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Grünberger wollen Bedarf für Waldkindergarten ermitteln

Artikel vom 02.02.2010 - 16.34 Uhr

Grünberger wollen Bedarf für Waldkindergarten ermitteln

Grünberg (gro). Spielen und Umhertollen in einem Kindergarten ohne Wände und Türen, die Natur bei jedem Wetter mit allen fünf Sinnen erleben und erfahren - das ist das Konzept der Waldkindergärten. Bei zunehmendem Bewegungsmangel der Kinder, Reizüberflutung und Aggressivität nehmen Konzepte dieser Art an Bedeutung zu. Um die Möglichkeit einer solchen Einrichtung auch für Grünberg auszuloten, hatte die Verwaltung auf SPD-Antrag drei Referenten eingeladen, die am Montag dem Sozial- und Kulturausschuss über ihre Erfahrungen berichteten.
Wie Elke Bär (Gesamtkindergärtenleiterin am Laubacher »Stift«) und Brigitte Jeschkowski (Erzieherin) vom Waldkindergarten Freienseen ausführten, stand die 2002 gegründete Waldgruppe »lange auf wackligen Füßen«. Heute aber sei diese - aufgrund des großen Zuspruchs der Eltern - Standard und ergänze das Angebot in Laubach. Zurzeit würden 26 Kinder in zwei Gruppen von jeweils zwei Erzieherinnen von 8 bis 13.30 Uhr betreut. Es gibt einen Bauwagen mit Gasheizung als Gruppenraum und einen Materialwagen sowie ein großes Tipi. Der nahe Wald als »riesiges Lern- und Spielzimmer« stelle andere Anforderungen an die Erzieherinnen als in einem festen Haus, auch die Personalkosten seien höher als in einer Regeleinrichtung. Eine besondere Ausbildung sei zwar nicht zwingend, aber das Interesse für die Natur müsse schon da sein, so die Referentinnen einstimmig. Wegen der großen Nachfrage nimmt Freienseen nur noch Kinder aus der eigenen Großgemeinde auf.

Anders als in dem Laubacher Ortsteil hat sich der Waldkindergarten Lich aus einer privaten Initiative im Jahr 2005 gegründet. Die Erzieherin Andrea Dobrick hatte dafür bei Eltern geworben und schließlich mit acht Kindern den Anfang gemacht. Bereits ein Jahr später war der Zuspruch so stark, dass eine zweite Gruppe eingerichtet werden konnte. Die zwei Gruppen à 20 Kinder halten sich von 8.15 bis 13 Uhr im Wald auf. Auf Wunsch bekommen die kleinen »Waldfüchse« ein Mittagessen im Elternzentrum des Licher Krankenhauses und können dort weiter bis 16.30 Uhr betreut werden. Die Rundumbetreuung hat allerdings auch ihren Preis: 276 Euro monatlich, zuzüglich 2,75 Euro je Mittagessen.

In ihrer Begeisterung für Waldkindergärten unterstrich Andrea Dobrick, es gäbe für Kinder nichts Schöneres, sie seien konzentriert und äußerst kreativ bei der Sache und im Vergleich zu Hausgruppen weniger anfällig für Krankheiten. Ein Argument auch für die Erzieherinnen: Die Nerven werden erheblich geschont, da alles viel leiser und ruhiger vor sich gehe.

Bei allen geschilderten Vorteilen erkundigte sich Reinhard Ewert (Grüne) nach »möglichen Fallen«, an denen das Projekt scheitern könnte. Vor allem sollten nicht Sparmaßnahmen (Heizkosten entfallen) oder Platzmangel in den Regeleinrichtungen den Ausschlag geben, auch müssten gute Voraussetzungen geschaffen werden, um den Kindern bei ganz schlechten Wetterverhältnissen Schutz zu bieten, betonte Brigitte Jeschkowski.

Die Frage von Bürgermeister Frank Ide nach Chancen, adäquate Erzieherinnen zu bekommen, bezeichneten alle Referentinnen gerade für den ländlichen Bereich als äußerst schwierig. Und so forderte Claudia Wolf (SPD) - auch wenn noch keine Entscheidung über den Waldkindergarten gefallen sei - bei der Einstellung von neuen Erzieherinnen (wegen Erhöhung des Personalschlüssels und Verkleinerung der Gruppen) die Bereitschaft, in einer solchen Einrichtung zu arbeiten, abzufragen. Als nächster Schritt in Richtung Waldkindergarten soll ein Termin in Freienseen vereinbart und der Bedarf in Grünberg ermittelt werden. Ansprechpartner seien hier wohl vorwiegend Eltern, deren Kinder noch keinen Kindergarten besuchen. Das Herauslösen aus einer bestehenden Gruppe dürfte in den wenigsten Fällen gelingen, so SPD-Fraktionschefin Wolf.



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Artikel vom 02.02.2010 - 16.34 Uhr
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