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Rangelei an Haltestelle eskalierte - mit Messer zugestochen

Artikel vom 10.02.2009 - 21.15 Uhr

Rangelei an Haltestelle eskalierte - mit Messer zugestochen

Gießen/Grünberg (srs). Aus einer Spaßrangelei wurde gefährlicher Ernst: Mit Zierleisten aus dem Sperrmüll lieferten sich im Mai letzten Jahres zwei Freunde an der Bushaltestelle Schützenstraße in Göbelnrod einen Fechtkampf. Es war eine laue Frühlingsnacht. Die Freunde hatten eine Diskothek besucht und Wodka getrunken. Im Verlauf der Rangelei zücktedann einer der beiden, ein 19-jähriger Laubacher, ein Taschenmesser - und unversehens steckte die Klinge 7,5 Zentimeter tief im Rücken des anderen. Gestern verurteilte ein Jugendschöffengericht am Amtsgericht den jungen Mann wegen gefährlicher Körperverletzung und zweier weiterer Taten zu einer Jugendstrafe von einem Jahr.
»Es war ein Spaßkampf, der zu weit gegangen ist«, erklärte der Angeklagte. Doch es war reines Glück, dass der Messerstich in der Nacht auf den 12. Mai 2008 nicht lebensgefährlich war. »Es ging so schnell«, berichtete gestern das Opfer, ein 19-jähriger Mann aus Grünberg. Die Polizei stellte damals beim Angeklagten einen Pegel von mindestens 1,82 Promille zur Tatzeit fest. Vorsitzende Richterin Ulrike Büger ließ verminderte Steuerungsfähigkeit indes nicht gelten, worauf der Verteidiger Alexander Hauer plädiert hatte. Täter und Opfer versicherten vor Gericht, das Geschehen habe an ihrer Freundschaft nichts geändert.

Das Jugendschöffengericht verurteilte den Angeklagten gestern außerdem wegen einer Körperverletzung am 9. November letzten Jahres. Der 19-jährige Laubacher hatte in einer Grünberger Gaststätte zwei junge Männer zunächst belästigt und ihnen gedroht: »Ich bin der Tod. Ich bin gefährlich.« Als die beiden Männer die Gaststätte verließen, stellte sich der Angeklagte ihnen in den Weg, so dass einer der Belästigten die Polizei verständigte. Daraufhin schlug ihm der Angeklagte mit der Faust ins Gesicht. Am frühen Morgen des 19. Juli 2008 beschädigte der Laubacher darüber hinaus sturzbetrunken und aus Frust nach einer Niederlage bei einer Rangelei einen Lampenpfosten vor einer Kneipe in Grünberg.

Den gefährlichen Messerstich räumte der Angeklagte gestern zwar ein. Die anderen Taten bestritt er jedoch und gab sich zudem ungehalten. Dem 26-jährigen, den er im November geschlagen hatte, rief er während dessen Zeugenaussage entgegen: »Es regt mich auf, wie so ein Spasti so einen Scheiß erzählt.« Insbesondere aufgrund zahlreicher Vorstrafen unter anderem wegen Körperverletzung und Diebstahls und wegen mehrerer gescheiterter sozialpädagogischer Maßnahmen sah die Richterin keine andere Möglichkeit als die einjährige Jugendstrafe. Staatsanwältin Bähr-Fichtner hatte ein Jahr und sechs Monate gefordert, die Verteidigung hatte für eine Bewährungsstrafe plädiert. »Es gibt keine Perspektive«, sagte die Richterin. Der Angeklagte müsse nun »Regeln auf sehr harte Weise lernen.«

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