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Grünberg vor 65 Jahren gleich zweimal Ziel schwerer Angriffe

Artikel vom 15.03.2010 - 10.00 Uhr

Grünberg vor 65 Jahren gleich zweimal Ziel schwerer Angriffe

Mathilde Stiel (83) aus Grünberg wohnt in der Bahnhofstraße 3: »Ich war dienstverpflichtet zur Familie Keil in der Londorfer Straße. Im Haus hörte ich ›Marauder Verband im Raum Friedberg‹. Sofort habe ich meinen Mantel geschnappt, ich wollte heim. Kaum ein paar Meter unterwegs, in Höhe der Sparkasse, fielen schon die Bomben. Ich wurde zu Boden geschleudert und sah im Augenwinkel noch die Emma Horst zu Boden stürzen. Als ich nach oben blickte und den Himmel sah, war dieser ganz gelb, schwarz und lila gefärbt. Das vergesse ich nie.«

»Lina war tot, sie hatte gerade erst geheiratet«

Lina Geyer geb. Hofacker, aus Beltershain mit Ehemann Karl: Wenige Wochen nach ihrer Hochzeit fand die 21-Jährige beim Angriff a
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Lina Geyer geb. Hofacker, aus Beltershain mit Ehemann Karl: Wenige Wochen nach ihrer Hochzeit fand die 21-Jährige beim Angriff auf Grünberg den Tod.
Mathilde Stiel flüchtete in den Keller der Familie Eckstein. Nach dem Angriff lief sei nach Hause, der Bruder war nicht da, sie eilte zur Realschule, wo bereits verletzte Menschen hingebracht worden waren. »Da brummte es schon wieder in der Luft. Wir sind aus dem Fenster raus, über den Zaun gesprungen und sahen viele Bomber ganz niedrig über die Queckbörner Höhe kommen. Unterhalb der Bismarckstraße lagen wir flach auf den Boden gepresst.«

Die 83-Jährige erinnert sich, wie Frau Hofacker aus Beltershain aufgeregt zum Haus ihrer Familie kam: »Sie suchte nach ihrer Tochter: ›Die Lina ist nicht heimgekommen‹. Da bin ich mit ihr los. Es war ja ein Bombentrichter am anderen. Da, wo heute die katholische Kirche steht, fanden wir die Lina, tot. Ich habe sie ja auch gut gekannt. Sie war immer sehr lustig und hat bei Allmendinger in der Weberei gearbeitet. Lina war von einem Steinbrocken an der Schläfe getroffen worden. Ihr Fahrrad lag noch neben ihr.«

Diese Szene musste auch Anna Müller (heute 85) aus Beltershain mitansehen: »Ich erinnere mich noch genau. Nach dem ersten Angriff bin ich mit vielen anderen in Richtung Grünberg mit dem Rad. Es hieß, auch in Stangenrod seien Scheunen in Brand geschossen worden. Dann fielen zum zweiten Mal die Bomben.« Lina, das war eine damals gerade 21-jährige junge Frau, die erst ein paar Wochen zuvor einen Luftwaffensoldaten aus Österreich, Karl Geyer, geheiratet hatte. Offensichtlich hatte sie, damals nicht unüblich, Briefe an die Front an unbekannte Soldaten geschickt. So lernte sie ihren Mann kennen. Karl Höhl aus Beltershain: »Er hat wieder geheiratet, lebte dann bei Trier.«

Die Grünbergerin Irma Kreuder (75) geb. Schäfer überlebte nur durch glückliche Umstände: »Wir wohnten in der Gießener Straße. Nicht weit davon, in der alten Turnhalle, war das Lazarett. Die Soldaten dort kamen auch öfter zu uns auf den Hof. So auch am 13. März.

Soldaten: »Heute ist Grünberg dran«



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Artikel vom 15.03.2010 - 10.00 Uhr
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