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»Heimatfilme der 50er ganz im Geist deutscher Romantik«

Artikel vom 27.02.2010 - 15.00 Uhr

»Heimatfilme der 50er ganz im Geist deutscher Romantik«

Grünberg (sc). Mit dem Filmklassiker »Das Wirtshaus im Spessart« fand am Donnerstag die Reihe »Wandelbare Weibsbilder« im Kino Grünberg ihre Fortsetzung. Bevor Lilo Pulver als Komtesse in die Hand der Räuber fällt und ihre Wandelbarkeit beweist, gab Dr. Angela Stender - sie hatte gemeinsam mit Lichtspiele-Chefin Edith Weber die Reihe konzipiert - eine Einführung in die Geschichte des deutschen Heimatfilms.
Passender Abschluss des Abends: Snacks im Stil der 1950er Jahre. Das Foto zeigt Edith Weber und  Dr. Angela Stender mit einem li
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Passender Abschluss des Abends: Snacks im Stil der 1950er Jahre. Das Foto zeigt Edith Weber und Dr. Angela Stender mit einem liebevoll arrangierten »Käse-Igel«
Dr. Stender, Referentin für gesellschaftliche Verantwortung der Dekanats-AG Grünberg, Hungen und Kirchberg, erklärte eingangs, der deutsche Heimatfilm sei Ende des Ersten Weltkriegs aus dem Bauerntheater entstanden. Die große Blüte habe er nach 1945 erlebt. »Mach Dir ein paar schöne Stunden, geh’ ins Kino«, zitierte sie die damalige Werbung und fasste analysierend zusammen: »Tagsüber wurden die Trümmer weggeräumt, abends kümmerte man sich um die seelischen Schäden«. Die ersten Filme nach dem Krieg waren überwiegend ausländische Produktionen, zeigten einen verklärten Blick auf eine unzerstörte Heimat. Bilder vom rauen Alltags und verwüsteten Städte hätten die Besatzungsmächte abgelehnt.

Der deutsche Film lebte dann mit Hilfe staatlicher Unterstützung langsam wieder auf, doch handelte es sich meist um erbauliche, unterhaltsame, nicht allzu kritische Stücke, betonte Stender. Mit Blick auf die Kinostatistik 1949 verdeutlichte sie, welch’ geringe Rolle Eigenproduktionen in Deutschland spielten, seien doch rund 300 ausländische Titel an 90 Prozent der Spieltagen gezeigt worden - der Rest waren Wiederaufführungen alter Titel.

Die Heimatfilme der 50er Jahre standen dann ganz im Geist deutscher Romantik. Stender nannte Klassiker wie »Grün ist die Heide« und »Das Schwarzwaldmädel«.

Stender weiter: »Die Generation der 60er Jahre lehnte Heimatfilme ab, es sei denn, sie hatten die Flucht aus der Heimat zum Inhalt.« Erst in den 80ern finde sich eine neue Art der Heimatfilme: Sie zeigten eine realistische, auch humorvolle Sicht, aber nicht mehr überhöhend oder als Herabsetzung. Als Beispiel verwies die Referentin auf »Herbstmilch«. Dieser Film nach den Erinnerungen der Bauernmagd Anna Wimscheider wird am 25. März um 19 Uhr die Reihe im Grünberger Kino fortsetzen.

Seit Ende der 1990er Jahre habe es eine Konjunktur des Genres gegeben, fuhr Stender fort, nannte »Die Geierwalli« (in ihrer vierten Fassung), »Emmas Glück« oder »Nur ein Sommer« als Beispiele.

Anschließend genossen die Zuschauer en Streifen »Wirtshaus im Spessart« mit einer unverwechselbare Lieselotte Pulver. Der Film sei noch in Mono, schmunzelte Weber, und fügte hinzu: »Doch es ist mir versichert worden, dass er wirklich spielbar ist.« Mit Blick in eine Fachzeitschrift aus dem Entstehungsjahr des Films, 1958, zitierte sie amüsiert: »Das kann Fernsehen nicht leisten, dazu muss man schon ins Kino gehen.«. Und so stimmten die Kinobesucher nach der problemlosen Vorführung des alten Films mit dem Fazit des Handbuchs der katholischen Filmkritik überein: »Ein augenzwinkerndes Vergnügen!« (Foto: sc)

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Artikel vom 27.02.2010 - 15.00 Uhr
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