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Bei Schunk neue Wege für Menschen ohne Berufsabschluss

Artikel vom 24.01.2012 - 23.18 Uhr

Bei Schunk neue Wege für Menschen ohne Berufsabschluss

Gießen/Heuchelheim (so). »Entfalten Sie Ihr Potenzial!« Das kann lesen, wer sich ein entsprechend gefaltetes Infoblatt erschließt. Damit warb das Netzwerk Nachqualifizierung Gießen/Lahn-Dill in Kooperation mit Schunk um engagierte Mitarbeiter, die bislang ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind.

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Sie nehmen die Herausforderung an und lassen sich, weil bislang ohne Berufsabschluss, berufsbegleitend zum Maschinen- und Anlagenführer qualifizieren. (Foto: so)
Mit Erfolg: 15 Mitarbeiter von Schunk lassen sich auf diesem neuen Weg in den kommenden anderthalb Jahren zu Maschinen- und Anlagenführern in der Metall- und Kunststofftechnik qualifizieren, haben dann einen IHK-Berufsabschluss in der Tasche. In dieser Form ist es in Mittelhessen einzigartig; aufgrund der Bedeutung des hiesigen Ansatzes spricht auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung von einer »Projektregion«.

Einzigartig deshalb, weil vier Partner zusammenarbeiten: Unternehmensleitung und Betriebsrat von Schunk, das Netzwerk Nachqualifizierung und das Berufsfortbildungswerk des DGB. Einzigartig auch deshalb, weil die Kosten ebenfalls geteilt sind und sich die zu Qualifizierenden finanziell mit einbringen. Einen erheblichen Teil steuert der Schunk-Betriebsrat bei aus dem ihm für solche Zwecke zur Verfügung stehenden Topf. Das Unternehmen selbst gibt finanzielle Mittel plus Grundausstattung, zahlt zudem die Prüfungsgebühren. Nicht zuletzt trägt jeder der 15 Mitarbeiter, die nun geschult werden, 400 Euro der jeweils knapp 3000 Euro kostenden Qualifikation. Denn 400 Stunden umfasst das Projekt - jede Stunde legt jeder der künftigen Maschinenführer einen Euro mit ein. Zu Jahresbeginn haben in den Räumen von Schunk berufsbegleitend 240 Stunden theoretischer Unterricht begonnen, von August an kommen im »bfw« in Garbenheim noch einmal an 30 Samstagen insgesamt 120 Praxisstunden hinzu. Eine letzte Woche dient der Prüfungsvorbereitung.



»Ein wichtiges Referenzprojekt«



»Dies ist für uns ein wichtiges Referenzprojekt«, meinte Dr. Klaus-Jürgen Rupp, Berater beim Netzwerk Nachqualifizierung, das ein Verbundprojekt von ZAUGg und GWAB ist. Sein Ansinnen: »Das Produkt Nachqualifizierung und dessen Chancen in der Region stärker zu verankern.« Für Rupp übernimmt die Schunk-Gruppe durch ihre Vorreiterrolle in diesem Projekt »eine außergewöhnliche Verantwortung«.

Schunk-Personalleiter Steffen Friedrich begrüßt den Ansatz, denn er weiß um den Facharbeiter-Bedarf der Unternehmensgruppe, der kaum zu decken ist. Hinzu komme »das demografische Thema«: Im Schnitt sind die Schunk.-Mitarbeiter 46 Jahre alt. Es gelte daher, in die Ausbildung der jungen Menschen zu investieren, um die Fachkräfte an den mittelhessischen Standorten zu sichern, an denen rund 3000 Menschen arbeiten. »Als ein Unternehmen, das traditionell auf eine hohe Arbeitnehmerorientierung ausgerichtet ist, möchten wir unseren Beschäftigten die Chance geben, eine fundierte Metallausbildung zu erreichen«, so der Personalleiter.

400 Stunden Nachqualifizierung – das ist ein hoher Zeitaufwand, der ausschließlich in der Freizeit geleistet wird und damit in besonderem Maß die Motivation und das Engagement der Teilnehmer widerspiegelt.

»Dieses Projekt ist eine absolut neue Art der Kooperation in der Region, die es den Schunk-Mitarbeitern ermöglicht, ihre berufliche Perspektive zu verbessern«, freut sich Schunk-Betriebsratsmitglied Pietro Coladangelo. Und es sei – bei Erfolg – ausbaufähig. Diese Chance will beispielsweise auch Victor Otto ergreifen, dessen in Russland absolvierte Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt wird: »Für mich spielt berufliche Sicherheit ein wichtige Rolle. Ich möchte gern eine in Deutschland abgeschlossene Ausbildung haben, mit der ich meine Qualifikation nachweisen kann«, sagte der Schunk-Mitarbeiter gestern.

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Artikel vom 24.01.2012 - 23.18 Uhr
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