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In Grünberg Vortrag über die Zarenfamilie Romanow

Artikel vom 04.02.2010 - 16.19 Uhr

In Grünberg Vortrag über die Zarenfamilie Romanow

Erst 1924 war die neu entstandene Sowjetunion bereit, den Mord an der Zarenfamilie zuzugeben, die Suche nach den Gebeinen der Monarchen begann und offenbarte sogleich jenen überhöhten Stellenwert, den die Romanows nach dem Verlust der Macht wieder zunehmend genossen. Bereits 1981 sprach die russisch-orthodoxe Kirche außerhalb der Sowjetunion die Romanows für das Ertragen ihrer Leiden heilig, die politischen Verfehlungen ihrer Regentschaft wurden ausgeblendet. Nach dem Zusammenbruch des Sowjetreiches versuchte die neue russische Regierung unter Boris Jelzin, an den Glanz der Zarenherrschaft anzuknüpfen und der neuen politischen Ordnung zusätzliche Legitimation zu verschaffen. Nach kontroversen Debatten und wissenschaftlichen Befunden werden schließlich bereits 1979 entdeckte Gebeine der Zarenfamilie zugeschrieben und 1998 in der Grabeskirche St. Petersburg beigesetzt. »Auf ein großes Staatsbegräbnis wurde zwar verzichtet, im Jahr 2000 folgt die russisch- orthodoxe Kirche jedoch der Auslandskirche und spricht die Romanows heilig. Heute finden sich in den meisten Kirchen Ikonen mit dem Bild des Zaren oder seiner Familie«, so Miethe.

Die zu Herrschaftszeiten religiöse Überhöhung der Zaren wurde durch die Heiligsprechungen zu neuem Leben erweckt, folgertw Miethe. Dennoch: »Im Leben der Zarenfamilie gab es in der Tat Spuren tiefer und ernsthafter Frömmigkeit, die sich in hohem sozialpolitischem Engagement ausdrückte, etwa durch die Gründung von Krankenhäusern oder Heimen. Das persönliche Schicksal wird leider zum Teil eines gigantischen Räderwerks, in dem sich Schuld und Verantwortung mit Unschuld und Reinheit treffen.«

Missbrauch undVerherrlichung der Romanows zeige, wie sehr Kirche, Tourismus und Politik Geschichtsklitterung betrieben. Der Referent abschließend: »Und das auch durch einen Teil der Romanows selbst, die sich heute darum streiten, wem der Thron gehört, den es nicht mehr gibt, von dem aber immer mehr wollen, dass es ihn wieder geben soll.« (Foto: jhm)



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Artikel vom 04.02.2010 - 16.19 Uhr
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