Artikel vom
15.07.2010 - 19.20 Uhr
Grünbergs Museumsfreunde in Wetzlar
Grünberg (pm). Eine kleine Gruppe des Freundeskreises Museum Grünberg machte sich zu einer Ausstellungsfahrt nach Wetzlar zum Besuch der Städtischen Museen auf. Auf dem Programm stand eine Führung unter dem Motto »Goethe hat’s gewiss nicht übel gemeint«, bei der die Grünberger das Lottehaus und das Jerusalem-Haus kennenlernten.
Museumsführerin Lehnert-Raabe vermittelte zunächst einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des berühmten Werkes »Die Leiden des jungen Werthers« von Johann Wolfgang Goethe. Anschaulich und engagiert erzählte sie von den Lebensbedingungen im damaligen Wetzlar und ließ die Familiengeschichte der Charlotte Buff und ihres zunächst inoffiziellen Verlobten und späteren Ehemanns Johann Christian Kestner lebendig werden. Besonders interessierte das Dreiecksverhältnis zum jungen Goethe, der zu einem Praktikum in seiner juristischen Ausbildung nach Wetzlar gekommen war. Diese (leidvolle) »Liebesgeschichte« war Grundlage für dessen Roman über den »Werther«.
Die zweite Geschichte, die Eingang fand, war die tragische Lebensgeschichte des Legationssekretärs Karl Wilhelm Jerusalem, der mit seiner Laufbahn am Gericht scheiterte, keinen Rückhalt in der Gesellschaft hatte, eine unerwiderte Liebe zu einer verheirateten Frau in Wetzlar empfand. All dies bewirkte, dass er seinem Leben ein Ende setzte und sich mit einer von Kestner geliehenen Reisepistole erschoss - so wie es im »Werther« als Folge der unerfüllten Liebe zu »Lottchen« eingearbeitet wurde. Die Grünberger konnten dies im Raum des Jerusalem-Hauses nachempfinden, in dem die Selbsttötung stattfand. Auch über die Spekulationen, welche Auswirkungen der Roman auf die seelische Verfassung unglücklich Verliebter im Laufe der Jahrhunderte hatte, wurde eingehend diskutiert. Im Lottehaus staunte man über die Sammlung der verschiedenen Ausgaben des Romans »Die Leiden des jungen Werthers«.
Am Nachmittag dann die Stadtführung. Erstes Ziel war der Dom mit seinen unterschiedlichen Baustilen von der Romanik bis hin zur späten Gotik. Dass immer nach dem modernsten Stil gebaut wurde, erläuterte Stadtführerin von Schneidemesser. Eine Besonderheit des Wetzlarer Doms ist, dass er für katholische als auch evangelische Gottesdienste genutzt wird. Unter einem großen Kruzifix, das auch die Form eines Ankers hat, steht der Altar. Über den dazugehörenden Kirchenbänken schwebt eine Marienfigur, die umgeben ist von sieben Engeln - eine weitere Besonderheit dieser Kirche.
Im Anschluss ging es noch durch das mittelalterliche Wetzlar mit einem Zwischenstopp im Reichskammergericht, in dem in einem Film die Geschichte Einführung einer einheitlichen Reichsgerichtsbarkeit in Deutschland vorgestellt wurde. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass trotz der Hitze viel Interessantes zu erfahren war, und mit Sicherheit jeder noch einmal sich den »Werther« vornehmen wird, um ihn zu lesen.