»GrimmichFolk nur als Gemeinschaftsaktion zu erhalten«
Grünberg (tb). »Was nach dem großen Erfolg und dem mannigfachen Lob für die Aufwertung des kulturellen Lebens der Gallusstadt zu erwarten war, ist jetzt auch offiziell: Das Organisationskomitee hat die erneute Ausrichtung des Folkfestivals im kommenden Jahr beschlossen.« Mit diesen Worten vermittelte die »Allgemeine Zeitung« im Sommer 1999 eine Entscheidung, die bei allen Folkfreunden mit Freude quittiert wurde, schon gar bei den rund 3000 Premieregästen (die 5 Mark Eintritt zahlten auch wegen des Kassenmangels damals nur 1688 Besucher).
»GrimmichFolk«-Rückblick: Initiator Manfred Albrecht (Foto links, rechts) mit Bürgermeister Frank Ide und »Märtfraa« Sigrun Horst bei der Festivaleröffnung 2004 – Rechts die »Rhöner Sauwänzt« 2002 am Winterplatz. (Fotos: Archiv)
Was die finanzielle Bilanz angeht, so war das ehrenamtliche Organisationskomitee denn auch wenig erfreut: Infolge der geringen Einnahmen mussten 1999 die beiden 25 000 DM-Bürgschaften von Stadt und Sparkassen-Stiftung zu jeweils gut die Hälfte in Anspruch genommen werden. Doch das war zweitrangig, zumal bei der Erstauflage niemand einen Riesenansturm erwarten durfte. Entscheidend war vielmehr die tolle Resonanz bei den Gästen. »Wir sind einfach glücklich«, zog am Abend des 16. Mai 1999 Festivalinitiator Manfred Albrecht für die Veranstalter Bilanz. »Wir wollen dieses Festival in der hessischen Kulturlandschaft etablieren«, blickte er damals hoffnungsvoll nach vorn. Elf Jahre später lässt sich sagen: »Ziel erreicht!« Auch in diesem Jahr, vom 13. bis 15. August, lockt die Gallusstadt mit einem attraktiven Bühnenprogramm.
In einem Rückblick des »Orga-Komitees« wird beschrieben, wie es damals dazu kam, dass sich in einer kleinen Gemeinde ein solches, doch respektables Festival etablieren konnte. Danach schlug sozusagen die »Geburtstunde« von »GrimmichFolk« beim Gallusmarkt 1988: Musikfreund Manfred Albrecht vermochte den damaligen Bürgermeister wie auch den Sparkassendirektor für seine Idee zu begeistern. Deren Aufforderung »Dann mach mal!« brachte Albrecht in den Folgemonaten gewaltig in Zugzwang – »und ist leider bis heute immer noch der interne Slogan«, wie die Organisatoren jetzt feststellen. Am 14. und 15. Mai 1999 schließlich wurde Albrechts Idee Wirklichkeit, feierte das Festival mit elf Gruppen aus acht Ländern Premiere.
Dem vorausgegangen war eine gründliche und aufwendige Planung durch die rund 15 Festival-Enthusiasten. Ohne diese ehrenamtliche Arbeit, so stellt man rückblickend fest, aber auch ohne die Ausfallbürgschaften der Stadt und der Stiftung Sparkasse wäre ein solches Vorhaben nicht zu realisieren gewesen. Ein großes Fest sollte es sein, das den Besuchern gefallen, aber auch der Stadt Grünberg und der Geschäftswelt neue Impulse geben sollte.
Stadt vor Dornröschenschlaf bewahren
Zum Bedauern der Organisatoren misslang jedoch der Versuch der Zusammenarbeit mit der Grünberger Werbegemeinschaft, auch fortan sollte sich das auf Einzelaktionen beschränken. Fazit der Folkfreunde: »Diese Entwicklung ist leider bis heute unverständlich, jedoch hat sich zumindest die Akzeptanz verbessert.« – Was aber bewegte die Bürger, über einen solch langen Zeitraum ihre Freizeit zu investieren? Albrecht: »Allen gemeinsam ist die Freude, in einer sehr schönen Fachwerkstadt wie Grünberg zu wohnen und etwas dafür zu tun, dass diese nicht in einem Dornröschenschlaf versinkt, sondern an Attraktivität gewinnt.« Sicherlich würden noch mehr Menschen die Attraktivität und das positive Image, das Grünberg und Oberhessen durch solch ein Festival erhalten, erkennen und unterstützen, meint der pensionierte Lehrer und Mitbegründer der Musik- und Kunstschule Grünberg e.V.. Und weiter: Nur als Gemeinschaftsaktion werde der Fortbestand von »GrimmichFolk« möglich sein.
Als weiteres Motiv der Folkfreunde – neben der Liebe zu dieser Musik, versteht sich – nennt Albrecht die Idee, als Kontrapunkt zur »Globalisierung« auf liebenswerte kulturelle Eigenheiten einzelner Länder und Regionen hinzuweisen, Verständnis füreinander zu entwickeln.