Was nicht verwundert: Wer zehn Tage nach dem Tornado durch Lumda geht, dem begegnen die Spuren der gewaltigen Drehwinde noch auf Schritt und Tritt.
Bauschutthalden am Bürgerhaus.
Kaputte Fensterscheiben, Einschlagslöcher in Eternitfassaden, hier umgeknickte Bäume, da »Artgenossen«, denen die Krone abhanden kam, am Bürgerhaus Berge von Bauschutt, hinterm Friedhof Massen an Holz. Vor allem aber sind vielerorts Hausbesitzer noch im Reparatureinsatz. »Bis alles getan ist, das braucht noch eine ganze Zeit«, sagt Jürgen Tröller, Ortsvorsteher von Lumda und selbst Betroffener. Zur ersten Bilanz gehört auch: An den hohen Kosten werden einige noch lange zu knapsen haben - vor allem, wenn kein (ausreichender) Versicherungsschutz bestand. Bei Grünbergs Bürgermeister Frank Ide sind bisher sieben Anfragen von Lumdaern eingegangen, die die vom Land versprochene »unbürokratische Hilfe« in Anspruch nehmen möchten.
Hilfsangebot des Landes: sieben Anfragen
Seines Wissens ist zum Glück keiner darunter, der die Schadensbehebung am Wohnhaus nicht stemmen kann. Dass der eine oder andere womöglich doch nur die Pflichtversicherung gegen Feuerschäden, aber nicht jene gegen »Elementarschäden« wie Hagel und Sturm hat, sei allerdings nicht auszuschließen.
In Ides Zeit als Sparkassenbetriebswirt fiel das von der EU 1994 verfügte Ende des Monopols der »Brandkasse«. Bei der Vertragsumstellung habe sich wohl mancher gedacht: »Okay, eine Versicherung gegen Feuer muss sein, aber Sturm und Hagel? Wie groß ist hier das Risiko, dass ich alles verliere, soll ich die zusätzlichen Kosten wirklich bezahlen?« Für die Versicherung gegen den Elementarschaden Sturm (ab Windstärke 8 werden laut Sparkassen-Versicherung Schäden übernommen) sind die Prämien übrigens in der Regel knapp doppelt so hoch wie jene für die bloße Brandversicherung.
»Wenn’s in die Scheune mal reinregnet...«
Immer noch hoch ist die »Konzentration an Dachdeckern« in Lumda.
Aus Gesprächen mit betroffenen Hausbesitzern wie mit Lumdas Ortsvorsteher zumindest geht hervor, dass sich die Versicherungen »kooperativ« verhalten. Für dem Fall, das »Sturm und Hagel« nicht angekreuzt wurden. Klar dürfte ebenso sein: Die Kulanz der Versicherer bei fehlender Elementarschadensversicherung steht im direkten Verhältnis zur Zahl der Policen, die der Geschädigte beim Unternehmen hat. Gut zu wissen: Die bisher sieben Anfragen nach dem Hilfsangebot des Landes, das der damalige Innenminister Bouffier gemacht hat, sollen einzig aus Unterversicherungen bei Scheunen resultieren. Auch diese Lumdaer, weiß Ide, hätten eben nach der Prämisse gehandelt: »Wenn da ein Ziegel wegfliegt, es mal reinregnet, ist das nicht so tragisch. Das spar ich mir.«
40 000 Euro Schaden an Scheune
Wer Nebengebäude mit nur geringeren Werten sein Eigen nennt, der kann das Risiko der Unterversicherung leichteren Herzens eingehen. Anders verhält sich die Sache bei höheren Werten, die Landwirte in einer Scheune gelagert haben. Dazu passt die freudige Erfahrung eines Lumdaers: Für den, so berichtete Bürgermeister Ide, habe sich die 300 Euro Jahresprämie als gute Investition erwiesen. »Bei einem Schaden von 40 000 Euro hat er auf über 50 Jahre die Beiträge raus.«