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Grünberg förderte Tourismus schon vor 70 Jahren

Artikel vom 05.07.2010 - 19.26 Uhr

Grünberg förderte Tourismus schon vor 70 Jahren

Grünberg (fp). »Oberhessen hat sich fremdenverkehrsmäßig mehr und mehr entwickelt, und viele Orte werden als Erholungsgebiet oder anerkannte Luftkurorte empfohlen.«
»Stock und Hut, steht ihm (ihr) gut  ...« - Marei Söhngen-Haffer (Leiterin Stadtarchiv), Museumsleiterin Karin Bautz, Kreisarchi
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»Stock und Hut, steht ihm (ihr) gut ...« - Marei Söhngen-Haffer (Leiterin Stadtarchiv), Museumsleiterin Karin Bautz, Kreisarchivarin Sabine Rassner und Bürgermeister Frank Ide (v. l.) bei der Eröffnung der Ausstellung »Kleinstadtzauber - Waldesruh« vor einer »Stock-und Hut-Sammlung«.
© fp
Dies ist nur ein Satz einer Lobpreisung aus einem Wanderführer, der die Vorzüge der mittelhessischen Region im 19. Jahrhundert vermittelt. Dies zeigt, dass man damals auch hierzulande von einem neuen Phänomen profitieren wollte, dem Tourismus. Die Ausstellung »Kleinstadtzauber - Waldesruh« zeigt die Geschichte des Fremdenverkehrs im Gießener Land auf und wurde am Freitag im Museum im Spital in Grünberg eröffnet. Zu sehen ist sie - samt vielen Exponaten lokaler Provenienz - bis zum 1. August.

Die Wanderausstellung wurde von einigen Kommunalarchiven im Kreis gestaltet, war an manchen Orten bereits zu sehen. In Grünberg erhält sie ihre besondere Note durch zahlreiche Exponate, die das Stadtarchiv und auch Einwohner zur Verfügung stellten. Neben der Originalfahne aus der Gründungszeit des heimischen VHC ist ein Tagebuch des Lehrers Rudolf Kohlbach ein besonderer Schatz: Der hielt neben Wandereinträgen auch politische Begebenheiten und das Tagesgeschehen in Grünberg fest (auch die Legefreudigkeit seiner Hühner). Während des Zweiten Weltkrieges begonnen, reichen die Aufzeichnungen bis ins Jahr 1949.

Museumsleiterin Karin Bautz hob in ihrer Einführung die Vielseitigkeit des Themas hervor. Sie wies besonders auf die Grünberger Ausstellungsstücke hin (etwa Werbeprospekte), die eine rund 70 Jahre zurückreichende Förderung des Fremdenverkehrs in der Gallusstadt dokumentieren. Ihr Dank galt allen, die zum Gelingen der Präsentation beigetragen haben. - Auf den Trend zum Urlaub in heimischen Regionen machte Bürgermeister Ide aufmerksam. Deshalb passe das Thema der Ausstellung auch in die Sommer- und Ferienzeit, da Grünberg zahlreiche auswärtige Besucher begrüßen könne. Mit 70 000 Übernachtungen liege Grünberg hinter Gießen an zweiter Stelle im Landkreis. Der Bürgermeister ging auf die erste Satzung des 1896 gegründeten Verkehrsvereins ein, in der bereits die Stadtverschönerung angesprochen wird. - Die Leiterin des städtischen Archivs, Marei Söhngen-Haffer stellte die gute Zusammenarbeit mit der Museumsleiterin heraus, mit der sie die Stücke aus dem Archiv ausgewählt hatte.

Sabine Rassner, Leiterin des Kreisarchivs, erläuterte die Ausstellung, die einen Teilblick auf die Geschichte des Fremdenverkehrs im Landkreis werfe. Der Titel sei ein Zitat aus einem historischen Wanderführer, klärte Rassner auf. Und ging weiter auf die Historie des Tourismus ein. Die um die Wende zum 20. Jahrhundert gegründeten Verkehrs- und Verschönerungsvereine bemühten sich danach um die Hebung und Förderung des Fremdenverkehrs. Auch überregional tätige Vereine, wie der VHC, spielten eine wesentliche Rolle. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog es die Bundesbürger mit dem Aufschwung zunehmend ins Ausland. Doch auch die heimische Region bemühte sich weiter um Gäste, unter anderem mit farbenfrohen Prospekten.

Die Ausstellung zeigt mit Schautafeln die Förderung des Fremdenverkehrs sowie das Gießener Land in alten Reiseberichten. Gestreift wird ein Besuch eines Amerikaners in Staufenberg und mit dem Limes ein Teil des Weltkulturerbes. Dargestellt werden zudem die Anfänge des »Bieberlieschens« oder Ansichten aus Freienseen. Aufgewertet wird die Präsentation durch Grünberger Stücke, etwa Wanderstöcke, Rucksäcke und weitere Wanderbekleidung. Alte Wander- und Postkarten mit früheren Ansichten der Gallusstadt sind ebenso zu sehen wie eine Antwort auf eine Eingabe des Verkehrsvereins auf Einstellung von städtischen Mitteln zum Ausbau von Spazierwegen. Interessant ist auch ein Reiseprospekt aus 1936, der neben einer detailgenauen Skizze des Entwurfes in einer Vitrine ausgestellt ist. Eine Sonderführung durch Winfried Nau findet am 28. Juli, 18 Uhr statt.

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Artikel vom 05.07.2010 - 19.26 Uhr
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