodrö wird am 1. September nach Deutschland zurück kehren, so Sabine Tsering.
Angesichts der Katastrophe wurden zuerst Touristen nach Kaschmir und Delhi evakuiert, und auch die indische Regierung hat Hilfen zugesagt. Denn ein Teil der Ernten ist vernichtet, Vorräte für den Winter sind weg oder können teils nicht mehr angelegt werden.
Wie Sabine Tsering unterstreicht, bedarf es aber über eine Soforthilfe hinaus, die die Menschen über den Winter bringt, weiterer Unterstützung beim Wiederaufbau und in einem dritten Schritt gegebenenfalls strukturelle Änderungen wie etwa (Wieder-)Aufforstungen.