Heuchelheim (dri). Das Wintervergnügen der Freiwilligen Feuerwehr Heuchelheim am Samstag in der Turnhalle nutzten Bürgermeister Helmut Fricke, Landrat Willi Marx und Gemeindebrandinspektor Eckhard Rinn, um sich gebührend zu verabschieden. Alle drei scheiden nach langen Jahren aus ihren Ämtern aus und »machen Platz für Jüngere«.
Spielmanns- und Musikzug der Feuerwehr in Heuchelheim (Fotos: dri)
Mit ein wenig Verspätung eröffneten der Spielmannszug und Musikzug gemeinsam mit dem Titel »Wir grüßen mit Musik« das abendlichen Programm. Siegfried Neidel vertrat den erkrankten stellv. Wehrführer Volker Prötz.
Neben den Feuerwehrleuten aus dem Dorf waren auch Kameraden aus Kinzenbach, Atzbach, der Werksfeuerwehr Schunk, Gießen, Kesselbach und Krofdorf-Gleiberg der Einladung gefolgt. Ebenfalls wie jedes Jahr dabei, waren einige Kameradinnen und Kameraden aus der Kooperationsgemeinde Pretzsch an der Elbe.
»Das Jahr 2009 neigt sich so langsam dem Ende zu. Wurde es doch geprägt von der Wirtschaftskrise, Bankenspekulationen, Kurzarbeit, Abbau von Arbeitsplätzen und der Schweinegrippe«. So begann Siegfried Neidel seine Auftaktrede. Trotz dieser Schwierigkeiten, die auch einige direkt betrafen, hat die Feuerwehr Heuchelheim den Brandschutz in der Gemeinde sichergestellt und das alles auf ehrenamtlicher Basis. Die Zahlen der Einsätze sind nicht rückläufig. Hinzu kamen auch noch Einsätze in nachbarschaftlicher Hilfeleistung, wie z.B. der Großbrand am 1. Juli dieses Jahr in Wettenberg bei Sommerlad. Mit dem Aufruf »Machen Sie Werbung für unsere Feuerwehr« machte er am Ende seiner Rede noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, Freiwillige für das Ehrenamt zu finden um auch weiterhin den Schutz der Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Gemeinde sicher zu stellen. Auch Willi Marx griff, nachdem der Musikzug unter der Leitung von Klaus Schlierbach die Stücke »Besuch bei Johann Strauß« und »Die Sonne geht auf« zum Besten gegeben hatten, dieses Thema in seinen Grußworten auf. »Eigentlich bin ich heute Abend als Privatmann hier«, begann Willi Marx, trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, ein letztes Mal als Landrat »am alten Tatort Heuchelheim« zu sprechen. Er erinnerte sich noch an sein erstes Wintervergnügen vor 24 Jahren, da noch im Amt als Bürgermeister der Gemeinde. Damals war Adolf Holube Dirigent des Musikzuges der Feuerwehr. »Ich habe selbst ein wenig Ahnung von Musik und weiß, dass die Feuerwehrmusik im Landkreis Gießen, speziell hier in Heuchelheim, einen hohen Stellenwert hat«. Er lobte die Gemeinschaft durch Musik in der Feuerwehrfamilie. Und: »Von den Feuerwehrleuten läuft keiner am Ende des Monats zur Bank und sieht nach, ob die Gemeinde ihnen Geld überwiesen hat für das, was sie geleistet haben. Einer von diesen ist seit 25 Jahren Siegfried Neidel!«. Ihn ehrte der Landrat. Er erinnerte, dass er in seiner Zeit als Bürgermeister in Heuchelheim mal nachfragte, was es eigentlich koste, wenn es keine freiwillige Feuerwehr in Heuchelheim mehr gebe und man eine Berufsfeuerwehr einrichten müsse. Das war in den 80er Jahren und damals antwortete man ihm, dass man rund eine Million Mark brauche...
Helmut Fricke scheidet nach zwölf Jahren als Bürgermeister aus seinem Amt aus. Er betonte, dass man nie den Etat für die Feuerwehr in der Gemeindevertretung angetastet habe und geht davon aus, dass dies auch zukünftig nicht passieren wird, denn diese Feuerwehr gewährleistet den Brandschutz und die Sicherheit in der Gemeinde. Mit den Worten »Auch als Bürgermeister a.D. werde ich in Zukunft diese wunderschöne Veranstaltung mit meiner Frau besuchen«, übergab er das Wort an Gemeindebrandinspektor Eckhard Rinn, der findet, dass es nach über 25 Jahren als Wehrführer, Ortsbrandmeister und Gemeindebrandinspektor an der Zeit ist, für jüngere Kameraden Platz zu machen. Er machte in seiner Rede die von Siegfried Neidel am Beginn genannten Veränderungen und Schwierigkeiten im vergangenen Jahr noch einmal deutlich, welche Folgen dies für die Feuerwehr hat und bedankte sich bei allen Aktiven für die geleistete Arbeit. Der stellvertretende Kreisbrandinspektor Markus Leopold schloss sich mit einer ergreifenden Rede an. Siegfried Neidel hatte am Anfang gesagt »Lasst uns zusammen feiern und den Alltag vergessen«. Leopold fragte, wer sich an den Wohnungsbrand während des Wintervergnügens 2008 erinnert, dort wurde man vom Alltag eingeholt. Ebenfalls vom Alltag eingeholt wurde man am 1. Juli dieses Jahr, wobei sich wohl keiner mehr daran erinnert, dass an diesem Tag 32 Grad herrschten. »Jeder hat ein riesiges Päckchen zu tragen, und ich bin stolz auf meine Kameraden und ich bin stolz darauf, dazu zu gehören und mit euch zu arbeiten«; schloss er.
Nach den Ehrungen begeisterte die Laienspielgruppe die Zuschauer mit einem lustigen Sketch. Günther Schmidt und Karl-Ludwig Weber zeigten, was hinter einem Hausinserat in einer Zeitung alles stecken kann. Im Anschluss daran imitierte die Jugendfeuerwehr die Mini-Playback-Show. In zwei Gruppen aufgeteilt, stellten die einen die Musikgruppe AC/DC dar mit dem Titel »Hell’s Bells«. Die andere Gruppe flitzte zum »Fliegerlied« über die Bühne. Musikalisch ging es weiter. Der Musikzug spielte den Klassiker »New York, New York«, wobei Paul Piper als Sänger die Zuhörer begeisterte. Im Anschluss gab der Musikzug noch die Stücke »When the saints go marching in« und »Die Egerländer laden ein« zum Besten.
»Fire Fighters gone wild mit de Jahreszeitenuhr« war das Motto der Einsatzabteilung. Wie in jeden Jahr studierten einige Männer der Einsatzabteilung einen Tanz ein und auch dieses Jahr war das Publikum hellauf begeistert.
Zum Abschluss konnte man noch einmal dem Zusammenspiel von Musikzug und Spielmannszug lauschen. Nachdem sie die Stücke »Pongauer Buam« und »Freundschaftsklänge« intoniert hatten, verlangte auch da das Publikum nach einer Zugabe. So ließen sie zum Programmende noch den bekannten »Colonel Bogey Marsch« und den nicht minder bekannten »Mars de Medici« erklingen.