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04.02.2010 - 16.19 Uhr
In Grünberg Vortrag über die Zarenfamilie Romanow
Grünberg (jhm). Im Russland der Gegenwart macht sich ein Teil der Fürstenfamilie Romanow sogar wieder Hoffungen, auf den Thron einer intakten Monarchie zurückzukehren. Auch immer größere Teile der Bevölkerung wünschen sich eine Rückkehr der legendären Familie zur Macht. Auf die Frage nach dem »Warum« begab sich Pfarrer Hartmut Miethe im Rahmen seines Vortrags »Der Tod der Romanows - wie aus Fürsten Heilige werden«.
Eingeladen hatte der Förderkreis Kultur »Die Barfüßer«. Dem Vortrag war dank der Unterstützung durch das Oberhessische Museum mit seinem Leiter Friedhelm Häring auch eine Fotodokumentation im Barfüßerkloster angeschlossen.
Vor gut 50 Zuhörern begann Miethe seine Ausführungen mit dem Verhältnis von Macht und Mensch, den Verstrickungen menschlichen Lebens mit der Zeitgeschichte.
Seit Kaiser Konstantin der Große seien Adelsoberhäupter nicht mehr als menschliche Wesen vors Volk getreten, sondern als unfehlbare Stellvertreter Christi. »Der Kaiser war Garant für das Staatswesen, behielt auch in religiösen Angelegenheiten das letzte Wort. Selbst die über 1000 Jahre alte russische Kirche hat sich nie in einen Machtkampf begeben, auch wenn das Verhältnis von Staat und Kirche nicht spannungsfrei war.« Im Besonderen gelte das für die Romanows, deren Untergang zwar zeitgleich zu den Monarchien in Deutschland oder Österreich-Ungarn erfolgte, jedoch weitaus dramatischer verlief.
Die scheinbar heilige Verbindung zwischen den Romanows und ihrem Russischen Reich tat sich nach Miethe einmal mehr am 6. Mai 1868 auf, als Thronfolger Nikolaus II. zur Welt kam.
Eher feinfühlig und intellektuell, wird der spätere Zar mit der harten Realität der russischen Monarchie vertraut gemacht, er besucht das Militär, schmückt sich mit den Insignien der Macht. Gleichwohl wäre er noch lieber Familienmensch geblieben, als er 1894 mit 26 Jahren die Nachfolge seines plötzlich verstorbenen Vaters antreten muss. Mit seiner Frau, der früheren Prinzessin Alice von Hessen-Darmstadt, hat Nikolaus II. zunächst nur Töchter. 1904 kommt Sohn Alexej zur Welt - doch mit der angeborenen Bluterkrankheit. Sie vertrauen sich dem Wanderprediger Rasputin an, der hypnotische Kräfte besitzen und die Krankheit des Sohnes lindern soll.
Auf den Straßen herrscht derweil Hunger und Armut, viele protestieren gegen die monarchische Ordnung, die Arbeiterbewegung formiert sich. Zar Nikolaus II. habe da versucht, auf die Proteste einzugehen und vorläufig demokratische Reformen verordnet, doch genau diese Wankelmütigkeit habe den Glauben der Bevölkerung an die natürliche Autorität der Zarenfamilie noch mehr untergraben.
1916 wird die Familie von bolschewistischen Revolutionären zu einem angeblichen Fototermin gelockt und grauenhaft hingerichtet. »Die Aushebelung des Mitgefühls, die Verachtung des Lebens und der Druck der ideologischen Überhöhung entluden sich«, kommentierte Miethe das Verbrechen, dem auch die Töchter und sogar der Hund der Familie nicht entgingen.
Verfehlungen der Regentschaft ausgeblendet
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